Krankenhausbetreiber Rhön-Klinikum ist Favorit der Analysten
Klinik-Aktien hängen am Tropf der Politik

In der deutschen Krankenhauslandschaft werden die Karten neu gemischt – offenbar zu Gunsten der privaten Krankenhausbetreiber. Nachdem auch der Bundesrat die Einführung des Fallpauschalensystems gebilligt hat, treibt es immer mehr öffentliche Häuser in die Arme privater Ketten.

FRANKFURT/M. Jüngstes Beispiel ist das 286 Betten zählende Stadtkrankenhaus Cuxhaven, das für eine nicht genannte Summe an die im MDax notierte Rhön-Klinikum AG ging, weil es die Umstellung auf das neue Abrechnungssystem nicht alleine hätte stemmen können. Analysten rechnen damit, dass die privaten Gruppen in den kommenden Monaten ihre Marktanteile weiter ausbauen werden. Unter den wenigen börsennotierten Anbietern der Branche gilt das Rhön-Klinikum als Favorit.

Wie alle Aktien aus dem Gesundheitsbereich sind die Papiere von Krankenhausbetreibern besonders in wirtschaftlichen Krisenzeiten ein verlockendes Investment. Welche andere Branche kann sich schon über Jahre hinweg einer steigenden Nachfrage sicher sein? Neben der demographischen Entwicklung spielt derzeit auch die Politik den privaten Anbietern der Branche zu. Der starke Einfluss, den sich der Gesetzgeber in der Gesundheitsversorgung vorbehält, macht jedoch gleichzeitig auch das größte Risiko des Investments aus.

Wie schnell neue politische Rahmenbedingungen ganze Geschäftsmodelle unbrauchbar machen können, mussten die Betreiber von Rehabilitationskliniken Mitte der neunziger Jahre erfahren. Als im Zuge des Wachstums- und Beschäftigungsförderungsgesetzes die Erstattungsfähigkeit von Kurleistungen stark beschnitten wurden, verwaisten in den meisten Reha-Einrichtungen die Betten. Anbieter, die wie die börsennotierte Eifelhöhen-Klinik AG mit neuen Angeboten etwa aus dem Bereich der ambulanten Reha-Versorgung auf die veränderten Spielregeln reagierten, rannten bei den auf Kostensenkungen bedachten Krankenversicherern nicht gerade offene Türen ein.

Das Unternehmen Mediclin AG hofft noch auf einen Boom der so genannten Anschlussheilbehandlung durch die Einführung der Fallpauschale. Mediclin betreibt sowohl Rehakliniken als auch Allgemeinkrankenhäuser. Da sich die kostspieligen Liegezeiten in den Krankenhäusern verkürzen sollen, könnten frisch operierte Patienten in die preiswerteren Reha-Betten verlegt werden, so ihr Kalkül. Mit einer daraus resultierenden Renaissance der Reha-Klinik rechnet die nicht börsennotierte Sana-Gruppe dagegen nicht mehr. Da die Erstattungsfähigkeit von Anschlussheilbehandlungen noch nicht geklärt ist, entschied das Management jüngst, keine Reha-Häuser mehr zu übernehmen, sondern die entsprechenden Dienstleistungen bei Bedarf zuzukaufen.

Auch Ludger Mues, Wertpapieranalyst beim Bankhaus Sal. Oppenheim, sieht die Zukunft des Reha-Sektors skeptisch. Sowohl die Eifelhöhen-Klinik als auch Mediclin sind von der Liste der von ihm beobachteten Unternehmen verschwunden. Sein Favorit ist das Rhön-Klinikum, weil es sich auf die medizinische Grundversorgung konzentriert.

Mit einem Jahresumsatz von 875 Mill. Euro spielt das als Pionier der deutschen Branche geltende Rhön-Klinikum auch an der europäischen Spitze mit. Darüber hinaus bietet sich dem Aktienkäufer in diesem Dienstleistungssektor nur ein sehr beschränktes Angebot. Von den zehn größten europäischen Klinikbetreibern ist lediglich die Hälfte börsennotiert, den im MDax notierten Fresenius-Konzern einmal mitgezählt. Bei ihm entfällt allerdings nur knapp ein Zehntel des Umsatzes auf den Klinikbetrieb.

An der Pariser Börse gelistet ist die französische Générale de Santé. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von knapp 15 ist der Titel etwas höher bewertet als das Rhön-Klinikum mit einem KGV von 12,3. Nachdem ein italienischer Investor gerade knapp ein Drittel der Anteile übernahm, ist die künftige Ausrichtung allerdings ungewiss. Deutlich teurer sind die Aktien der schwedischen Capio-Gruppe. Sie ist bereits in Frankreich vertreten und war auch an einem Einstieg bei Générale de Santé interessiert. Wie bei seinen Versuchen, auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen, kam Capio jedoch nicht zum Zuge. Mit einem KGV von über 20 ist die Aktie inzwischen ziemlich hoch bewertet.

Besonders private Anleger können diese Werte aber auch wegen der Gebühren teuer zu stehen kommen. Mangels deutscher Börsennotierung lassen sich die Aufträge nicht automatisch abwickeln, sondern müssen einzeln bearbeitet werden. Im Fall der in Schwedenkronen notierten Capio-Aktie kommt noch der Währungseffekt hinzu, den manche Händler für zusätzliche Einnahmen nutzen. Giuseppe Amato von der Lang & Schwarz Wertpapierhandel AG unterstreicht, dass sich auch die geringe Liquidität dieser Titel an den deutschen Handelsplätzen als Nachteil erweisen kann: „Wer aussteigen will, findet nicht zu jedem Zeitpunkt einen Käufer.“

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