Medienbericht über Stellenabbau: Anleger wetten auf komplette Hochtief-Übernahme

Medienbericht über Stellenabbau
Anleger wetten auf komplette Hochtief-Übernahme

Die Zukunft des Baukonzerns ist völlig offen. Am Dienstag fällt eine wichtige Entscheidung, Arbeitsplätze könnten wegfallen. Die Aktie startet zu einem Höhenflug, Anleger spekulieren auf eine vollständige Übernahme.

EssenKurz vor der entscheidenden Aufsichtsratssitzung über die künftige Führung bei Hochtief ist die Aktie zu einem Höhenflug gestartet. Das Papier legte um knapp fünf Prozent zu. Hintergrund seien Spekulationen über eine komplette Übernahme von Hochtief durch den spanischen Großaktionär ACS, sagte Commerzbank-Analyst Norbert Kretlow.

Auf Druck von ACS steht Hochtief vor einem radikalen Führungswechsel. Unter anderem soll Vorstandschef Frank Stieler, der noch nicht einmal anderthalb Jahre im Amt ist, aus dem Vorstand ausscheiden, wie am Wochenende bekannt wurde. Als Nachfolger steht das spanische Vorstandsmitglied Marcelino Fernandez Verdes bereit. Der Hochtief-Aufsichtsrat will darüber am Dienstag entscheiden.

Auch ein Stellenabbau scheint möglich. Wie die „Wirtschaftswoche“ unter Berufung auf Konzernkreise berichtet, stehen rund 700 Arbeitsplätze auf der Kippe. Betroffen sein soll vor allem die Bausparte Hochtief Solutions. Die Stellen sollen in den Niederlassungen Hamburg, Berlin, München und im Rhein-Main-Gebiet wegfallen, hieß es in dem Bericht, der von Hochtief dementiert wurde. Nach Angaben eines Sprechers hat der Konzern keine Beschlüsse zu einem Personalabbau gefasst. Die laufende Analyse des Europageschäfts sei noch nicht abgeschlossen. „Es gibt erst recht keine Beschlüsse in irgendeine Richtung“, teilte er am Montag mit.

Der Job-Abbau sei im Vorstand in den vergangenen Wochen diskutiert worden, heißt es unterdessen in dem Bericht des Magazins. Jedoch seien die Maßnahmen zwischen dem deutschen Management und ACS umstritten gewesen. Der größte deutsche Baukonzern beschäftigt in Deutschland rund 10.000 Mitarbeiter.


Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler, machte wirtschaftliche Zwänge des hoch verschuldeten Großaktionärs für den angekündigten Führungswechsel verantwortlich. Damit zeige ACS nun „sein wahres Gesicht“, sagte Tüngler den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe. „Wir haben schon immer befürchtet, dass das passieren könnte.“

Der DSW-Hauptgeschäftsführer warnte davor, eine Strategie über die Köpfe der freien Aktionäre hinweg zu führen. Analyst Marc Nettelbeck von der DZ Bank verwies auf eine anhaltende Unsicherheit über die künftige Strategie des vorgeschlagenen neuen Hochtief-Chefs. Eine Zerschlagung des Baukonzerns sei allerdings schwierig, da sie vermutlich Vereinbarungen brechen würde. Diese habe Hochtief Ende 2010 mit circa 160 Banken geschlossen. Da ihre Verletzung eine Neuverhandlung der gesamten Konzernfinanzierung nach sich ziehen würde, stellten sie sei eine starke Schutzmaßnahme dar.

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