Kursrutsch
LSE wird zum Krisenopfer

Peinlich für die Londoner Börse: Ausgerechnet die Aktie der renommierten London Stock Exchange droht nach einem Kursrutsch aus dem FTSE-100-Index zu fliegen. Damit könnte die LSE auch auf dem internationalen Parkett ihren Platz in der Eliteklasse verlieren.

LONDON. Die Londoner Börse könnte vor einem peinlichen Rückschlag stehen. Nach einem Kursrutsch gehören die Anteile der London Stock Exchange zu den Kandidaten, denen der Verweis aus der ersten Reihe des britischen Aktienmarktes drohen. Die Entscheidung über die neue Zusammensetzung des marktbestimmenden FTSE-100-Indexes wird heute nach Handelsschluss fallen, und die Analysten der japanischen Großbank Nomura warnten, dass die LSE Gefahr läuft ihren Platz in der Eliteklasse zu verlieren.

In den vergangenen zwölf Monaten sackte der Kurs der Aktie um mehr als 70 Prozent ab. Seit Anfang dieses Jahres summierte sich das Minus auf 25 Prozent. Damit hat sich die LSE zwar besser geschlagen als die Deutsche Börse, die sogar 40 Prozent einbüßte, aber die Experten von Nomura gehen davon aus, dass der Frankfurter Konkurrent in den kommenden Monaten die besseren Kurschancen bietet. Gestern notierte die LSE–Aktie bei 3,81 Pfund. Und die Analysten befürchten weiteren Druck auf den Kurs, sollte die LSE tatsächlich aus dem FTSE-100 fallen, weil zahlreiche Fonds, die ihre Investments an dem Index orientieren, ihre Portfolios anpassen müssten.

Die Londoner Börse kämpft wie ihre europäischen Konkurrenten derzeit an zwei Fronten. Zum einen sorgt der Kursverfall infolge der weltweiten Wirtschaftskrise für sinkende Einnahmen. Zum anderen machen neue Konkurrenten den etablierten Börsen das Leben schwer.

In den vergangenen drei Monaten sind die Handelsvolumina in Europa im Schnitt bereits um 40Prozent im Vergleich zum Vorjahr gefallen. Verantwortlich dafür ist unter anderem der massive Kursverfall seit vergangenem Herbst. Darunter leiden die Börsen, da sich ihre Gebühren in den meisten Fällen am Wert der gehandelten Aktien orientieren. Für das gesamte Jahr 2009 sagen die Analysten von Credit Suisse der LSE einen Einbruch der Börsenumsätze um 30 Prozent voraus.

In Europa wetteifern nicht nur die klassischen Börsen um Marktanteile, seit zwei Jahren mischen auch eine Reihe alternativer Handelsplattformen mit. Als erste startete die von der japanischen Großbank Nomura aus der Taufe gehobene Plattform Chi-X-Europe im April 2007. Im September 2008 eröffnete Turquoise, ein Gemeinschaftsprojekt von neun großen Investmentbanken den Handel, und im Oktober gingen der Ableger der US-Technologiebörse Nasdaq OMX Europe und die US-Plattform Bats Trading an den Start. Die alternativen Plattformen konnten schnell Marktanteile gewinnen. Ende Februar wurden bereits knapp 20 Prozent aller europäischen Aktien auf den neuen Systemen gehandelt. Die Londoner Börse hat mittlerweile bereits 25 Prozent des Handels mit den Aktien im FTSE-100-Index an die Konkurrenten verloren.

„Auf den neuen Chef der LSE kommt sehr viel Arbeit zu, die Zeiten dürften eher schwieriger als leichter werden“, meint ein Londoner Investmentbanker. Am 20. Mai wird der Franzose Xavier Rolet auf den Chefsessel der Londoner Börse rücken. Die bisherige Vorstandsvorsitzende Clara Furse wird der LSE dann nach acht Jahren den Rücken kehren. Unter ihrer Leitung hatte die LondonerBörse fünf feindliche Übernahmeversuche abgewehrt. Angesichts der weltweiten Finanzkrise rechnen viele Analysten damit, dass das Thema Konsolidierung der zersplitterten Börsenlandschaft auch bald auf der Tagesordnung von Rolet auftauchen wird.

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