Kursrutsch beim Immobilienkonzern
IVG bittet Altaktionäre zur Kasse

Der Immobilienkonzern IVG stand vor der Pleite. Am Wochenende einigte sich das Unternehmen mit Gläubigern. Ein Durchbruch? Nicht für die Altaktionäre. Sie gehen fast leer aus. Die Aktie bricht ein.
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Der Immobilienkonzern IVG hat einen Sanierungsplan vorgelegt: Damit könnte die hochverschuldete Firma die Insolvenz noch abwenden. Doch die Altaktionäre sollen dabei weitgehend leer ausgehen. Die Aktien des Bonner Unternehmens brachen um fast 30 Prozent ein.

Die Gläubiger verständigten sich am Wochenende auf ein Restrukturierungskonzept. Sie wollen auf Forderungen verzichten und dafür im Gegenzug neue Aktien erhalten. Das allerdings geht zu Lasten der bisherigen Aktionäre. Deren Kapital soll im Zuge des Tauschs herabgesetzt werden: jeweils 200 Anteilsscheinen werden zu einer Aktie zusammengelegt. „Im Wege einer vereinfachten Kapitalherabsetzung zur Verlustdeckung soll das bestehende Grundkapital im Verhältnis 200 zu 1 auf 0,5 Prozent des bisherigen Grundkapitals herabgesetzt werden“, heißt es in einer Mitteilung der IVG von Samstagabend.

Die IVG zählt zu den großen Immobiliengesellschaften in Europa mit einem verwalteten Vermögen von über 20 Milliarden Euro. Sie hatte sich mit Großobjekten wie „The Squaire“ am Frankfurter Flughafen übernommen und Schulden in Milliardenhöhe angehäuft.Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen mehr als die Hälfte des Grundkapitals aufgezehrt. Bei einer Überprüfung der Wertansätze in allen Konzernsparten habe sich ergeben, dass Immobilien, Gasspeicher (Kavernen) sowie andere Beteiligungen und Forderungen um insgesamt 350 Millionen Euro abgeschrieben werden müssten. Der Halbjahresbericht soll am 26. August 2013 veröffentlicht werden.

Der Restrukturierungsplan sieht vor, dass etwa 1,8 Milliarden Euro an Schulden in Aktien getauscht werden. Die Gläubiger des SynLoan I über rund 1,35 Milliarden Euro werden 80 Prozent der neuen Aktien erhalten, während etwa 20 Prozent auf die Besitzer einer 400 Millionen Euro umfassenden Wandelanleihe und eines LBBW-Kredits über 100 Millionen Euro entfallen werden. Darüber hinaus sieht der Plan eine Barkapitalerhöhung mit Bezugsrechten der Altaktionäre vor.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, dass sich mehrere Investoren sich in diesem Jahr mit Anleihen von IVG eingedeckt haben, um so aus einer Restrukturierung Gewinn zu erzielen. Zu den Gläubigern gehörten Cerberus Capital Management, Blackrock, Third Avenue Management, Morgan Stanley, Apollo Global Management und Aurelius Capital Management.

„Die Gesellschaft wird kurzfristig diese Ergebnisse prüfen, auf dieser Basis weitere Verhandlungen führen und im Falle einer detaillierten Gesamteinigung zur Hauptversammlung und zur Versammlung der Hybridanleihegläubiger einladen, um das ganzheitliche Restrukturierungskonzept den Aktionären und Hybridanleihegläubigern zur Abstimmung vorzulegen“, heißt es in der Pressemitteilung der IVG.

Das Vorhaben würde das Immobilienunternehmen vor einem Insolvenzverfahren bewahren, die das Unternehmen nach dem Scheitern der Gespräche über einen alternativen Rettungsplan abgelehnt hatte, wie ein Insider sagte. Die Verschuldung der IVG entspreche mehr als 80 Prozent des Anlagevermögens und das Unternehmen wolle sie näher an 60 Prozent bringen. Am Ende müssen alle vier Gläubiger-Gruppen sowie die Aktionäre dem Plan zustimmen - mit mindestens 75 Prozent. „So gesehen ist ein Scheitern immer noch möglich, warnte ein Teilnehmer an den Verhandlungen.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur
Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter

Kommentare zu " Kursrutsch beim Immobilienkonzern: IVG bittet Altaktionäre zur Kasse"

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  • Spätestens, wenn der Vorstand einen Neubau errichtet und die Konzernzentrale aufmöbelt, sollte man als Investor auf sein Geld aufpassen, denn dann ist der eigene Komfort schon wichtiger, als das Unternehmen.
    .... so gings Anfang der Nuller-Jahre los!

  • na ja,wenn der vorstandssprecher 3 tage die woche als professor an der uni regensburg arbeitet,kann er ja nix weiteres mehr reißen.

    die aufsichtsräte die schnarchnasen sind in der haftung

    mal ne strafanzeige absetzen

  • ein weiteres wunderbares Beispiel für ein immer wieder unterschätztes Einzelrisiko.

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