Kurseinbruch
Anleger flüchten aus Arcandor-Aktien

Für die Aktionäre des Handels- und Touristikkonzerns Arcandor waren die verganenen Wochen ein ständiges Wechselbad der Gefühle. Insolvenzängste wurden immer wieder von Hoffnungen auf Staatshilfen überlagert. Nach der neuesten Wendung haben viele Anleger den Glauben an die Rettung verloren. Der Kurs der Arcandor-Aktie bricht weiter ein.

HB DÜSSELDORF. Arcandor-Aktien haben am Montag, dem Tag der Entscheidung über die Zukunft des Handels- und Touristikkonzerns, mehr als 40 Prozent an Wert verloren. Nach der Absage der Regierung an für eine Staatsbürgschaft bangt Arcandor um den ebenfalls beantragten Notkredit über 437 Mio. Euro. Im Bundeswirtschaftsministerium wurden am Montagmittag die Beratungen über die staatliche Rettungsbeihilfe aufgenommen. Erst wenn auch dieser Antrag abgelehnt werde, sei das Unternehmen gezwungen, Insolvenz anzumelden, sagte ein Unternehmenssprecher. Laut Regierungskreisen hat die Bundesregierung den Antrag des angeschlagenen Touristik- und Handelskonzerns auf Rettungsbeihilfe abgelehnt. Das meldete die Nachrichtenagentur AP.

Gegen 17 Uhr brach die Aktie von Arcandor um mehr als 43 Prozent ein. Im Verlauf hatte das Papier bei 1,07 Euro ein historisches Tief markiert - die nicht unerwartete Ablehnung der Staatsbürgschaft konnte die Aktie nicht mehr weiter ins Minus drücken. Der MDax stand 1,5 Prozent tiefer bei 5 830 Punkten.

Die Eigentümer zeigen sich etwas beweglich. Großaktionäre Sal. Oppenheim und Madeleine Schickedanz sind zu einer Kapitalerhöhung von 150 Millionen Euro für den von der Insolvenz bedrohten Konzern bereit. „Wir alle haben das Ziel, zu einer Lösung zu finden, bevor es zu einer Insolvenz kommt“, sagte Friedrich Carl Janssen, der zugleich persönlich haftender Gesellschafter des Bankhaues Sal.Oppenheim sowie Aufsichtsratschef von Arcandor ist.

„Die Gesellschafter von Sal. Oppenheim unterstreichen noch einmal ihre Bereitschaft, als Miteigentümer von Arcandor an einer Kapitalerhöhung von bis zu 150 Millionen Euro teilzunehmen. Ich kann hier auch für Frau Schickedanz sprechen, die ebenfalls entsprechend ihrer Beteiligung an der Arcandor AG die Kapitalerhöhung mit trägt.“

Sal. Oppenheim war im September 2008 bei Arcandor eingestiegen. Die Bank hält direkt und indirekt 28,6 Prozent der Anteile und liegt damit knapp vor dem Aktionärspool um die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz, dem 26,7 Prozent zugerechnet werden. Beide wollen ihrem Anteil entsprechend zu der Kapitalerhöhung mittragen und für den Rest der Summe Partner ins Boot holen.

Auch ein anderer Händler glaubt, dass eine Insolvenz gut möglich ist. "Durch die Schlappe der SPD bei der Europawahl hat die Politik nun gemerkt, dass der Wähler die Rettungen von Unternehmen nicht honorieren", meinte er. "Daher könnte man ja nun auch Arcandor fallen lassen." Thomas Nagel, Aktienhändler und technischer Analyst bei Equinet, sieht aus technischer Sicht die Marke von 1,15 Euro als entscheidend an. Wenn diese nachhaltig nach unten durchbrochen werde, sieht Nagel ein Kursziel von 0,60 Euro für die Aktie.

Analyst Volker Bosse von UniCredit rechnet nach der Ablehnung der Staatshilfen mit dem Zusammenschluss von Kaufhof und Karstadt als wahrscheinlichster Lösung. Dies würde einen signifikanten Schritt in der Konsolidierung des deutschen Einzelhandelssegmentes darstellen. Dem Markt dürfte die Fusionslösung gefallen, wie Bosse meint. Allerdings blieben wichtige Fragen weiter offen. Arcandor-Aktien lässt Bosse auf "Sell" mit dem Kursziel 1,20 Euro, Metro-Papiere stuft er ebenfalls mit "Sell" beim Ziel 30,00 Euro ein.

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