Landwirtschaft
Grow How: Finnen bringen Dünger an die Börse

Der finnische Chemiekonzern Kemira OY plant, seine Düngemittelsparte über einen Börsengang abzuspalten. Mit der Abspaltung der Sparte Grow How wird sich Kemira nicht nur finanziellen Spielraum verschaffen – Finnlands führender Chemiekonzern schafft so auch einen weiteren börsennotierten Anbieter im Agrargeschäft, nachdem der Konkurrent Norsk Hydro A/S Ende März seine Düngerproduktion unter dem Namen Yara erfolgreich am Markt platziert hatte.

Damit kommt Bewegung in Europas wenig schlagzeilenträchtigen Düngemittelmarkt, der lange nur einen großen Spezialisten – die deutsche K+S AG – an der Börse hatte. „Lange ist Europas Landwirtschaftsgeschäft als völlig unattraktiv angesehen worden“, sagt ein Branchenkenner bei einer Frankfurter Bank.

Denn Europas Agrobusiness ist in jüngster Zeit kaum mehr gewachsen. Dumping russischer Hersteller drückte die Preise. Und 2003 zogen Wetterkapriolen das Geschäft mit Düngemitteln und Pflanzenschutz in Mitleidenschaft.

Ab 2004 soll alles besser werden. Die Kemira-Sparte Grow How, die vergangenes Jahr aus 1,2 Mrd. Euro Umsatz nur knapp 25 Mill. Euro operative Gewinne zog, setzt auf Wachstum. Zwar ging der Umsatz im ersten Quartal um 5,5 % zurück, doch lagen die Gewinne bei steigenden Düngemittelpreisen am Quartalsende schon fast wieder so hoch wie wie für das Gesamtjahr 2003.

In den USA und Kanada würde das einen Ansturm auf die Aktien auslösen: Nordamerikas Düngemittelkonzerne Agrium Inc., IMC Global Inc. und Potash Corp. of Saskatchewan sind Standardinvestments großer US-Anleger.

Das erwachende Interesse europäischer Anleger an den skandinavischen Düngerproduzenten deutet jetzt auf eine Trendwende in Europa hin. Sie könnte von der erwarteten Erweiterung der Anbauflächen in der EU ausgelöst werden. Zudem lenkt das absehbare Ende des europäischen Moratoriums für die Grüne Gentechnik das Interesse der Investoren auf den Agro-Markt, obgleich die Gentech-Revolution auf Europas Äckern laut Experten noch lange auf sich warten lassen dürfte.

„Das Listing von Grow How hängt von der Marktentwicklung ab und könnte frühestens im Herbst 2004 stattfinden“, teilte Kemira- Vorstandschef Lasse Kurkilahti kürzlich mit. Demnach ist auch noch offen, ob ein Teil der Aktien von Grow How mit einer Erstnotiz (IPO) den Investoren angeboten wird, oder ob Kemira einen Spin Off des gesamten Kapitals der Sparte an die eigenen Aktionäre bevorzugt.

Bisher strebt die zu 56 % in Staatsbesitz befindliche Kemira offenbar eine Lösung an, die dem Staat, eine Kontrollbeteiligung an Grow How garantiert. Doch spricht auch Einiges dafür, dass Kemira den erfolgreichen IPO von Yara, einer Tochter der norwegischen Norsk Hydro, zum Vorbild nimmt: Yara, Europas größter Düngemittelproduzent, war von Norsk Hydro Ende März mit 10 % des Kapitals an die Börse gebracht worden. Die Aktien waren zwanzigfach überzeichnet. Das hatte den Kurs auf bis zu 51 Norwegische Kronen, umgerechnet 6,23 Euro, hochgetrieben. Analysten waren von 4,40 bis 5 Euro ausgegangen.

Heute wird Yara von der Börse mit umgerechnet über 1,5 Mrd. Euro bewertet. Den Wert von Grow How schätzt Chemieanalyst Henri Parkinnen bei Opstock Securities auf bis zu 400 Mill. Euro. Er nennt die Börsenpläne „eine gute Nachricht“. Gelingt der Börsenstart von Grow How, stehen Nachahmer schon in den Startlöchern.

So ist Grande Paroisse (GP), das Düngergeschäft des Ölkonzerns Total SA, laut französischen Analysten kein Kerngeschäft mehr, und es gibt kaum Synergien mit Totals Chemie.

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