Kursexplosion
Twitter-Aktie geht durch die Decke

Allein in diesem Monat hat die Aktie des Kurznachrichtendiensts Twitter fast 80 Prozent zugelegt. Blinder Optimismus treibt den Kurs in immer neue Höhen. Bei Analysten wächst zunehmend das Unbehagen.
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San FranciscoWas für ein Weihnachtsgeschenk: Am Donnerstag lag die Börsenbewertung des Kurznachrichtendiensts Twitter bei gewaltigen 40 Milliarden Dollar, der Kurs bei 74 Dollar und damit sechs Prozent höher als vor Weihnachten. Seit der Erstnotiz am 7. November ist der Kurs damit um bald 60 Prozent gegenüber dem ersten Schlusskurs gestiegen und hat sich fast verdreifacht gegenüber dem Ausgabekurs von 26 Dollar.

Die surreale Kursrally lässt Beobachter ratlos zurück. Selbst Twitter-Optimisten sehen kaum noch einen erkennbaren Zusammenhang mit irgendwelchen realistischen Einschätzungen oder Geschehnissen der vergangenen Wochen. Mehrere potenzielle Auslöser für das Kursfeuerwerk werden an der Börse gehandelt: Da wäre zum einen ein hoher Bestand an „Short-Positionen“ in der Aktie. Hält sich Twitter oberhalb von 61 Dollar müssten viele Short-Seller, die auf fallende Kurse setzen, um Gewinne machen zu können, ihre Positionen mit hohen Verlusten auflösen bzw. wertlos verfallen lassen. Das bedeutet: Die Bullen kämpfen gegen die Bären – und wenn die Schlacht entschieden ist, wäre die Luft dann raus.

Zum anderen wird Bilanzkosmetik zum Stichtag 31. Dezember für möglich gehalten. Bei Kursen um 70 Dollar sähen alle Investoren, die den Mut hatten, Twitter zum IPO zu zeichnen, zum für die Abrechnung gegenüber den Kunden wichtigen Stichtag einfach nur glänzend aus. Nach gezielten Käufen in einen weihnachtlich ruhigen Markt hinein könnte demnach dann die Korrektur Anfang Januar einsetzen.

Öl ins Börsenfeuer könnte ein aktueller Bericht des Online-Dienstleisters eMarketer gegossen haben. Demnach besetzt der Social-Media-Service aus San Francisco in 2015 rund 2,2 Prozent des dann 53,4 Milliarden Dollar großen Online-Anzeigenmarktes in den USA. 2012 waren es lediglich 0,6 Prozent. Imposant, aber nicht ansatzweise ausreichend, um den Bewertungsschub zu rechtfertigen.

Die 2,2 Prozent würden für den fünften Platz ausreichen hinter Google, Facebook und Microsoft. Selbst Yahoo wäre dann mit fünf Prozent noch mehr als doppelt so groß wie Twitter. Die Nummer eins, Google, wächst dabei über den gleichen Zeitraum mit 1,3 Prozentpunkten auf satte 42,3 Prozent.

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Erste Quartalszahlen im Januar erwartet

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