„Marktkonforme“ Entwicklung
Ölwerte folgen nicht dem hohen Ölpreis

Teurer als im ersten Quartal dieses Jahres war Erdöl nur einmal in der Geschichte: Während des Krieges zwischen Irak und Iran Anfang der 80er Jahre. Doch obwohl das Preisniveau nach wie vor am oberen Ende des von der Opec festgelegten Preiskorridors von 24 $ bis 28 $ für ein Barrel (159 l) pendelt, treibt das die Kurse der großen Ölmultis nicht nach oben.

tom DÜSSELDORF. Auch die Rekordgewinne, die von den Konzernen im ersten Quartal eingefahren wurden, Exxon konnte seinen Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahr von 2,1 Mrd. $ auf 7 Mrd. $ steigern, haben die Investoren nicht in große Euphorie versetzt. Marktbeobachter sprechen von einem Einmaleffekt, der an der grundsätzlichen Bewertung der Branche nichts ändert: Die Ölwerte entwickeln sich heute „marktkonform“. Angesichts der schwachen Konjunkturlage und der steigenden Exportleistung Russlands ist nicht sicher, ob sich der Ölpreis weiter auf dem hohen Niveau halten kann. „Wir gehen davon aus, dass er sich im Laufe des Jahres weiter abschwächt“, sagt Analyst Dennis Nacken von Helaba Trust.

Gleichfalls haben sich die Öltitel aber nach dem Ende der Kampfhandlungen im Irak als recht stabil gezeigt: Eine Folge der nur schleppend anlaufenden Ölproduktion im Zweistromland sowie den anhaltend niedrigen Lagerbestände.

Gute Nachrichten gibt es auch bei den für die Ölkonzerne wichtigen Raffineriemargen: Sie lösen sich von ihrem Tief im vergangenen Jahr. Doch die Analysten bleiben verhalten. „Für die Berichtssaison Ende Juli rechnen wir zwar für die Ölgesellschaften mit steigenden Erträgen“, so Nacken, längerfristig dürfte das Gewinnmomentum wohl wieder abnehmen. Allerdings: Die Werte der großen Ölmultis werden sich auf Grund ihres großen Gewichts mit dem Markt bewegen, wenn sich die Börsen wieder erholen, heißt es bei Goldman Sachs.

Wachstumspotenzial kann zurzeit nur vom Erdgasmarkt kommen. Der weltweite Verbrauch hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, die Nachfrage ist sogar doppelt so schnell gestiegen, wie die nach Öl. Alle europäischen Ölfirmen haben daher ins Gasgeschäft investiert. Die Branchenführer Royal Dutch/Shell und BP nehmen im hier die Spitzenposition ein. „Vor allem Shell wird mit ihrem 10 Mrd. $ Projekt in Russland, das im Jahr 2007 fertiggestellt sein dürfte, die Marktführerschaft bei Flüssiggas ausbauen“, sagt Nacken.

Aufgrund des hohen Anteils, den BP im nordamerikanischen Gasmarkt haben, läuft das Fördergeschäft zur Zeit gut. Goldman Sachs sieht keine Anzeichen, dass die aktuelle Versorgungskrise auf dem US-Gasmarkt bald gelöst sein könnte: „Die Ölfirmen werden davon profitieren“, schreiben die Analysten. Dennoch gelten die BP-Aktien heute als zu teuer. Goldman Sachs hat den britischen Multi deshalb bereits von „outperform“ auf „inline“ zurückgestuft, erwartet also eine Entwicklung, die sich am Markt orientiert.

Zu den Analystenlieblingen zählen zurzeit Conoco-Philips und Total. Der Kurs der Conoco-Aktie hat sich in den letzten Monaten positiv entwickelt. Die Integration der beiden Fusionspartner Conoco und Phillips Petroleum läuft offenbar nach Plan.

Marktbeobachter halten auch Total für günstig bewertet. Wegen des starken Nahost-Geschäfts der Franzosen waren die Anleger vor Ausbruch des Krieges sehr zurückhaltend. Jetzt steigt der Optimismus.

Quelle: Handelsblatt

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