Kursanstiege wecken Erinnerung an Technologie-Hoch
In Schweden boomen Biotech-Aktien

In Schweden hat die Biotechbranche einen guten Stand: Seit Jahresbeginn ist der Biotech-Index der Zeitschrift Affärsvärlden um 155 % gestiegen. Der Gesamtindex der Stockholmer Börse zog „nur“ um 18 % an.

hst STOCKHOLM. Man fühlt sich an die Jahre 1999 und 2000 erinnert: Kursgewinne von mehreren hundert Prozent waren keine Seltenheit, als Anleger schon bei der Ankündigung eines Unternehmens, sich stärker in der IT-Branche zu engagieren, zum Telefonhörer griffen und Aktien orderten. Etwas außerhalb des Rampenlichts hat sich in Schweden dieses Jahr Ähnliches in der Biotech-Branche abgespielt. Seit Jahresbeginn ist der Biotech-Index der Zeitschrift Affärsvärlden um 155 % gestiegen. Der Gesamtindex der Stockholmer Börse zog „nur“ um 18 % an.

Und wie schon während der IT-Euphorie finden sich Unternehmen, deren Aktienkurse in atemberaubende Höhen gestiegen sind. Der Aktienkurs von Oxigene, einem schwedischen Unternehmen, dass hauptsächlich in der Entwicklung von Krebs-bekämpfenden Arzneimitteln tätig ist, stieg seit Jahresanfang um 840 %. Sehen lassen können sich auch die Kursanstiege von schwedischen Biotech-Unternehmen wie Medivir (+199 %), Diamyd Medical (+189 %), Active Biotech (+183 %) und Tripep (+151 %).

Viele der Unternehmen haben enge Kontakte Biotech-Firmen aus den USA geschlossen, wo seit längerer Zeit ein positives Klima für die Branche herrscht. Der Nasdaq- Biotech-Index ist seit Anfang 2003 um rund 60 % gestiegen. Zu den schwedischen Firmen, die Kooperationsverträge mit US-Konkurrenten geschlossen haben, zählen auch Oxigene und Diamyd Medical.

Ola Olsson, Analyst bei Fischer Partners in Stockholm, warnt aber vor übertriebenen Hoffnungen: Einige der Kursraketen der vergangenen Monate befänden sich bei ihrer Forschungsarbeit in den Anfängen und hätten noch kein Produkt auf dem Markt. „Viele der Firmen, deren Aktien jetzt nach oben geschossen sind, laufen im Fahrwasser der wenigen Erfolgreichen mit“, sagt er.

Dieses Phänomen ist seit der IT-Hype vielen Anlegern bekannt. Schwarze Zahlen schreiben aber nur ganz wenige Biotech-Firmen. Biacore etwa verzeichnete im ersten Halbjahr 2003 einen bescheidenen Vorsteuergewinn von 40 Mill. Kronen (4,5 Mill. Euro), die Aktie zog allerdings nur um 14 % an. Ein zweites Biotech-Unternehmen, Q-Med, konnte im Frühjahr eine Lizenz in die USA verkaufen und verbuchte dafür einmalige Einnahmen von etwa 450 Mill. Kronen. Bereinigt um diesen Betrag machte die Firma im ersten Halbjahr ein leichtes Minus von 2 Mill. Kronen. Die Aktie ist seit Jahresanfang um 97 % gestiegen. Noch dramatischer sieht es bei Active Biotech aus, die vor allem in der Multiple Sklerose-Forschung tätig sind: Der Kurs stieg bisher um rund 70 %, das Unternehmen aber schrieb mit minus 139 Mill. Kronen tiefrote Zahlen.

Nach Meinung von Analyst Olsson haben viele Anleger Nachholbedarf: „Wir haben eine Zeit mit kräftigen Rückgängen an den Börsen hinter uns. Jetzt hofft man auf eine Umkehr“, sagt er. Leif Ljungkvist, Analyst bei der isländischen Bank Kaupthing, sieht das größte Problem darin, dass eine positive Nachricht für ein schwedisches Biotech-Unternehmen sofort die Kurse der gesamten Branche nach oben drückt. „Wir bewerten Medivir, Maxim und Active Biotech positiv und finden sie nicht überbewertet“, sagt er . Für Oxigene, den Kursgewinner des Jahres, ist er deutlich skeptischer: „Das ist eine Risikoanlage, denn Oxigene hat im Prinzip nur ein Produkt in der Pipeline.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%