Kritiker werfen dem Börsenkandidaten irreführende Renditeangaben vor
Fondsspezialist HCI lockt Aktionäre mit Dividendenzusage

Der an die Börse strebende Fondsspezialist HCI lockt Anleger mit der Aussicht auf hohe Dividenden. „Wir werden auch in Zukunft eine ähnliche Dividende ausschütten wie in der Vergangenheit“, sagte HCI-Vorstandschef Harald Christ auf der Pressekonferenz zum Börsengang. Zuletzt hatte HCI seinen Gewinn zu rund 80 Prozent an die Anteilseigner ausgezahlt.

FRANKFURT/HAMBURG. Die Analysten der Konsortialbank CSFB rechnen für das laufende Jahr mit einem Gewinn von 32 Mill. Euro nach 20,5 Mill. Euro im Vorjahr. Zur Jahresmitte 2005 lag der Gewinn bereits bei 23 Mill. Euro.

Im vorbörslichen Handel notierten die Aktien im Rahmen der Angebotsspanne von 19 bis 23 Euro. Die Aktien seien noch nicht so gefragt, weil die Altaktionäre sich von einem großen Teil ihrer Anteile trennen würden. Dies komme im Markt nicht so gut an, sagten Händler. HCI hatte dies damit begründet, dass ausreichend Papiere an den Markt gebracht werden sollten, um das Unternehmen in den Nebenwerteindex MDax zu bringen.

Für Wirbel sorgt derzeit die Informationspolitik des Emissionshauses. Mehrere Branchendienste hatten die von der HCI auf der Internetseite veröffentlichen Leistungsbilanzen scharf kritisiert. Die dort veröffentlichten Renditeangaben schürten den Verdacht, dass die HCI die Angaben „aufpoliert“ habe, um den Aktienmarkt zu beeindrucken, monierte der Branchendienst Kapitalmarkt Intern.

Zu den Kritikern gehört auch der renommierte Schifffahrtsexperte Jürgen Dobert. „Die hier ausgewiesenen Renditen sind für den Anleger irreführend. Sie wurden nach der längst veralteten Zinsfußmethode IRR berechnet, die nichts über den wirtschaftlichen Erfolg des Fonds aussagt“, meint Dobert. HCI wolle damit lediglich den Vertrieb ankurbeln.

Ein Beispiel hierfür ist der Fonds „Claudia“: Laut der Leistungsbilanz 1999 ergab sich für dieses 1992 gekaufte und 1996 wieder verkaufte Schiff eine Rendite von mehr als 30 Prozent pro Jahr. Im April 2005 wird für dasselbe Schiff hingegen eine Rendite von mehr als 50 Prozent angegeben. Laut Dobert ist diese Rendite nicht mehr erzielbar, weil die inzwischen ehemals hohen Verlustzuweisungen durch die Einführung der Tonnagesteuer abgeschafft wurden.

Vorstandschef Christ wies die Vorwürfe zurück. Er begründet die unterschiedlichen Angaben in den Leistungsbilanzen damit, dass die Renditen in der Vergangenheit aufgrund der Steuergesetzgebung immens hoch ausgefallen seien. Daher habe man das Finanzamt nicht zu sehr darauf aufmerksam machen wollen. Die Angaben seien aber korrekt. Allerdings sei eine durchschnittliche Rendite bei den Schiffsfonds von 22,6 Prozent wegen der geänderten steuerrechtlichen Lage in Zukunft nicht mehr erreichbar. HCI wolle daher künftig nicht mehr mit den Renditen aus den Zeiten der IRR-Methode werben und habe deshalb die alten Leistungsbilanzen von der Internetseite genommen.

Die Börsendaten

HCI (ISIN: DE000A0D9Y97) bietet seine Aktien zwischen 22.9. und 5.10. in einer Spanne von 19 bis 23 Euro zur Zeichnung an. Erstnotiz soll der 6.10. sein. Es geht um bis zu 4,0 Mill. neue Aktien sowie 9,6 Mill. Aktien aus Altbesitz.

Die Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) beläuft sich auf 2,03 Mill. Aktien aus dem Besitz der Altaktionäre. Begleitet wird die Aktien-Emission von den Banken Dresdner Kleinwort Wasserstein sowie CSFB

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