Kraftwerk oder Cash
Eon-Aktionäre bekommen die Rechnung

Anleger zahlen einen hohen Preis für den Niedergang bei Eon. Die Aktie ist tief gefallen, die Dividende soll drastisch sinken. Bei der diesjährigen Ausschüttung wagt der Konzern erstmals ein neues Experiment.
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DüsseldorfDer 30. April wird kein freudiger Tag für Eon-Aktionäre. Es ist der Tag, an dem sie auf der Hauptversammlung in Essen einer drastischen Kürzung der Dividende zustimmen werden. Der Konzern kann es sich nicht mehr leisten, so spendabel wie in der Vergangenheit zu sein. Statt 1,10 Euro soll es nur noch 60 Cent je Aktie geben – der Preis für einen jahrelangen Niedergang. Das ist an sich noch keine große Überraschung. Neu ist, dass die Anteilseigner erstmals wählen können, ob sie die Dividende bar oder in Form von Aktien erhalten wollen.

Die Ausschüttung in Form von Aktien, eine sogenannte Sachwertdividende, ist in Deutschland kaum bekannt. Die Telekom hat im vergangenen Jahr ein ähnliches Experiment gewagt. Für die Unternehmen hat diese Variante einen entscheidenden Vorteil: Sie schont die Kasse. „Für Eon verringert sich der Barmittelabfluss“, erklärt ein Sprecher.

Statt Cash werden schließlich Anteilsscheine ausgegeben. Im Fall von Eon handelt es sich um bereits bestehende, im Bestand befindliche eigene Aktien. Wenn der Plan aufgeht, kann das Geld an anderer Stelle eingeplant werden – um zu investieren oder um Löcher zu stopfen. Ob sich das für die Anleger lohnt, ist eine Frage, die direkt mit dem Strompreis zusammenhängt.

Die großen Stromkonzerne Eon und RWE haben noch keine Antwort auf die Energiewende in Deutschland gefunden. Atom- und Kohlekraftwerke waren einst Gelddruckmaschinen. Wegen der subventionierten Konkurrenz durch Ökostrom ist das heute nicht mehr so. Es gibt ein Überangebot an Strom in Deutschland. Die Strompreise am Großmarkt sind eingebrochen – und damit die Gewinne der Konzerne. Den Versorgern bleibt nichts anderes übrig, als Kraftwerke zu schließen und sich nach neuen Geschäften umzusehen, was wiederum Investitionen erfordert. Geschäftsfelder wie Energiedienstleistungen, dezentrale Blockheizkraftwerke oder Haustechnik könnten an Bedeutung gewinnen, die Verluste im Kerngeschäft aber lange nicht ausgleichen.

„Ich sehe das fast schon als Anflug von Verzweiflung vor dem Hintergrund des wegbrechenden konventionellen Geschäfts“, sagt Thomas Deser, Portfoliomanager von Union Investment. Das Unternehmen stecke mitten in der schärfsten Anpassung seiner Geschichte. Sollte der Strompreis weiter sinken, werde sich der Druck noch erhöhen. Die Fondsgesellschaft hält einen Anteil von 1,3 Prozent – und gehört damit zu den größeren Aktionären bei Eon. Man wolle sich die Dividende in bar auszahlen lassen, sagt Deser.

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  • Unter dem Strich haben RWE und EON ihr Geschäftsmodell verloren. Wenn eine Gruppe von Stromlieferanten unabhängig vom Bedarf das Recht hat seinen Strom zum Apothekenpreis einzuspeisen und eine andere Gruppe für die kostenintensive Sicherheit der Stromversorgung zuständig sein soll, kann das Konzept nicht funktionieren. Das Ganze verschlimmert sich noch dadurch, dass hochsubventionierte PV Zellen, wenn sie einmal aufgebaut sind, der Strom zu 0 variablen Kosten produzieren.

    Und an alle die, die jetzt meinen, dass wäre ein Zeichen, dass PV wirtschaftlich sei, sofort die Gegenfrage: Warum wird PV subventioniert, wenn es doch so wirtschaftlich ist? Der Wind bläst wenigstens auch nachts, aber man braucht Tausende Windräder um ein AKW zu ersetzen und noch einige Backupkraftwerke, um die Stabilität des Netzes garantieren zu können. Was nutzt es, wenn an sonnigen, windigen Tagen drei mal mehr Strom produziert wird, als benötigt wird und dann kurzzeitig eine extreme Unterversorgung auftreten kann. Über kurz oder lang, wird die Bundesnetzagentur die Backupkraftwerke übernehmen und betreiben müssen, was einer Verstaatlichung gleich kommt.

    Fazit: Ein Investment in den Stromversorgungssektor Deutschlands ist ein Investment in einen sterbenden Sektor. Zwischenzeitliche Anstiege der Versorgeraktien sind bestenfalls eine "Dead cat´s bounce". Hier hat der Staat das Ruder übernommen. Preislich besteht noch viel Luft nach oben. Ich würde mich nicht wundern, wenn in 10 Jahren eine Kw/h 0,35 Euro kosten würde. Firmen, wie Siemens, die intelligente Steuerungssysteme anbieten werden profitieren, da sie den Kostenanstieg bremsen können.

  • " In Sachen Strom faselte Herr Özdemir von Gigabyte..."
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    Na, das paßt doch zum typischen Bildungsgrad der GrünInnen.

    Ich habe wenig Ahnung von Anlagegeschäften, aber angesichts des Wütens der EEG-Sektierer in Berlin würde ich aus dem Bauch heraus nehmen, was ich kriegen kann (also die Dividenden) und die Eon-Aktien verscherbeln, solange es noch was dafür gibt.
    Ob diese Bauchentscheidung richtig wäre, ist eine andere Frage, die nur Wirtschaftsexperten richtig beantworten können.

  • die Masse der Menschheit war schon immer bescheuert und vermochte noch nie eigene Gedankengänge und Fragen zu erzeugen; geschweige denn einmal über den Tellerrand hinauszuschauen. Auch auf Grund dieser Eigenschaft gab und gibt es Kriege auf diesem Erdball.

    Heute ist es nicht anders: die Masse der Bevölkerung ist einfach in vielen Sachen strunzdumm; ich kann es leider nicht mehr anders sagen.

    Und die Parteien... verstehen es prächtig die Menschheit einzulullen. Respekt.

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