Markttechnik spricht gegen schnelle Rückkehr auf Höchststände
Analysten erwarten "Durststrecke"

Die deutschen Aktienmärkte werden nach Einschätzung von Händlern und Analysten in der nächsten Woche ganz im Zeichen amerikanischer Konjunkturdaten stehen. Zudem könnte der Große Verfallstermin an den Terminbörsen am Freitag eine wichtige Rolle spielen. Marktbewegende Unternehmens-Nachrichten sind angesichts eines recht dünnen Terminkalenders in der kommenden Börsenwoche nicht abzusehen.

HB FRANKFURT. Allerdings könnte in den USA die „Confession Season“ die Kurse bewegen. In der Regel teilen die amerikanischen Konzerne vor Ablauf des Quartals mit, wenn sie die Prognosen nicht erfüllen. Das gleiche gilt aber auch, sollte ein Unternehmen besser abgeschnitten haben als prognostiziert.

In der vergangenen Woche hatte der Deutsche Aktienindex (Dax) die in ihn gesetzten Erwartungen nicht ganz erfüllt. Das Jahreshoch von gut 3 676 Zählern blieb nicht nur unangetastet, der Dax gab sogar deutlich Terrain ab und rutschte unter 3 600 Zähler. Doch solange Deutschlands wichtigstes Börsenbarometer sich über der psychologisch wichtigen Marke von 3 500 Punkten behaupte, ändere sich am insgesamt doch positiven Gesamttrend aus rein technischer Sicht nichts, sagten Händler. Kurzfristig spreche die Markttechnik derzeit aber gegen eine rasche Rückkehr zu den bisherigen Hochs von rund 3 677 Zählern, stellt denn auch die Bayerische Landesbank in ihrem Wochenausblick fest.

Bankgesellschaft Berlin: Durststrecke wahrscheinlich

„Wir erwarten, dass sich die Serie überwiegend guter Konjunkturmeldungen fortsetzen wird mit positiven Impulsen für die Aktienmärkte“, stellt die Bankgesellschaft Berlin in ihrem Wochenausblick fest. Die Konjunkturbelebung in der Euro-Zone und höhere Wachstumsraten in den USA sollten bereits im dritten Quartal zu einem stärkeren Umsatz- und Gewinnwachstum bei den Unternehmen beitragen. Daher setzen viele Analysten und Händler derzeit auf bessere Bilanzen.

Im Oktober steht die nächste Berichtssaison zunächst in den USA und anschließend in Deutschland und Europa an. Dann werden die Unternehmen allerdings zu beweisen haben, dass sie tatsächlich mehr umgesetzt und verdient haben. Schon bei der vergangenen Bilanzsaison im Juli hatten die Märkte vor allem darauf geschaut, ob die Unternehmen die teils sehr hohen Erwartungen auch erfüllen konnten.

Bis es so weit ist, erwarten die Experten der Bankgesellschaft Berlin derweil eine „gewisse Durststrecke“. Die Gewinnmitnahmen dieser Woche könnten bereits den Beginn einer Konsolidierungsphase signalisieren. Auch die DZ Bank AG rechnet für die nächsten Wochen eher mit einer Konsolidierung, obwohl sie insgesamt die Aktien im Vergleich zu den festverzinslichen Papieren für unterbewertet hält: „Wir gehen somit von einer notwendigen Korrektur aus, die dem Markt ausreichend Kraft verleihen wird, um anschließend weitere Kursanstiege verbuchen zu können.“

FED dürfte Zinsen unverändert lassen

Auf der Konjunkturseite machen am Montag die Statistiken zur Leistungsbilanz, Kapazitätsauslastung und Industrieproduktion in den USA den Auftakt. Sie könnten über das Ausmaß der Konjunkturerholung Aufschluss geben. Freilich dürfte das Defizit in der Leistungsbilanz erneut auf die strukturellen Probleme der US-Wirtschaft hinweisen. Im Wochenverlauf stehen dann noch unter anderem der Konjunkturindex der Philadelphia Fed sowie die Frühindikatoren an. Von der US-Notenbank (Fed), deren Offenmarktausschuss am Dienstag die Geldpolitik berät, erwarten Analysten weder eine Änderung der Zinsen noch der gesamtwirtschaftlichen Einschätzung der Risiken.

Auf deutscher Seite steht am Dienstag der Konjunkturbericht des ZEW an. Die DZ Bank erwartet eine neunte Verbesserung in Folge und damit ein Indiz dafür, dass sich die konjunkturelle Erholung nicht nur als „Strohfeuer“ entpuppt.

Einige Analysten rechnen angesichts des Verfalls von Optionen auf Aktien und den Dax sowie des Dax-Futures mit Kursverzerrungen. Auch in New York verfallen Optionen und Future. „Wir erwarten, dass die Volatilität steigt“, erklärt Bill McQuaker, Analyst von Credit Suisse First Boston in London. Wie er verweisen auch Händler in Frankfurt zudem auf die saisonalen Effekte hin. Historisch seien September und Oktober Monate mit einer eher großen Schwankungsanfälligkeit.

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