Listing in Amsterdam
Finanzinvestor KKR setzt Börsenpläne um

Der Finanzinvestor KKR geht an die Börse und vollzieht damit die spektakulärste strategische Neuausrichtung seiner 33-jährigen Geschichte. Das von Henry Kravis und George Roberts gegründete Private-Equity-Haus nutzt die rasante Aufwärtsentwicklung der Börsen seit dem Frühjahr.

NEW YORK/FRANKFURT. Mit etwas Verzögerung geht der Finanzinvestor KKR an die Börse. Ursprünglich hatten Kohlberg, Kravis, Roberts & Co. (KKR) das Initial Public Offering (IPO) Mitte August geplant – waren jedoch an der Kreditkrise gescheitert. Jetzt sieht das Unternehmen den richtigen Zeitpunkt für den Börsengang gekommen.

„Unsere Mission ist es, attraktive Erträge für unsere Investoren zu erzielen“, erklärten Kravis und Roberts. „Diese Transaktion ist ein Meilenstein, der dazu beiträgt und Kapital für unsere Firma bereitstellt.“ Der Börsengang ist mutig: Die Private-Equity-Branche steckt wegen der Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe in einer schweren Krise. Weil die Fonds bislang auf Fremdfinanzierung setzten, waren neue Übernahmen in den letzten Monaten nur selten möglich.

Hinzu kommt, dass viele der Firmen in den Portfolios der Beteiligungsgesellschaften so hoch verschuldet sind, dass sie nun die Rezession mit voller Wucht trifft. Bei KKR etwa gilt das Investment in ProSiebenSat.1 als Sorgenkind. Der Finanzinvestor musste 2008 vor allem wegen Abschreibungen auf Firmenwerte einen Verlust von 1,2 Mrd. Dollar ausweisen. Der Sprung auf das Parkett könnte Indiz sein, dass die Branche zumindest den Tiefpunkt erreicht hat.

Allerdings handelt es sich – wie seit Monaten bekannt – keineswegs um ein klassisches IPO. Vielmehr verschmilzt der Finanzinvestor sein Geschäft mit der bislang lediglich an der Amsterdamer Börse notierten Fondstochter KKR Private Equity Investors (KPE). Deren Aktien haben seit März etwa zwei Drittel an Wert gewonnen.

Börsengänge von Private-Equity-Häusern sind umstritten. Kritiker argumentieren, die dadurch notwendig werdenden Öffentlichkeitspflichten stünden dem auf Mittel- und Langfristigkeit ausgerichteten Geschäftsmodell entgegen. Der KKR-Rivale Blackstone, der noch vor der Krise den Sprung auf das Parkett schaffte, habe lediglich seine Anteile versilbert. Tatsächlich notiert das Papier trotz eines jüngsten Kursanstiegs immer noch 60 Prozent unter dem Höchststand von 2007.

Neue Aktien werden im Rahmen des KKR-Börsengangs aber gar nicht ausgegeben. Vielmehr sollen die KPE-Aktionäre künftig 30 Prozent an der neuen Gesellschaft halten, die unter dem Namen KKR & Co. firmiert. Damit bleibt die Mehrheit an der Gesellschaft bei Gründern und Mitarbeitern. Finanzkreisen zufolge könnte im Frühjahr kommenden Jahres ein Zweitlisting an der New Yorker Börse Nyse folgen. Welchen Wert das kombinierte Unternehmen hat, ist noch unklar. In US-Medien wird über eine Größenordnung von rund 15 Mrd. Dollar spekuliert.

KKR hat in den vergangenen zehn Jahren rund 50 Mrd. Dollar bei Großanlegern eingesammelt und gehört zu den fünf größten Private-Equity-Häusern der Welt. Hierzulande ist KKR unter anderem beim Gabelstapler-Hersteller Kion investiert. Zu den bekannten US-Investments zählen die Spielwarenkette Toys R Us.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
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