Kurse im vorbörslichen Handel zeigen große Nachfrage nach Solaraktien
Unternehmen hoffen auf starke Börsendebüts

Am deutschen Aktienmarkt herrscht Euphorie. Nicht nur die Kurse bereits börsennotierter Unternehmen steigen, auch bei den Börsenkandidaten deutet alles auf deutliche Zeichnungsgewinne hin. Deutliche Signale hierfür zeigt der vorbörsliche Handel:

FRANKFURT/M. Dort notierten gestern die Papiere des Solarzellenherstellers Q-Cells mehr als 70 Prozent über der Angebotsspanne (siehe „Kaufsignale“). Zuvor hatte es auch in Finanzkreisen geheißen, es gebe schon jetzt sechs Mal mehr Nachfrage als Angebot nach den Papieren. Spekuliert wird, dass die Banken die noch bis zum 4. Oktober laufende Zeichnungsphase vorzeitig beenden werden.

„Solarwerte sind derzeit einfach gefragt, Q-Cells profitiert vom Höhenflug des Brachenprimus Solarworld“, sagte ein Händler. Solarworld-Papiere hatten sich angesichts des explodierenden Ölpreises in diesem Jahr im Wert fast vervierfacht auf zuletzt 137 Euro. Im Windschatten von Solarworld und Q-Cells notieren auch die Papiere des Wettbewerbers Ersol über der Angebotsspanne, und auch die Titel des Finanzdienstleisters Interhyp sind gefragt. „Viele Anleger haben weiterhin hohe Bargeld-Positionen. Diesem Anlagedruck stehen die gut gelaufenen Aktienmärkte gegenüber, weshalb Anleger verstärkt nach Investments in attraktiven Börsenneulingen suchen“, erklärt Jörg-Alexander Seidel, Investmentbanker bei Dresdner Kleinwort Wasserstein, die Euphorie.

Im so genannten Handel per Erscheinen stellen Börsenmakler An- und Verkaufskurse für Aktien von Unternehmen, die sich in der letzten Phase des Börsengangs befinden. Als Grundlage dient dabei die Angebotsspanne. Anleger können nun kaufen oder verkaufen. Die so zustande kommenden Kurse gelten trotz der insgesamt geringen Anzahl der gehandelten Aktien als guter Indikator für die den ersten „echten“ Börsenpreis. „Sie sind im Schnitt viel näher am ersten Börsenpreis als der Ausgabepreis oder die Mitte der Angebotsspanne“, lautet das Ergebnis einer Studie der Universitäten Frankfurt, Ulm und Bonn.

Von Vorteil sei die Beobachtung dieses Marktes daher vor allem für den weniger informierten Anleger, der sich bei der Entscheidung, ob er die Aktie bei seiner Bank tatsächlich zeichnet, an der Kursentwicklung im „Handel per Erscheinen“ orientieren könnte. Anders ausgedrückt, die Meinung der großen Fondsmanager, Vermögensverwalter und Analysten, mit denen die Firmen sprechen, fließt in die Preisbildung hier bereits vor dem Börsengang ein und gibt eine gute Orientierung. Schließlich können diese Gruppen hier ebenso kaufen- und verkaufen wie Privatanleger. Diese müssen allerdings letztlich die beiden einzigen Makler einschalten, die dieses Geschäft in nennenswertem Umfang betreiben. Das sind die Düsseldorfer Broker Lang & Schwarz und die DKM Wertpapierhandelsbank (ehemals Schnigge).

Während die Marktmeinung bei Q-Cells zu entsprechend hohen, über der Angebotsspanne liegenden vorbörslichen Kursen führt, scheint sie einen möglichen Höhenflug beim Fondsanbieter HCI zu verhindern. Trotz der guten Börsenzeiten werden diese Titel nur innerhalb der Spanne gehandelt. Händler begründen dies damit, das Anleger den Verkauf von Aktien von Altgesellschaftern negativ bewerteten. Das Geld der Anleger fließe weniger in das Wachstum der Gesellschaft als vielmehr in die Taschen der Firmengründer.

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