Landtagswahl in Bayern dürfte unbeachtet bleiben
Analysten erwarten Test des Jahreshochs

Der Dax hat den Anlegern in der abgelaufenen Woche wieder viel Freude gemacht. Und auch vor der kommenden Woche ist den Börsianern nicht bange, das Rückschlagpotenzial halten sie jedenfalls für gering. Viel wird nach Ansicht der Experten von der weiteren Tendenz an der Wall Street abhängen.

HB FRANKFURT. Die deutschen Standardaktien werden in der nächsten Woche nach Einschätzung von Händlern ihr Niveau von rund 3 600 Punkten im Dax voraussichtlich halten oder sogar noch etwas zulegen. Ob der Dax aber das Jahreshoch von 3 676 Punkten erreichen kann, hängt vor allem vom Geschehen an den US-Börsen ab. Dort geht die so genannte „Confession Season“ - die „Beichtsaison“, in der die Unternehmen „beichten“, ob sie weit von den früheren Prognosen abweichen - in die Endphase. Unter den Branchen könnte der Bankensektor nicht zuletzt wegen der Alstom-Saga in den Mittelpunkt rücken. Das Ergebnis der Landtagswahl in Bayern wird laut Analysten die Kurse dagegen kaum bewegen. Auf der Konjunkturseite steht der Ifo-Index neben einigen US-Daten am Donnerstag im Mittelpunkt.

Die HypoVereinsbank-Analysten hoben zur Wochenmitte ihr Dax-Kursziel auf 4 000 von bislang 3 800 Punkten an. Auch viele Händler zeigten sich zuversichtlich. „Wenn wir die 3 600 knacken, dann werden wir sehr schnell die 3 800 sehen“, erklärte ein Händler. „Es spricht relativ viel dafür, dass die freundliche Stimmung in den kommenden Wochen weiter anhalten wird“, stellt auch die Landesbank Baden-Württemberg in ihrem Marktkommentar fest.

Andere Banken warnen aber auch vor Korrektur-Bedarf der Aktien nach den kräftigen Gewinnen der vergangenen Wochen. Tatsächlich hat der Dax allein in dieser Woche rund drei Prozent zugelegt. Nicht zuletzt wegen aufkeimender Skepsis hinsichtlich der Nachhaltigkeit der kräftigen US-Konjunkturerholung sei der Markt für Korrekturen anfällig, „denn im derzeitigen Kursniveau sind die Aufschwunghoffnungen schon teilweise eingepreist“, stellen die Analysten der Landesbank Rheinland-Pfalz fest.

„Kurzfristig baut sich Verkaufsdruck auf, es ist anzunehmen, dass es zu Beginn der kommenden Woche Gewinnmitnahmen gibt“, meint auch Uwe Gerhard von der DZ Bank. Er sieht Anzeichen einer Top-Formation im Dax. Die Charttechnik unterstütze das Bild, so dass es in den kommenden Wochen zu einem Rückgang kommen könnte. Dabei geht er aber nicht von einem scharfen Einbruch oder gar Crash aus, „auch wenn der Oktober bevorsteht“. Das sei traditionell der Monat von Börsenkrächen, doch es werde eher einen sanften Abwärtsdruck geben. Dabei könnte der Dax bis in den Bereich um 3 400 Punkte abrutschen.

Für den glimpflichen Verlauf dieser Bewegung spreche, dass etliche Anleger noch hartnäckig ihre vorsichtige Markteinschätzung pflegten und auf günstigere Einstiegsmöglichkeiten warteten, die sich bisher aber nicht einstellen wollen. Hier habe sich künftiges Kaufpotenzial aufgebaut. Zudem sind die Kurstrends wieder aufwärts gerichtet und haben sich damit gegen die aus dem Jahr 2000 stammenden Abwärtstrends durchgesetzt. So sei mit Rückschlägen zwar zu rechnen, diese sollten aber nicht allzu stark ausfallen.

Schließlich dürften sich zudem viele Marktteilnehmer so kurz vor Beginn der amerikanischen Earningssaison mit ihrem Engagement zurückhalten. Denn die US-Unternehmen werden erst noch zeigen müssen, dass die Konjunkturerholung tatsächlich von einer deutlichen Verbesserung der Unternehmensgewinne getragen wird. Mit der Veröffentlichung ihres Zwischenberichts zum dritten Quartal am 7. Oktober bildet traditionell der im Dow Jones Index gelistete weltgrößte Aluminiumhersteller Alcoa den Auftakt für die Berichts-Saison. Mit den Zwischenberichten zu ihren Geschäftsquartalen stehen am nächsten Dienstag mit Lehman Brothers und Morgan Stanley immerhin zwei große Unternehmenstermine an. „Die sollten angesichts der steigenden Aktienkurse in der letzten Zeit gut ausfallen“, erklärte Volker Borghoff, Aktienstratege bei HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Überhaupt könnten die Bankenwerte in der nächsten Woche in den Mittelpunkt des Interesses rücken. So wird sich wohl die Zukunft des angeschlagenen französischen Industriekonzerns Alstom entscheiden. Die EU-Kommission hat dem Konzern und der Regierung eine Frist bis Montag gegeben, um neue Vorschläge für ein Rettungspaket vorzubringen. Der jüngste Rettungsversuch des Staats hatte laut Kommission nicht im Einklang mit den Wettbewerbsvorschriften in der EU gestanden. Sollte eine Rettung des mit rund fünf Mrd. € verschuldeten Konzerns, der neben dem ICE-Konkurrenten TGV auch Gasturbinen herstellt, nicht möglich sein, könnte das die ganze europäische Bankenbranche treffen, warnten Händler.

Wenig Impulse erwarten Händler von der Landtagswahl in Bayern. „Selbst wenn die CSU im Landtag eine Zweidrittelmehrheit bekommen sollte, würde das nur die bekannte Stimmung in Deutschland gegen die Regierungsparteien bestätigen. Ein Machtzuwachs der Opposition resultiert daraus nicht“, erklärte Borghoff. Selbst wenn es eine Reaktion der Börse geben sollte, „ist es bestenfalls eine Story für die ersten zehn Handelsminuten am Montag“.

Die Konjunktur dürfte erst ab Donnerstag in den Mittelpunkt des Interesses rücken. Neben einigen US-Konjunkturdaten steht dann das deutsche Konjunkturbarometer des Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo), auf den Terminkalendern. Nach dem unerwartet deutlichen Anstieg des Konjunkturbarometers des ZEW erwarten einige Experten auch beim Ifo-Index einen Anstieg. Am Freitag wird die zweite Schätzung zur Entwicklung des US-Bruttoinlandsproduktes (BIP) im zweiten Quartal und der endgültiger Index zum Verbrauchervertrauen der Universität Michigan im September erwartet.

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