MDax-Aufstieg
Baywa rückt in den Fokus der Investoren

Ab dem kommenden Montag wird die Baywa-Aktie zu den 50 mittelgroßen Werten unterhalb des Dax in den MDax hinzustoßen. Was dann nur noch Vollzug ist, galt vorher schon bei vielen Analysten als ausgemachte Sache. Zu auffällig hatte sich die Aktie, die 2008 abgestürzt war, in den vergangenen Monaten zurückgemeldet. Über 70 Prozent hat sie seit März an Wert gewonnen.

FRANKFURT. Dabei muss "die Baywa", wie sie landläufig in ihrem süddeutschen Kernmarkt genannt wird, an der Börse stets mit dem Manko des "Gemischtwarenladens" leben. Kerngeschäft ist zwar der Handel mit Agrarprodukten, weil aber auch Baumärkte, der Mineralölhandel und bis vor kurzem Autohäuser zum Geschäft gehörten, taten sich Analysten schwer mit der Zuordnung zur entsprechenden Branche.

Als vor Jahren Düngemittel-Hersteller wie K+S oder Saatgut-Produzenten wie KWS Saat an der Börse gefragt waren, hinkte die Baywa-Aktie hinterher. Auch die Ausrichtung auf Süd- und Ostdeutschland, Österreich und einige südosteuropäische Länder führte dazu, dass das Unternehmen Investoren in West- und Norddeutschland oft erst vorgestellt werden musste.

Analysten jenseits des Weißwurstäquators haben die Qualität der Aktie dagegen längst erkannt. Seit Jahren kommen gerade aus jenen Gegenden, in denen die Baywa geschäftlich kaum vertreten ist, lobende Worte. Ganz im Gegensatz zu den eigenen Gefilden, wo der Münchener Unicredit-Analyst Friedrich Schellmoser zum Verkauf rät. Die Entwicklung des Agrargeschäftes im zweiten Quartal sei hinter seinen Erwartungen zurück geblieben. Ebenso erweise sich das Segment Baumaterialien, das sich im Moment in einer Umstrukturierung befindet, als Sorgenkind. Einen Kurs von 21 Euro betrachtet er bei der Aktie als angemessen, gestern kostete diese knappe 24 Euro.

Andere Analysten sind weitaus optimistischer, Marc Gabriel zum Beispiel, vom Düsseldorfer Bankhaus Lampe. Er hält einen Kurs von 30 Euro für angemessen und begründet dies mit den globalen Veränderungen in der Ernährung. Zum einen ist das weltweite Bevölkerungswachstum samt höherem Lebensstandard ein Treiber für die Branche. Zum anderen führt der Strukturwandel im eigenen Land mit dem Trend zu Großbauernhöfen dazu, dass sich diese zu einer Art "Entrepreneur" entwickeln werden. Von beidem dürfte die Baywa als Partner vor Ort profitieren. Hinzu kommt der MDax-Aufstieg, der die Aktie stärker in den Fokus institutioneller Anleger rücken dürfte, lobt Marc Gabriel.

Besonders auf mittel- bis langfristige Sicht bietet das Papier gute Perspektiven. "Das Agrarsegment sollte den Tiefpunkt durchschritten haben", sagt Finn Henning Breiter von SES Research. Grund waren Überkapazitäten, lag doch in den vergangenen Jahren die Weltgetreideernte bei 2,2 Mrd. Tonnen weit über dem langfristigen Durchschnitt von 1,9 Mrd. Tonnen. Das führte zu starkem Preisverfall und zu weniger Nachfrage der Landwirte nach Dünger.

Damit dürfte es jetzt ein Ende haben. Das liegt vor allem am extrem gestiegenen Fleischhunger der Asiaten. Die essen trotz steigender Tendenz noch immer nur 32 Kilo Fleisch im Jahr, während es die Europäer und Nordamerikaner auf über 100 Kilo bringen. Zur Produktion von einem Kilo Rindfleisch braucht es jedoch sieben Kilo Weizen.

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