Luft- und Raumfahrtkonzern profitiert vom Erfolg der Airbus-Modelle
EADS avanciert zum Überflieger

Unter den größeren europäischen Titeln haben in den letzten Monaten nur wenige so einen steilen Kursanstieg verzeichnet wie die Aktie des deutsch-französischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS.

DÜSSELDORF. Im März 2003 – zu ihrem Allzeit-Tief – kostete das Papier 6,40 Euro, gestern notierte es trotz eines kurzfristigen Rückschlags nach Terrorwarnungen immer noch bei mehr als 22 Euro. Selbst im lange stagnierenden Markt der vergangenen Monate hat die Aktie ihren steilen Aufstieg fortgesetzt. Und die Aussichten bleiben für das Unternehmen rosig. Der Vorstand hat bei der Vorlage der Quartalszahlen die Gewinn- und Umsatzaussichten nach oben revidiert. Analysten sehen bei der weiteren Kursentwicklung noch etwas Luft.

Vor allem die Erholung der zivilen Luftfahrt nach dem 11. September 2001 in Kombination mit einem gut durchdachten Produktpalette haben dem Konzern Auftrieb gegeben. So liegt das Volumen in Europa heute schon zwei Prozent über dem Niveau vor den Terroranschlägen des 11. September 2001, in den USA nur noch zwei Prozent darunter; in Asien ist das Volumen seit damals um 17 Prozent gestiegen.

Nach dem Abflauen der Lungenkrankheit Sars habe sich das Luftverkehrsaufkommen dort sogar um 170 Prozent verbessert, berichtet Wertpapieranalyst Ben Fidler von der Deutschen Bank in London. „Obwohl die Fluggesellschaften immer noch mit hohen Ölpreisen und niedrigen Margen zu kämpfen haben, hat die Zivilluftfahrt ihren Wendepunkt erreicht“, schätzt er. Auch sei die Zahl der in Reserve gehaltenen Flugzeuge zurückgegangen; das Durchschnittsalter der Maschinen habe sich auf knapp 25 Jahre erhöht. Solche Entwicklungen schlagen bei EADS kräftig zu Buche. Der Konzern erwirtschaftet mit seiner Airbus-Produktion 60 Prozent des Umsatzes. Technisch seien die Maschinen den Produkten des Konkurrenten Boeing ebenbürtig, wenn nicht überlegen, sagen Analysten.

Auch für die übrigen Geschäftsbereichen hat sich der Konzern solide Perspektiven aufgebaut. Die Militärsparte, die langfristig 30 Prozent des Konzernumsatzes bringen soll, steht mit dem Eurofighter, dem Transportflugzeug A 400 M sowie mit den Hubschrauberprogrammen vor einem neuen Wachstumsschub. Über einen Deal mit der britischen Royal Air Force könnte zudem der Einstieg in den lukrativen, bisher von Boeing beherrschten Tankflugzeugmarkt gelingen. In defizitären Raumfahrtbereich ist es den Vorständen Rainer Hertrich und Philippe Camus gelungen, das Minus von 131 Mill. Euro im Vorjahr auf elf Mill. Euro zu reduzieren.

Entsprechend schraubte das Management bei der Vorlage der Zahlen das Umsatzziel für das gesamte Jahr 2004 von 30 Mrd. auf 31 Mrd. Euro hoch, der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibung soll von 1,9 Mrd. Euro auf 2,1 Mrd. Euro steigen.

„Es scheint, dass die starke Auftragslage beim Airbus und das stete Wachstum bei den Billig-Fluggesellschaften ausreichen, um das erwartete Wachstum zu liefern“, sagt Analyst Olivier Esnou von Exane BNP Paribas. Mit dem geplanten Großflugzeug A 380, dürfte EADS dabei seine starke Postition weiter ausbauen. Der Typ, der 2006 auf den Markt kommen soll, wird mit 555 Sitzplätzen die erste echte Konkurrenz zum jahrzehntealten Jumbo-Jet von Boeing werden und soll höhere Gewinnmargen bringen als die mittelgroßen Modelle. Bereits 133 Maschinen seien bestellt, nach der 250. Maschine sei die Gewinnzone erreicht, teilt das Unternehmen mit.

Eine Erfolgsstory also, wie sie bei einem aus einer Großfusion dreier europäischer Unternehmen (der Dasa aus Deutschland, Casa aus Spanien und Aerospatiale Matra aus Frankreich) entstandenen Konzern nicht unbedingt zu erwarten war.

Als Risiken nennen Analysten höhere Entwicklungskosten beim A380 , Wechselkursrisiken und die Gefahr, dass Fluggesellschaften pleite gehen und ihre Bestellungen stornieren müssen.

Allerdings ist die Aktie inzwischen mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 26, bezogen auf die Gewinne von 2004, nicht mehr ganz billig. Zwar setzen Analysten ihre Kursziele noch ein paar Euro höher, doch Anleger sollten abwarten, bis mögliche Kursrückschläge die Chance zu einem günstigeren Einstieg geben.

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