Kursrutsch
Société-Générale-Aktie stürzt um 20 Prozent ab

In Paris rauscht der Kurs der französischen Großbank SocGen nach unten und reißt den französischen Aktienindex mit in den Keller. Es reichte ein bloßes Gerücht, um die weltweiten Aktienmärkte erneut schlingern zu lassen.
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ParisFrankreichs zweitgrößte Bank befindet sich im Krisenmodus: Der Kurs der Société Générale ist an der Börse in Paris am Mittwoch um mehr als 20 Prozent abgestürzt, nachdem vage Gerüchte über eine mögliche Herabstufung der Kreditwürdigkeit Frankreichs kursiert und für Unruhe gesorgt hatten. Im Finanzministerium wurde den Spekulationen energisch widersprochen. Derartige Gerüchte seien "vollkommen unbegründet", hieß es im Umfeld von Finanzminister François Baroin. Auch die drei Agenturen Standard's and Poor, Fitch und Moody's hätten bestätigt, dass die Gefahr einer Herabstufung von der Bestnote "AAA" nicht bestehe.

Die Großbank ließ auch nicht lange mit einer Reaktion auf sich warten und wies unmittelbar nach dem Kurssturz die Spekulationen über finanzielle Schwierigkeiten zurück. Eine Sprecherin von Société Générale widersprach allen im Markt kursierenden Gerüchten, ohne auf Details einzugehen. Die Großbank hatte am 3. August erklärt, dass sie ihre Gewinnziele für 2012 verfehlen könnte - und zwar nachdem der Gewinn im zweiten Quartal um 31 Prozent eingebrochen war. Hinter dem schwachen Ergebnis standen unter anderem Abschreibungen auf  griechische Staatsanleihen. „Société Générale hat vor kurzem eine Gewinnwarnung abgegeben, was sie sehr anfällig macht für Spekulationen. Und das ist der Grund, warum die Aktie heute so niedergeprügelt wird", sagte Markus Huber, Leiter des deutschen Bereichs Sales Trading bei ETX  Capital in London.

Finanzwerte lassen Pariser CAC40 abstürzen

Der Kursrutsch der SocGen hat auch den französischen Aktienindex CAC40 in den Keller gerissen: Er verlor bis zum Nachmittag rund vier Prozent. Die Anleger sind nach Händler-Angaben momentan vollkommen verunsichert, jedes Gerücht führe zu enormen Kursschwankungen. Andreas Lipkow, Händler bei MWB Fairtrade, sagte: „Die Märkte sind derzeit extrem nervös. Allein die Gerüchte über die mögliche Rating-Abstufung französischer Staatsanleihen führten dazu, dass der Dax-Index etwa 100 Punkte innerhalb weniger Minuten verloren hat. Richtige Zuversicht und echtes Vertrauen ist trotz der Fed-Aussagen gestern noch nicht an die Märkte zurückgekehrt.“ Mit einem Minus von 5,13 Prozent auf 5613,42 Punkte ging der Dax am Mittwoch aus dem Handel.

Die Verkaufslawine machte vor den deutschen Banken nicht Halt: die Aktien der Deutschen Bank fielen um bis zu elf Prozent auf 27,61 Euro und notierten damit so niedrig wie seit Frühjahr 2009 nicht mehr. Commerzbank-Titel sackten um bis zu 9,5 Prozent auf ein Rekordtief von 1,93 Euro ab. Auch in den USA gerieten besonders die Banken unter Druck: Bank of America fielen um bis zu zehn Prozent. Bankenchef Brian Moynihan muss sich nach den Kursverlusten der vergangenen Tage am Abend vor Aktionären und Analysten verantworten. Doch auch die Titel von Goldman Sachs, Citibank, JP Morgan und Morgan Stanley büßten bis zu zehn Prozent ein.

Spuren in den Bilanzen

Außer den Gerüchten um das angeblich wackelige Top-Rating von Frankreich sorgten auch höhere Belastungen durch das zweite Hilfspaket für Griechenland für Unruhe. Die Rettungsmaßnahmen machten sich vor allem in der SocGen-Bilanz für das zweite Quartal bemerkbar, die letzte Woche vorgelegt wurde. Sie gefährden bei der Großbank die Gewinnziele für 2012. Da das Privatkundengeschäft bei den Franzosen nicht gut lief, konnte das Institut die Abschreibungen für das Griechenland-Engagement schlechter verdauen als so mancher Rivale.

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