Kurssprung seit US-Wahl
Trumps 140 Zeichen beflügeln HeidelbergCement

Via Twitter kündigte Donald Trump den Mauerbau an der Grenze zu Mexiko an. Der Aktienkurs von HeidelbergCement stieg daraufhin kräftig. Sollte die Mauer tatsächlich gebaut werden, dürften die Kassen klingeln.
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DüsseldorfEs ist schon paradox: Die Äußerungen des neuen US-Präsidenten Donald Trump, den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko tatsächlich umzusetzen, erzeugen diplomatische Eiszeit zwischen beiden Ländern. Dass Trump sein Wahlversprechen überhaupt – und nur wenige Tage nach Amtsantritt – verfolgt, hatten Experten nicht erwarten. Ein Dax-Konzern hingegen hat davon in diesen Tagen unfreiwillig profitiert: HeidelbergCement, Deutschlands größter Baustoffkonzern.

Es ist plausibel, dass sich HeidelbergCement am Bau der potenziellen Mauer beteiligt, schließlich verfügt der Konzern in den USA über 17 Werke, unter anderem in den angrenzenden Südstaaten Arizona und Texas. Sprecher Andreas Schaller sagte der Heilbronner Stimme, man werde „Anfragen bezüglich Lieferungen für den Bau einer Mauer (…) prüfen und darüber entscheiden“. Eine vorsichtige Formulierung seitens des Konzerns, doch die Message dahinter ist eigentlich eindeutig: Sollte ein Auftrag dieser Art kommen, wird er auch ausgeführt. Konzernchef Bernd Scheifele hatte sich bereits in der Vergangenheit ähnlich geäußert. Sollte die Mauer kommen, sei man „mit Zementwerken in Texas und Arizona gut vorbereitet“, sagte er damals.

Die Aktionäre jedenfalls scheinen begeistert. Allein in dieser Woche legte der Aktienkurs um fast sechs Prozent zu. Nach dem Trump-Tweet am Mittwoch („Wir werden die Mauer bauen“) legten die Papiere in der Spitze um 4,4 Prozent zu. Derzeit kostet eine Aktie etwa 91,50 Euro. Unmittelbar nach der Wahl von Trump Anfang November waren die Papiere von 84 Euro auf 94,59 Euro (Jahreshoch am 10. November) gestiegen, in der Folge dann leicht gefallen. Es bleibt aber dabei: Der neue US-Präsident beflügelt den Dax-Konzern spürbar. Auf Jahressicht hat die Aktie über ein Drittel an Wert gewonnen.

Das US-Analysehaus Bernstein hat die Einstufung für HeidelbergCement auf „Outperform“ und das Kursziel von 103 Euro bestätigt. Ausschüttungen an die Aktionäre seien ein wichtiges Thema mit Blick auf die Baustoffbranche, schrieb Analyst Phil Roseberg in einer Studie vom Donnerstag. HeidelbergCement sei der beste Weg, um davon zu profitieren. Die Deutsche Bank stuft den Konzern auf „Hold“ und bestätigte jüngst das Kursziel von 93 Euro.

Ein weiterer Aspekt ist laut Experten auch die positive Entwicklung der Gesamtbranche. Der Index für den europäischen Bausektor notierte zuletzt auf einem Neuneinhalb-Jahreshoch. „Die Konjunktur läuft und somit auch der zyklische Bausektor“, sagte ein Börsianer. Ein anderer Händler sagte, die „Aussicht auf eine stärkere Konjunkturbelebung“ mache die Branche wieder attraktiv.

Im Jahr 2015 erzielte HeidelbergCement einen Gesamtumsatz in Höhe von 13,5 Milliarden Euro. Vorläufige Zahlen für das Jahr 2016 legt der Konzern mit über 2000 Standorten in mehr als 40 Ländern am 14. Februar vor. In Deutschland betreibt der Marktführer insgesamt acht Zement- und drei Mahlwerke. Im vergangenen Jahr hatten das Baustoffunternehmen den italienischen Konkurrenzen Italcementi übernommen.

Nicht nur der geplante Mauerbau katalysiert die positive Tendenz. So hatte Trump außerdem ein großes Infrastrukturprogramm für die Vereinigten Staaten angekündigt. Sollten Investitionen dieser Art kurzfristig erfolgen – in welcher Art auch immer – dürfte die gesamte Branche um Heidelberg Cement davon profitieren. „Mittelfristig sehe ich für unsere Industrie positive Effekte“, hatte auch Scheifele unmittelbar nach der US-Wahl erklärt.

Leonidas Exuzidis
Leonidas Exuzidis
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter

Kommentare zu " Kurssprung seit US-Wahl: Trumps 140 Zeichen beflügeln HeidelbergCement"

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  • Bei der Vergasung von Millionen Juden, Sinti, Roma und "unwerten Lebens" haben deutsche Unternehmen ein riesiges Vermögen angesammelt. In den Nachfolgeuntrnehmen der IG Farben sind das heute noch riesige Unternehmen.

    Heidelberger Zement steht also mit seiner moralischen Unbekümmertheit in bester Deutscher Tradition. Herr Höcke sollte den Grundstein für die Mauer legen.

  • "Sollte die Mauer tatsächlich gebaut werden, dürften die Kassen klingeln."

    Auf diese Art von Kassenklingeln verzichte ich lieber.

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