Kursplus nach Vorstandsumbau Warum Anlegern die Deutsche-Bank-Aktie gefällt

Der neue Co-Chef der Deutschen Bank, John Cryan, lässt keinen Stein auf dem anderen. Den Anlegern gefällt das. Die Aktie der Deutschen Bank ist Tagesgewinner im Dax. Auch Analysten loben die angekündigte Radikalkur.

Ein wichtiger Kulturschock für die Deutsche Bank

FrankfurtJohn Cryan macht Investoren Hoffnung. Am Tag nachdem der neue Chef der Deutschen Bank die gründlichsten Umbaupläne seit über einem Jahrzehnt vorgestellt hat, ist die Deutsche-Bank-Aktie gefragt. Sie gewinnt im frühen Handel mehr als dreieinhalb Prozent und ist damit der Spitzenreiter im Dax.

„Cryan scheint tatsächlich keinen Stein auf dem anderen zu lassen“, meint Ingo Frommen, Investmentanalyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). In der Tat wird nicht nur der Vorstand von Deutschlands größtem Geldhaus nahezu erneuert, sondern es werden auch die als Executive Committe bezeichnete erweiterte Vorstandsebene sowie zehn der derzeit 16 Vorstandsausschüsse aufgelöst.

Dabei teilt Cryan die Investmentbank auf – ein erster Schritt zum Rückbau des von seinem Vorgänger Anshu Jain aufgebauten Handelsimperiums. Cryan trennt sich „konsequent von Jains altem Führungskader“, meint Frommen. Der Konzern erhalte den  Zuschnitt einer Groß-Unternehmenskundenbank wie ihn auch andere Wettbewerber hätten.

Die Mächtigen der Deutschen Bank
John Cryan
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Der Co-Chef der Deutschen Bank, John Cryan, steht seit 1. Juli 2015 an der Spitze des Instituts – davor war er bereits zwei Jahre im Aufsichtsrat tätig. Ein ausführliches Porträt von ihm finden Sie hier.

Er machte nach seinem Amtsantritt eine schonungslose Bestandsaufnahme, die das Fundament für einen Neuanfang bei der Deutschen Bank bilden sollte – am 18. Oktober 2015 folgte ein zweites Element: ein umfassender Umbau des Vorstands.

Jeff Urwin
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Der Vorstand wurde von acht auf zehn Mitglieder erweitert – dafür wurde der erweiterte Vorstand, das „Group Executive Committee“, sowie etliche Ausschüsse abgeschafft.

Zu den neuen starken Männern zählt Jeff Urwin. Er leitet seit Januar 2016 die umstrukturierte Unternehmenskunden- und Investmentbank (Corporate & Investment Banking) und zog auch in den Vorstand ein. Der Manager war zuvor einer der Leiter des globalen Bankings der US-Großbank JP Morgan.

Urwinte zuvor von New York aus gearbeitet – und tut dies auch nach der Berufung in den Vorstand. Auch wenn er schon lange in den USA arbeitet – Urwin ist wie sein Chef John Cryan ein Brite.

Garth Ritchie
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Der bisherige Chef des globalen Aktiengeschäfts, Garth Ritchie, führt alle Handelsaktivitäten, die früher dem Investmentbanking zugeordnet waren. Dazu zählen sämtliche Wertpapiere wie Anleihen und Kreditausfallversicherungen sowie auch Devisen. Die Einheit trägt die Bezeichung „Global Markets“ und wird von Ritchie seit Januar 2016 auch im Vorstand repräsentiert.

Ritchie arbeitet seinem Profil beim Karriereportal LinkedIn zufolge seit 1996 für die Bank. Sein Büro ist in London, er ist Südafrikaner.

Christian Sewing
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Seit Mai 2015 leitet der zuvor für Rechtsfragen zuständige Christian Sewing den Privat- und Geschäftskundenbereich der Deutschen Bank. Ihm wurde im Zuge des Konzernumbaus ein weiteres Aufgabengebiet zugeschlagen: die Betreuung vermögender Privatkunden. Dieses Segment gehörte bislang zur Vermögensverwaltung Deutsche Asset & Wealth Management.

Quintin Price
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Das Asset Management – also die Betreuung von institutionellen Anlegern und das Geschäft mit Fonds („DWS“) – hat der Brite Quintin Price übernommen. Zum 1. Januar 2016 trat er sein Amt an und zog damit auch in den Vorstand ein. Price war zuvor für den weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock tätig. Er leitete dort unter anderem das Geschäft für Fonds mit sogenannten Alpha-Strategien.

Sylvie Matherat
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Sylvie Matherat rückte ebenfalls in den Vorstand ein. Die Französin (Bild aus dem Jahr 2008) war einst Direktoriumsmitglied der französischen Zentralbank und trägt den Titel „Chief Regulatory Officer“. Damit ist sie für die Kontaktpflege zu Aufsichtsbehörden zuständig. Das Ressort Matherats umfasst auch die Regeleinhaltung („Compliance“) und den Kampf gegen die Finanzkriminalität.

Matherat ist seit fast zwanzig Jahren die erste Frau im Vorstand der Deutschen Bank. Vor ihr hatte Ellen Schneider-Lenné von 1988 bis 1996 dem Gremium angehört.

Kimberly „Kim“ Hammonds
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Als zweite Frau wird Kimberly „Kim“ Hammonds in den Vorstand einziehen. Die ehemalige IT-Chefin des Flugzeugherstellers Boeing arbeitet seit 2013 für die Deutsche Bank. Die Amerikanerin erhält den Titel „Chief Operating Officer“ und wird vor allem für die Modernisierung der technischen Infrastruktur der Bank die Verantwortung tragen.

Sie kann allerdings erst mit einiger Verzögerung in den Vorstand einziehen. Sie muss zunächst Erfahrung im Kreditgeschäft erwerben, wie es das Kreditwesengesetz für Vorstandsmitglieder vorsieht. Spätestens im Oktober 2016 soll sie dann in das Gremium einrücken.

Auch Christopher Wheeler, Bankenanalyst bei Atlantic Equities in London lobt den Vorstoß. Cryan versuche, eine Bank nach seinen Vorstellungen zu schaffen: „Die Leute, die gehen, sind Leute, die die Bank im Sinne von Jains Vorstellungen aufgebaut haben.“ Wheeler hält den Schritt für einen „wegweisenden Augenblick beim Wiederaufbau der Deutschen Bank“.

Wenn dieser Wiederaufbau gelingt, dann hat die Aktie durchaus noch Potenzial. Mit zuletzt knapp 26,90 Euro notiert sie immer noch deutlich unter den 32 Euro auf die sie nach Cryans Amtsantritt im Juli geklettert war. In diesem Jahr hat sich die Aktie mit einem Plus von sieben Prozent zwar weitaus besser geschlagen als der Dax, aber viel heißt das nicht:  Im vergangenen Jahr gehörte die Deutsche Bank Aktie mit einem Verlust von fast 25 Prozent zu den größten Dax-Verlierern. Und von ihrem Allzeithoch von mehr als 103 Euro im Mai 2007 ist sie noch meilenweit entfernt.

Die großen Banken tun sich schwer
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