KTG Agrar
Ein Bauer geht an die Börse

Die Landwirtschaft schickt sich an, neue Felder zu erschließen: Mit der Hamburger KTG Agrar wagt erstmals ein Produzent landwirtschaftlicher Erzeugnisse den Schritt aufs Parkett. Vom derzeitigen Erfolg getrieben, geht das Unternehmen von fruchtbaren Ergebnissen aus.

BERLIN. Steigende Preise für Rohstoffe und Agrarprodukte haben der deutschen Landwirtschaft neues Selbstbewusstsein gegeben. Nun wagt der erste Agrarproduzent, die Hamburger KTG Agrar, den Gang an die Börse. „Wir werden im November unsere Eigenkapitalbasis verbreitern und mit unseren Aktien in den Entry Standard gehen“, sagt Firmengründer und Vorstandschef Siegfried Hofreiter im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Der Börsengang wird von der Frankfurter Investmentbank Equinet AG betreut. Aus Bankenkreisen hieß es dazu, das Emissionsvolumen werde zwischen 30 und 40 Mill. Euro liegen. Der weitaus größte Teil des Emissionserlöses soll dem Unternehmen als frisches Eigenkapital zufließen. Die Gründerfamilie will darüber hinaus rund 10 Prozent ihrer Beteiligung über die Börse platzieren.

Gemessen an der bewirtschafteten Fläche von 14 000 Hektar – 85 Prozent davon ist gepachtet – sieht sich KTG als Europas führender Agrarproduzent. „Die Kernkompetenz liegt im ökologischen und konventionellen Anbau von Getreide, Mais und Raps“, sagt Hofreiter. Zudem baut der Betrieb Kartoffeln und Zuckerrüben an. KTG ist auch in der Bioenergie-Produktion aktiv. Der erste Schritt ins Ausland wurde mit dem Erwerb von Nutzflächen in Litauen getan. „Die dortige Vegetationsphase liegt etwa drei Wochen hinter der deutschen“, schildert KTG-Finanzchef Horst Buschmann die Vorteile. So können die Erntemaschinen nach der Ernte in Deutschland per Fähre in 20 Stunden nach Litauen transportieren und dort erneut eingesetzt werden. Der Börsengang verdeutlicht, dass die Hausse agrarischer Rohstoffe die über viele Jahrzehnte hinweg stiefmütterlich behandelte Landwirtschaft in den Fokus der Finanzwelt rückt. Nicht zuletzt steigende Preise für Milch, Käse und Brot haben in Deutschland die Rufe nach einer starken und effizienten Agrarwirtschaft lauter werden lassen. Die Fachleute der DWS sprechen sogar von einer „zweiten Agrar-Revolution“.

Diesen Rückenwind nutzt das mittelständische Hamburger Unternehmen, das mit 115 Mitarbeitern im vergangenen Jahr einen Umsatz von 17,9 Mill. Euro und einen Bruttogewinn von 2,5 Mill. Euro erzielt hat. „Das Umfeld haussierender Rohstoffpreise ist für den Börsengang geradezu ideal“, sagt Hofreiter. Man profitiere indes nicht nur von stark gestiegenen Agrarpreisen, sondern als Produzent ökologischer Agrarrohstoffe auch vom Trend hin zu gesunder Ernährung.

Nicht zuletzt schwimme man auf der Welle der Peak-Oil-Theorie, die in einigen Jahrzehnten das Ende des Ölzeitalters erwartet, und dem daraus resultierenden Trend hin zur Produktion von Bioenergie aus nachwachsenden Rohstoffen. Dies habe man früh erkannt und nach der Wende in den neuen Bundesländern im Rahmen der Privatisierung konsequent den Kauf von Agrarflächen vorangetrieben. Hierdurch habe man das dort bestehende Fachwissen in der großflächigen Landwirtschaft nutzen können. In den nächsten Jahren biete die ungelöste Nachfolgeregelung bei ostdeutschen Agrarbetrieben weitere Chancen für Übernahmen. „Wir waren Konsolidierer Nummer eins und wollen das mit einer besseren Eigenkapitaldecke auch bleiben“, sagt Hofreiter.

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