Kräftig steigende Börsen gingen bislang immer mit Dollar-Aufwertungsphasen einher
Starker Euro hilft nur den Versorgern

Studien belegen, wie stark der Dax, die Branchen und einzelne Aktien unter einem schwachen Dollar leiden.

DÜSSELDORF. Ob Schering, VW oder gestern die Deutsche Bank: Viele deutsche Konzerne begründen in den Quartalsergebnissen Mindereinnahmen mit dem starken Euro. Währungsverluste kosteten die Deutsche Bank beispielsweise einen dreistelligen Millionenbetrag. Gewinnt der Euro, sinken die Einnahmen auslandsorientierter Unternehmen, weil sich ihre Exporte erschweren. Dementsprechend fallen die Aktienkurse. Die Belastungen sind messbar und lassen sich für die Zukunft je nach Euro-Prognose voraussagen. So leiden Automobil- und Chemie-Aktien überdurchschnittlich unter einem starken Euro. Hingegen sind Versorgertitel die Gewinner, wie Studien zeigen, die dem Handelsblatt vorliegen.

In den letzten Jahrzehnten führten Schwächeperioden des US-Dollars zu Kursverlusten am deutschen Aktienmarkt. Wer deshalb – wie die Mehrheit der Investmentstrategen – auch 2004 mit einer Dollar-Schwäche rechnet, sollte dem Aktienmarkt fernbleiben.

Besonders stark leiden die Automobil- und Chemiebranche unter einem fallenden Dollar. In vier besonders schwachen Dollarphasen zwischen 1989 und 2003 notierten Automobil-Aktien im jeweiligen Zwölfmonatsvergleich nach Berechnungen der Landesbank Baden- Württemberg (LBBW) durchschnittlich 5,5 % schlechter als der ohnehin schwache Dax. So verlor der Dax in den zwölf Monaten bis September 1990 rund 7 % an Wert. Automobil- Aktien entwickelten sich jedoch 10,2 % und Chemie-Aktien gar 18 % schlechter. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt die WestLB. In dem von ihr untersuchten Zeitraum von 1987 bis 2003 verloren Automobil- und zyklische Konsumwerte sowie der Finanzsektor am stärksten.

Wer also von einem weiter schwachen Dollar überzeugt ist, sollte diese Branchen meiden und allenfalls auf defensive Sektoren wie Versorger, Konsum und Pharma, aber auch Telekom setzen. Die Branchen zeichnen sich durch eine relative Stärke gegenüber dem Gesamtmarkt aus. Obwohl beispielsweise Pharma-Firmen einen hohen US-Umsatzanteil aufweisen, profitieren sie davon, dass ein Großteil der kostenintensiven Forschung ausgelagert wurde. Zudem fallen Vertriebs- und Marketingkosten überwiegend in den USA an. Besonders positiv ist die Performance bei Versorgern. Sie entwickelten sich laut LBBW-Studie während der letzten vier Schwächephasen des Dollars seit 1989 um durchschnittlich 20 % besser als der Dax – und verbuchten als einzige Branche Kursgewinne.

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