Kursanstieg durch Übernahmephantasien – Weitere Gewinnchancen werden gering eingeschätzt
Hochtief spaltet die Analysten

Die Baubranche hat die Krise längst nicht überstanden. In den ersten neun Monaten des Jahres lagen die Auftragseingänge laut dem Statistischen Bundesamt wieder elf Prozent unter dem ohnehin schwachen Vorjahresniveau. Trotzdem konnten die Aktien des größten deutschen Baukonzerns Hochtief seit Januar kräftige Gewinne erzielen. Analysten werten dies zumindest teilweise als Erfolg der Restrukturierung. Denn das Essener Unternehmen hat den heimischen Markt so gut wie abgehakt. Wichtiger sind mittlerweile das Auslandsgeschäft und der margenstärkere Dienstleistungssektor.

DÜSSELDORF. Das zeigte sich auch bei den kürzlich vorgelegten Quartalszahlen: Mit einem Nettogewinn von 16,9Mill. Euro nach einem Verlust von knapp 7 Mill. Euro im Vorjahreszeitraum übertraf der Konzern die Erwartungen fast aller Analysten – vor allem dank der guten Geschäfte im Ausland und im Dienstleistungssektor. Denn mittlerweile erwirtschaftet der Konzern rund 84 Prozent des gesamten Umsatzes außerhalb Deutschlands. 29 Prozent aller Leistungen der Essener sind mittlerweile Dienstleistungen, insbesondere in der Gebäude-Verwaltung (Facility Management), dem Betreiben von Flughäfen, Maut-Straßen, Tunneln und Brücken.

Die Analysten bewerten die Neupositionierung daher positiv – vor allem mit Blick auf den Aktienkurs. So konnten die im MDax notierten Papiere seit Jahresbeginn zeitweise bis zu 70 Prozent zulegen. Noch im Oktober gewannen die Titel rund ein Drittel an Wert und notierten gestern mit fast 23 Euro auf einem neuen 52-Wochen-Hoch.

Die Mehrheit der Experten sieht die Aktie damit aber fair bewertet, weitere Höhenflüge seien zumindest kurzfristig eher unwahrscheinlich. „Aus fundamentaler Sicht stößt der Kurs vorerst an seine Grenzen“, meint Erhard Schmitt, Anlageexperte bei Helaba Trust. Zu dem gleichen Schluss kommt Burkhard Sawazki von HSBC Trinkaus&Burkhardt: „Das Potenzial ist erstmal erschöpft.“

Denn angetrieben wurde das Papier in den letzten Wochen vor allem von Übernahmephantasien. „Es ist zwar keine Überraschung mehr, dass RWE sich von seinem rund 56-prozentigen Anteil trennen will“, stellt Helaba-Experte Schmitt fest. Lange Zeit habe der Energiekonzern den Verkauf aber herausgezögert. „Der Aktienpreis war einfach zu niedrig, der Erlös wäre zu gering gewesen“, erklärt der Analyst. Seit einigen Wochen sei RWE jetzt bereit, ein potenzieller Käufer sei allerdings nicht mehr in Sicht. Zumindest kurzfristig sieht Schmitt daher keine weitere Aufwärtsbewegung. Denn erst im nächsten Jahr werde mit einer endgültigen Entscheidung gerechnet, so der Finanzexperte.

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