Linde
Der neue Weltmarktführer

Das Management von Linde hat dem Traditionskonzern einen beispiellosen Umbau verordnet. Mit der Übernahme der britischen BOC avancierte Linde zum Weltmarktführer im Gasgeschäft. Nun soll eine rasche Integration von BOC folgen. Das gefällt Aktienanalysten.

FRANKFURT. Der Wiesbadener Konzern Linde hat Anfang September den britischen Konkurrenten BOC für einen Preis von fast zwölf Mrd. Euro übernommen. Das Unternehmen firmiert nun unter dem Logo „The Linde Group“ und hat den bisherigen Weltmarktführer in Industriegasegeschäft – die französische Air Liquide – vom Thron gestoßen. Die Linde-Aktionäre haben allen Grund zur Freude: Bereits vor der Übernahme überschritt der Aktienkurs für kurze Zeit die Marke von 70 Euro und hat sich inzwischen bei gut 69 Euro stabilisiert. Der künftige Jahresumsatz der Linde Group soll rund zwölf Mrd. Euro betragen, bislang lag er bei rund 9,5 Mrd. Euro.

Analysten sind zuversichtlich, dass Linde die Integration von BOC gut gelingt. „Bisher ist die Konzernbildung reibungslos vollzogen worden“, sagt Christian Weiz von der Hypo-Vereinsbank (HVB). Er hebt hervor, dass Linde bereits im Jahr 2000 mit der Übernahme des schwedischen Konzerns AGA gezeigt habe, dass es große Akquisitionen meistern kann. Positiv bewerten die Experten auch, dass Linde-Chef Wolfgang Reitzle zwei britische Manager von BOC mit in den Vorstand des neuen Unternehmens geholt hat. „Dies ist ein geschickter Schachzug und wird die Akzeptanz der Übernahme bei der BOC erhöhen“, sagt Eggert Kuls von M.M. Warburg. Reitzle will den Konzern jetzt neu ausrichten und sich ganz auf das Gasegeschäft konzentrieren. Bis vor zwei Jahren stand das Unternehmen auf den drei Säulen Gas, Gabelstapler und Kältetechnik. Doch nach dem Verkauf der Kältetechnik im Jahr 2004 will das Unternehmen nun auch das Geschäft mit Gabelstaplern abstoßen. Dieses ist mit der Übernahme von BOC rechtlich verselbstständigt worden und trägt nun den Namen „Kion Group“.

Ob Kion an die Börse gebracht oder an einen strategischen Investor verkauft wird, ist unklar. Experten schätzen, dass der Preis über drei Mrd. Euro betragen wird. Mit dem Geld soll ein Teil der Schulden abgebaut werden, die durch die Übernahme von BOC entstanden sind. Bisher wurde die Konglomerats-Struktur vom Kapitalmarkt mit einem Abschlag bewertet. „Dieser Abschlag vom fairen Wert des Konzerns fällt nun weg“, sagt Silke Stegemann von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). Sie hat daher das Kursziel auf 82 Euro für Ende nächsten Jahres erhöht.

Auch Jürgen Reck von der Privatbank Sal. Oppenheim gibt sich optimistisch. Die Einschätzung des Synergie-Potenzials in Höhe von 250 Mill. Euro sei seiner Meinung nach zu konservativ. Es gebe kaum Überschneidungen der Geschäftsfelder von Linde und BOC: Die Briten seien in Asien sehr präsent, während der deutsche Konzern vor allem in Europa operiere. „Ich rechne mit einem Synergie-Potenzial von 300 bis 350 Millionen Euro“, sagt er und empfiehlt die Aktie mit einem Kursziel von 74 Euro zum Kauf.

Experten sind der Meinung, die Oligopol-Bildung auf dem Gasemarkt sei mit der BOC-Übernahme abgeschlossen, der strategische Handlungsdruck liege nun bei Air Liquide.

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