MDax
Nebenwerte im Ausverkauf

Der Ausverkauf an den Börsen kennt kaum Grenzen. Die Verluste ziehen sich quer durch alle Branchen. Doch stärker noch als die Standardwerte hat es Aktien aus der zweiten Reihe erwischt. Ausgerechnet das, was die kleineren Unternehmen über Jahre stark gemacht hat, wird nun zum Problem.

FRANKFURT. Während der Deutsche Aktienindex (Dax) seit Beginn des Monats rund 20 Prozent verloren hat, fiel der MDax der mittelgroßen Werte im selben Zeitraum sogar um 25 Prozent. Mittlerweile ist der MDax unter die Marke von 6 000 Punkten gerutscht; im Juli 2007 hatte der Index mit 11 493 Zählern noch ein Allzeithoch aufgestellt.

Wenn überhaupt, trauen Anleger in der Krise offenbar eher den Schwergewichten aus dem Dax. "Nebenwerte trifft es in schwierigen Zeiten meist doppelt hart", sagt Matthias Jörss, Analyst bei Sal. Oppenheim. Fondsmanager hätten derzeit Angst, Standardaktien in großem Stil zu verkaufen und trennten sich stattdessen von den Papieren kleinerer Unternehmen.

Ausgerechnet das, was die kleineren Unternehmen über Jahre stark gemacht hat, wird nun zum Problem: die weltweite Konjunktur. Die USA drohen als Folge der Finanzkrise doch noch in eine Rezession zu schlittern und den Rest der Welt mitzureißen. "Das würde konjunkturabhängige Titel wie die Maschinenbauer und Bauunternehmen besonders hart treffen", sagt Gunnar Hamann, Aktienstratege von Dresdner Kleinwort.

Im MDax dominieren zyklische Branchen, die stark von der Konjunktur abhängig sind. Industrie- und Chemiewerte machen fast die Hälfte des Gewichts im MDax aus.

Jetzt fallen vor allem die Zugpferde aus, die den Index in der Vergangenheit gestützt haben. Dank des Stahlbooms in den vergangenen Jahren legte zum Beispiel Salzgitter enorm zu. Vor fünf Jahren stagnierte der Kurs bei sechs Euro je Aktie. Dann kam der Boom und die Aktie schnellte auf mehr als 150 Euro. Jetzt verdüstern sich die Konjunkturaussichten, die Nachfrage nach Stahl sinkt, der Gewinn droht einzubrechen. In den letzten Wochen fiel die Aktie fast ungebremst auf 56 Euro.

Ähnlich sieht es bei den Maschinenbauern Gildemeister, Demag Cranes oder Klöckner aus. Die Gildemeister-Aktie verlor in den vergangenen drei Monaten fast 40 Prozent ihres Wertes. Demag Cranes fiel um rund 30 Prozent. Für Klöckner ging es sogar um rund 60 Prozent nach unten.

Experten erwaten mittlerweile, dass diese Unternehmen ihre Gewinnschätzungen massiv nach unten korrigieren müssen. "Ich sehe nicht, dass die Gewinnschätzungen zum Beispiel im Maschinenbau auch nur annährend etwas mit der Realität im Jahr 2009 zu tun haben", sagt Oppenheim-Analyst Jörss.

Lange zehrte der gesamte Index auch von der atemberaubenden Kursrally beim Düngemittelhersteller K+S aus Kassel. Doch der einstige Überflieger ist nicht mehr im MDax vertreten, sondern im vergangenen Monat in den Dax aufgestiegen. Doch auch wenn die Dünger-Aktie im MDax geblieben wäre, zurzeit würde sie den Index eher nach unten ziehen. Der Kurs ist regelrecht eingebrochen - von 95 Euro im Sommer auf nunmehr 40 Euro.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
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