Kritiker bemängeln zu geringe Finanzreserven
Euroshop entzweit die Analysten

Auf den ersten Blick sieht alles nach einer Erfolgsgeschichte aus, wie sie die Börsianer lieben: Mit Beteiligungen an Shoppingcentern hat die Deutsche Euroshopseit seit ihrem Börsendebüt im Jahre 2001 ihre Marktkapitalisierung stetig vergrößert und sich so in den Börsenranglisten immer weiter nach oben gearbeitet. Vom 20. September an notiert die Aktie nun im M-Dax, dem Segment für mittelgroße Unternehmen.

HB FRANKFURT/M. Aktuell ist die Hamburger Gesellschaft an 14 Einkaufszentren beteiligt. Neun davon sind in Deutschland und liegen wie etwa das Frankfurter Main-Taunus-Zentrum und das Rhein-Neckar-Zentrum Viernheim in Ballungszentren mit entsprechend großem Einzugsgebiet. Dazu kommen weitere Objekte in Italien, Frankreich, Ungarn, Polen und Österreich.

Konsumflaute ist dabei offenbar ein Fremdwort für das Unternehmen. Nach den ersten sechs Monaten lag der Umsatz der Gesellschaft mit 25,5 Mill. Euro fast 5 % höher als im Vorjahreszeitraum. Allerdings fiel der Periodenüberschuss mit 0,75 Mill. Euro um 40 % niedriger aus. Als Gründe gab das Euroshop-Management Baukosten für ein neues Projekt in Wetzlar, gestiegene Zinsaufwendungen sowie Sanierungsausgaben für das mittlerweile verkaufte Einkaufszentrum im italienischen Udine an. Vorstandssprecher Claus-Matthias Böge und Analysten rechnen im zweiten Halbjahr jedoch mit einer Verbesserung der Ertragssituation. Dazu sollen ein Buchgewinn aus dem Verkauf des Udine-Centers in Höhe von 3,5 Mill. Euro und geringere Kosten beitragen.

Nach Angaben von Euroshop ist im gesamten Beteiligungsportfolio der Vermietungsstand sehr hoch und mit langfristigen Mietverträgen abgesichert. Bis Jahresende will Euroshop in ein weiteres Einkaufszentrum investieren, das vorzugsweise im Ausland liegen soll.

Keine teuren City-Lagen

Die bisherige Beteiligungspolitik erhält dabei von Analysten reichlich Lob. Vor allem die klare Fokussierung auf wertstabile Einkaufszentren abseits der teuren City-Lagen schätzen die Experten. Die Bewirtschaftung überlässt Euroshop dabei regional erfahrenen Managern. Insgesamt hätten sich die Zentren und damit die Erlöse „überproportional zu der allgemeinen Konsumentwicklung insbesondere in Deutschland“ entwickelt, hebt Roland Könen vom Bankhaus Lampe hervor. Er führt den Titel auf der Kaufliste mit einem Kursziel von 38 Euro auf Jahressicht.

Besonders angetan sind einige Anlageexperten jedoch von der Ausschüttungspolitik des Immobilienentwicklers, an dem die Hamburger Versandhaus-Familie Otto 21 Prozent hält (der Rest der Anteile liegt in Streubesitz). „Für Euroshop spricht die Dividendenrendite von derzeit 5,4 Prozent auf Basis der geplanten konstanten Ausschüttung von 1,92 Euro je Anteil“, betont Claus Roggatz von der Hamburger Sparkasse. Für das Jahr 2005 rechnet er sogar mit einer leichten Dividendenerhöhung. Daher hat er die Aktie mit „kaufen“ eingestuft, den fairen Wert gibt er mit 38,70 Euro auf Jahressicht an.

Bonbon für Anleger: Die Dividende ist steuerfrei und wird es auch nach Ansicht von Roggatz bis mindestens 2007 bleiben, wenn es keine Gesetzesänderung gibt. Die bisher an den Tag gelegte „moderate Wachstumsstrategie im Ausland“ sei ein weiterer Pluspunkt für das Unternehmen, betont Roggatz.

Doch gerade die von vielen Seiten gelobte Dividendenpolitik stößt bei Steffen Wollnik von der HSH Nordbank auf Kritik. Er weist auf die Kehrseite einer hohen Ausschüttung hin: „Das Unternehmen schüttet immer den gesamten Cash Flow aus und hat damit keine Rücklagen für unvorhersehbare Ereignisse wie etwa die Sanierung in Udine“, bemängelt der Analyst. Bei Immobilien müssen seiner Meinung nach für Instandsetzungsarbeiten Gelder zur Seite gelegt werden. Seine Empfehlung bei Euroshop ist somit „verkaufen“. Der Kurs der Aktie wird seiner Meinung nach in den nächsten sechs Monaten bis auf 35,10 Euro zurückgehen.

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