Kritik an Staatseinstieg: Commerzbank-Aktie fällt bei Analysten durch

Kritik an Staatseinstieg
Commerzbank-Aktie fällt bei Analysten durch

Börsianer mögen keine staatlichen Interventionen. Die heftigen Kursverluste der Commerzbank-Aktie als Reaktion auf den Einstieg des Bundes machen das deutlich. Analysten und Aktionärsschützer finden ebenfalls klare Worte. Die Übernahme der Dresdner Bank werten sie als bittere Pille für die Commerzbank-Aktionäre. Glücklich mache sie nur die Anteilseigener der Allianz.

FRANKFURT. Die Commerzbank bekommt zehn zusätzliche Milliarden vom Staat. Damit kann sie - wie geplant - die Übernahme der Dresdner Bank finanzieren. Die Aktionäre der Commerzbank aber sind entsetzt. Der Aktienkurs des Geldhauses fiel zwischenzeitlich auf ein neues Allzeittief bei 4,69 Euro. Auf Dreimonatssicht haben die Papiere fast die Hälfte ihres Wertes verloren. Besserung ist vorerst nicht Sicht. Die weitere Kapitalaufstockung bedeute für die Aktionäre eine schwere Belastung, sagt Alan Webborn, Analyst bei Société Générale.

Viele Marktbeobachter wurden von der neuerlichen Finanzspritze des Bundes überrascht. Andreas Weese, Analyst bei Unicredit, spricht von einem schweren Vertrauensverlust. Unklar ist auch, ob die Integration der Dresdner Bank tatsächlich gelingen wird. Die Risiken sind jedenfalls nicht ohne. Mit der Dresdner holt sich die Commerzbank einen Problemfall ins Haus. Vertrauensverlust und Integrationrisiken machten die Aktie bis auf weiteres für Anleger unattraktiv, sagt Weese. Das Kursziel hat Unicredit radikal von 8,50 Euro auf 4,40 Euro zusammengestutzt. Weeses Empfehlung lautet: "Verkaufen".

"Das Ausmaß der staatlichen Geldspritze ist außerordentlich hoch", sagt Helmut Hipper, Fondsmanager bei Union Investment. "Sie zeigt, wie groß die Probleme bei der Commerzbank sind und wie oberflächlich die Bücher der Dresdner Bank geprüft wurden." Die Analysten von Keefe, Bruyette & Woods in London beklagen vor allem die fehlende Transparenz und Klarheit in der Kommunikation der Commerzbank. Sie kritisieren, dass die Übernahme der Dresdner nicht komplett beerdigt wurde. Der Deal werde aus politischen Gründen durchgezogen - auf Kosten der Commerzbank-Aktionäre.

Auch die Aktionärsschützer sind skeptisch. Sie fürchten nach der massiven Staatsbeteiligung eine zu starke Einmischung der Politik. "Der Staat hat sich als schlechter Banker erwiesen", sagte Rechtsanwalt Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

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