Massiver Aktienkursverfall

Toshibas GAU

Toshiba-Aktien befinden sich nach Bekanntwerden der milliardenschweren Abschreibungen im freien Fall. Investoren reagieren verärgert. Für den Konzern ein erneuter Rückschlag zur Unzeit – mit noch unklaren Folgen.
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Investoren reagierten unmittelbar auf die kurzfristig einberufene Pressekonferenz am Dienstag. Quelle: AFP
Toshiba-Gebäude in Kawasaki

Investoren reagierten unmittelbar auf die kurzfristig einberufene Pressekonferenz am Dienstag.

(Foto: AFP)

DüsseldorfEs hätte ein versöhnlicher Jahresabschluss für Toshiba werden können: Die Neuausrichtung nach der schweren Bilanzaffäre 2015 ist geglückt, das Vertrauen der Investoren wieder gewonnen. Eine erfreuliche Entwicklung, die man auch am Aktienkurs ablesen konnte: Toshiba-Papiere gewannen seit Jahresanfang bis zum vergangenen Montag circa 77 Prozent.

Auf der Zielgeraden allerdings geht Toshiba die Puste aus. Die am Dienstag angekündigten Milliarden-Abschreibungen in der Atomsparte erschütterten den japanischen Elektronikkonzern in seinen Grundfesten. Die leidgeprüften Aktionäre straften das Unternehmen entsprechend spürbar ab – und schickten die Aktie auf eine rekordverdächtige Talfahrt. Seit Dienstag hat Toshiba mehr als 40 Prozent seines Börsenwerts verloren. Allein am Donnerstag büßten die Papiere 17 Prozent ein – es war der dritte Handelstag in Folge mit zweistelligen Verlusten.

Der Kurs des Elektronikriesen im Kalenderjahr 2016: erst stark bergauf, nun im freien Fall.
Toshiba-Papiere

Der Kurs des Elektronikriesen im Kalenderjahr 2016: erst stark bergauf, nun im freien Fall.

Konkret geht es um das Unternehmen Chicago Bridge & Iron (CB&I) Stone&Webster, das Toshibas US-Tochter Westringhouse vor Jahresfrist gekauft hatte. CB&I baut und betreibt Atomkraftwerke in den USA. Die Kosten für Projekte dieser Art würden deutlich höher ausfallen als bislang angenommen, räumte Toshiba am Dienstag ein. Das genaue Ausmaß und die Auswirkung auf die Bilanz sind allerdings nicht bekannt. Japanische Medien spekulierten von Wertberichtigungen von bis zu vier Milliarden Euro.

Diese Nachricht belastet die ohnehin schon dünne Kapitaldecke. Ende September wies Toshiba nur noch drei Milliarden Euro Eigenkapital aus. Vorstandschef Satoshi Tsunakawa erklärte, das Management denke deshalb sogar über eine Kapitalerhöhung nach. „Wir ziehen Maßnahmen in Betracht, darunter auch eine Vorgehensweise beim Kapital“, so Tsunakawa auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz am Dienstagabend. Bereits unmittelbar danach war die Aktie um gut zwölf Prozent gefallen. Ein Toshiba-Sprecher sagte am Donnerstag, der Konzern habe ausreichend Geldmittel zur Hand.

An den Investoren ging das erstmal vorbei. Inzwischen steht beim Aktienkurs seit Anfang Januar „nur“ noch ein Plus von gut 25 Prozent zu Buche. Vom Jahreshöchstwert mit 475,2 Yen sind die Papiere bei derzeit 258,7 Yen weit entfernt. Noch in der Vorwoche zählte Toshiba zu den drei auf Jahressicht besten Unternehmen, die im Nikkei gelistet sind.

Diese deutschen Technologie-Marken sind zukunftssicher
Made in Germany
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Das Image der deutschen Ingenieure hat durch den Dieselskandal gelitten. Doch etliche Technologie-Marken genießen weiterhin einen exzellenten Ruf - und gelten als besonders zukunftsfähig. Das zeigt die Studie „Made in Germany 4.0“ der Markenberatung Brandtrust. Die Berater haben dafür rund 70 Top-Manager, sowie 3.300 Kunden und Einkäufer befragt.

Kriterien
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Bewertet wurden 33 deutsche Marken nach zehn Kriterien: Der Fähigkeit, höhere Preise durchzusetzen, der Adaptionsfähigkeit. der Anfälligkeit für Trends. der gesellschaftlichen Relevanz. der Unverzichtbarkeit für die Kunden, dem Markenerlebnis, der Fähigkeit, die Kunden zu Markenbotschaftern zu machen, dem Stolz der Mitarbeiter, der Fähigkeit, den Absatz kontinuierlich auszubauen - und der Bekanntheit. Die Überraschung: deutsche Premiumautobauer wie Audi, BMW, Porsche und Mercedes landen dabei nur im Mittelfeld. "Deutsche Automobilhersteller sind zu langsam darin, die etablierten Marken mit neuen Geschäftsmodellen aufzuladen", erklärt Studienautor Jürgen Gietl.

