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Lastminute.com hält Anleger in Atem

Für Silvester noch schnell nach Lappland? Oder lieber auf Sizilien das neue Jahr begrüßen? Wer noch nicht weiß, wo er den Jahreswechsel verbringen soll, kann bei Lastminute.com einen spontanen Kurztrip buchen.

juh LONDON. Die Geschäftsidee von Gründer Brent Hoberman hat selbst die Krise der New Economy überstanden. Als Lastminute.com im Jahr 2000 an die Londoner Börse ging, schienen die Vorzeichen für das Internet-Wunderkind gut, die Aktie war rund 500 Pence wert. Doch mit dem Platzen der Dotcom-Blase stürzte auch der Kurs ab. Die Titel waren wenig später nur noch für wenigen Pence zu haben.

Seit Ende des Jahres 2001 legte der Kurs von Lastminute.com jedoch langsam wieder zu, geriet aber in jüngster Zeit unter Druck. Denn Mitbegründerin und Großaktionärin, Martha Lane Fox, kündigte an, das Unternehmen zum Jahresende zu verlassen. Immerhin hat sie ihr „Baby“ rechtzeitig zum Abschied noch in die schwarzen Zahlen navigiert. Mit nur 0,2 Mill. Pfund (rund 0,3 Mill. Euro) enttäuschte der Gewinn des Geschäftsjahres 2003 (30. September) vor Goodwill und Sonderabschreibungen allerdings deutlich die Erwartungen der Analysten, die mit 4 bis 10 Mill. Pfund Gewinn gerechnet hatten. Die Titel verloren darauf zeitweise bis zu 10 % an Wert.

Die schlechter als erwarteten Zahlen haben Nick Batram, Analyst bei der Investmentbank Robert W. Baird, dazu veranlasst, sein Anlageurteil „neutral“ mit der Empfehlung zu versehen, die Aktie zu verkaufen, sobald der Kurs 270 Pence übersteigt. Rachel Waring, Analystin von Numis Securities, ist dagegen stärker vom Potenzial der Lastminute-Aktie überzeugt. Vor allem wegen des momentan relativ niedrigen Preises empfiehlt sie die Aktie zum Kauf.

Die Zahlen für 2003 seien enttäuschend ausgefallen, da Lastminute.com viel Geld in die Verbesserung der Software gesteckt habe. „Diese Investition macht sich aber bestimmt auf lange Sicht bezahlt“, glaubt Waring. Das Unternehmen investiert jedes Jahr rund 15 Mill. Pfund in seine Computertechnik.

Auf den Webseiten von Lastminute.com können sich die Kunden ihre Reisen im Baukastensystem zusammenstellen. Flug, Hotel, Auto und Veranstaltungen sind frei kombinierbar. Diesen Bereich will der Konzern ausweiten und bald in Deutschland anbieten. Erst im Frühling dieses Jahres hatte Lastminute.com daher den Autovermieter Holiday Autos übernommen. Hauptsächlich dessen Geschäft sei es zu verdanken, dass der Konzern in Deutschland Profite erwirtschaftet habe, so Batram.

Das Unternehmen wird sich in Zukunft stärker auf Lifestyle-Produkte wie ausgefallene Geschenke, DVDs oder Restaurantreservierungen konzentrieren, glaubt er. Auch die Konkurrenz hat inzwischen gemerkt, dass die Lifestyle-Branche krisensicherer ist als das Reisegeschäft. So habe der US-Rivale Expedia, Tochter des Konzerns InterActiveCorp (IAC), das Lifestyleangebot von Lastminute.com nachgeahmt, sagt Batram.

Gerüchten, dass IAC den britischen Konkurrenten in naher Zukunft übernehmen könnte, schenkt er keinen Glauben. Er bezweifelt, dass IAC den Preis zahlen kann, den Lastminute.com verlangen würde. Die bloßen Spekulationen haben aber in der Vergangenheit ausgereicht, um dem Aktienkurs Auftrieb zu geben.

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