Leigthon-Gewinnwarnung
Probleme in Australien lassen Hochtief-Aktie einbrechen

Nach einer Gewinnwarnung des australischen Tochterunternehmens Leighton brachen die Aktien von Hochtief ein. Der Kursrutsch dürfte jedoch nur vorübergehend sein, glauben Analysten.
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FrankfurtDie Nachricht traf die Anleger wie ein Schock: Der Baukonzern Hochtief hat eine Gewinnwarnung für seine australische Tochter Leighton veröffentlicht. Daraufhin brach der Aktienkurs massiv ein. Bis zum Nachmittag rutschten die Papiere knapp acht Prozent nach unten auf 70 Euro.

Leighton rechnet mit einem Gewinnrückgang und hat bei der Börse Sydney den Handel der Aktien bis Montag aussetzen lassen. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf die Royal Bank of Scotland berichtet, kämpft Leighton derzeit mit Verzögerungen bei dem Bau einer Entsalzungsanlage, schlechtem Wetter in Regionen mit Bergbauverträgen und unerwartet hohen Kosten für einen Flughafenzubringer in Brisbane.

Wegen der Überschwemmungen in Australien und Indonesien hatte Leighton schon im Februar seine Gewinnprognose um 70 Millionen auf 480 Millionen Dollar gesenkt, nach 600 Millionen im Vorjahr. Nun scheinen noch höhere Einbußen zu drohen und das schadet auch dem Mutterkonzern. Hochtief ist zu 54 Prozent an Leighton beteiligt und hatte im vergangenen Jahr 41 Prozent seines Konzerngewinns in Australien erwirtschaftet.

2010 hatte der deutsche Bauriese mit 288 Millionen Euro ein Rekordergebnis erzielt. Im laufenden Jahr wollte Hochtief den Konzerngewinn eigentlich auf 600 Millionen Euro mehr als verdoppeln. Doch diese Prognose ist jetzt in Gefahr. „In Folge der Überprüfung der Ergebnisprognose bei Leighton erwartet Hochtief eine signifikante Beeinträchtigung der Hochtief-Prognose für das Geschäftsjahr 2011“, erklärte der Baukonzern in Essen. Konkrete Auswirkungen der Probleme in Australien ließen sich erst beziffern, wenn die Überprüfung der Prognose bei Leighton abgeschlossen ist. Das sei voraussichtlich am Montag der Fall. Die Hochtief-Prognosen für 2012 und 2013, die allerdings bereits niedriger ausfielen als die Erwartungen für 2011 seien voraussichtlich nicht betroffen. Zur Ursache der jüngsten Überprüfung wollte ein Hochtief-Sprecher keine Angaben machen.

Ingert Faust, Analyst bei Equinet stufte die Hochtief-Aktie als Reaktion von „buy“ auf „hold“ herunter. Wie seine Kollegen Norbert Kretlow von der Commerzbank und Craig Abbott von Cheuvreux sieht er aber keinen Anlass für Unruhe. Kurzfristig würde die Aktie unter Druck geraten. Allerdings sollten weitere Anteilskäufe durch den spanischen Baukonzern ACS das Kursrisiko begrenzen.

Der spanische Baukonzern ACS verfügt nach eigenen Angaben bereits über 43 Prozent der stimmberechtigten Hochtief-Aktien und will seinen Anteil bis Mitte Mai auf 50 Prozent erhöhen. Durch den Kursverfall kann er sich jetzt nun deutlich günstiger mit den restlichen Papieren eindecken. Der Hochtief-Vorstand will eine Übernahme jedoch verhindern. In einem Affront hat der jetzige Hochtief-Aufsichtsrat die Wünsche des spanischen Großaktionärs bei der Aufstellung der Kandidatenliste für die Neuwahl des Kontrollgremiums völlig ignoriert. Auf der Hauptversammlung dürfte es zur entscheidenden Kampfabstimmung kommen.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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