Platz 10 - Festo - 66,4 Punkte
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Den Auftakt in die besten Zehn macht der schwäbische Automatisierungstechniker Festo. Weltweit hat das Unternehmen 17.800 Mitarbeiter und verfügt offenbar über ein großes Vertrauen bei Topmanagern, Einkäufern und Kunden. Nicht nur das "Bionic Kangaroo", das Festo auf der Hannover Messe 2014 präsentierte, dürfte damit in den kommenden Jahren große Sprünge machen.

Platz 9 - Siemens - 67,7 Punkte
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Der bestplatzierte Dax-Konzern im Ranking kommt aus München. Etwas überraschend, da Siemens turbulente Jahre hinter sich hat. Doch bei den Geschäftskunden schneidet Siemens weiterhin gut ab. "Siemens hat als erstes Technologieunternehmen überhaupt seine Marke systematisch entwickelt. Eine über so viele Jahre so stark aufgebaute Marke machen ein paar Managerverfehlungen so schnell nicht kaputt", erklärt Studienautor Gietl.

Platz 8 - B.Braun - 68,4 Punkte
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Der Medizintechnikherstellers B. Braun aus Melsungen scheint für seine Kunden unverzichtbar und erreicht hier Spitzenwerte. Dass die Hessen ihre Premiumpreise auch bei hohem Volumen durchsetzen können, spricht nach Ansicht der Studienautoren für ein zukunftssicheres Geschäft.

Platz 7 - Bosch - 68,5 Punkte
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Wenn Bosch einen neuen Forschungscampus eröffnet, dann kommt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Besuch. Die Schwaben scheinen nach Ansicht der Brandtrust-Studie offenbar gut vorbereitet auf die Zukunft - vor allem weil der Zulieferer in etlichen Hochtechnologiebereichen führend ist.

Platz 6 - Kuka - 69 Punkte
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Roboter von Kuka sind nicht nur für Volkswagen nahezu unverzichtbar. Die Augsburger sind in etlichen Technologiesparten vertreten und gelten nach Ansicht der befragten Kunden und Einkäufer darum als besonders zukunftsfähige Marke.

Die Ratingagentur S&P hatte am Mittwoch zudem Toshibas Kreditwürdigkeit von B um eine Stufe auf B- herabgestuft – beide Stufen stehen für hohe Spekulation. Auch der S&P-Ausblick ist negativ – es droht also ein weiteres Downgrading. Moody’s stufte Toshiba sogar auf Caa1 ab, was für substanzielle Risiken steht. Moody’s-Analystin Masako Kuhawara warnte, das Eigenkapital könnte sogar negativ werden, je nach dem wie hoch die Berichtigungen letztlich ausfallen. In diesem Fall hinge Toshibas Zahlungsfähigkeit von der fortgesetzten Hilfsbereitschaft der Banken ab. Doch ob die gegeben ist, sei derzeit unsicher.

Die US-Tochter und CB&I streiten sich außerdem vor Gericht um offene Fragen nach dem Zukauf. Westringhouse fordert Nachzahlungen in Höhe von zwei Milliarden Dollar – das Betriebsvermögen sei geringer als angenommen. CB&I reagierte seinerseits mit einer Klage. „Wir haben damals gedacht, die Vorteile des Zukaufs würden die Risiken überwiegen“, sagte Vorstandschef Tsunakawa. „Die Neubewertung ist zu spät erfolgt.“

Westringhouse wies bereits im Vorjahr Abschreibungen in Höhe von zwei Milliarden Euro auf. Trotzdem hatte kaum ein Aktionär mit einem solchen Milliardendebakel bei der US-Tochter gerechnet. Schließlich hatte Toshibas AKW-Spartenchef Danny Roderick zuletzt der japanischen Wirtschafszeitung Nikkei erklärt, der Konzern habe in dieser Hinsicht in China und Indien enormes Wachstumspotenzial.

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2 Kommentare zu "Massiver Aktienkursverfall: Toshibas GAU"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @ALLE

    Gott sei Dank fällt der 1.Januar dieses Jahr auf einen Sonntag,stellt Euch vor es wäre Montag, dann könnte man wieder einen Tag weniger kommentieren. :(
    Der erste Feiertag, 26. Dez., war doch schon fürchterlich. :(
    Am schönsten ist es, wenn Heiligabend an einem Freitag ist :)

    "Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

    @ Herr Hoffmann

    ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
    Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

    "Herr Fritz Porters23.12.2016, 12:25 Uhr
    Liebe komödiantische Kommentatorengemeinde,

    es ist mal wieder ein Fest wie lustig hier kommentiert wird ...was wäre mein Tag ohne diese wunderbaren Geistesblitze, die hier gepostet werden. Herrlich :-)"


    @Porters

    VIELEN DANK Herr Porters,
    es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
    Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
    Schön das Sie das zu schätzen wissen.

    Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
    Paff, von Horn, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke, Ebsel, Dirnberger....

    ohne sie wäre ich hier sehr einsam !

    Aber besonders erwähnen möchte einen, der wirklich den ganzen Tag, und damit meine ich von morgens bis abends, aber auch wirklich jeden Artikel kommentiert (er ist fleisiger als ich), und auch die meisten Artikel mehrmals kommentiert.....

    das ist unser geliebter

    SPIEGEL

    Danke

  • Herr Hoffmann, wo bleibt die Dividende bei den Kernkraftwerken, soll ich enttäuscht ins Wochenende gehen. Mir steigen schon wieder die Tränen in die Augen.

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