Medizintechnik
Mögliche Linde-Übernahme schockt Anleger

Linde will offenbar den Hersteller von Sauerstoffgeräten Lincare in den USA übernehmen. Das Unternehmen ist für Linde strategisch wichtig. Doch die Anleger sind nicht erfreut über die Nachricht.
  • 0

FrankfurtSpekulationen um eine Milliardenübernahme in den USA haben die Aktie des Gasekonzerns Linde am Donnerstag ins Minus geschickt. Die Aktie des Münchener Unternehmens gehörte zu den größten Verlierern im Leitindex Dax, nachdem in einem Blog der „Financial Times“ berichtet wurde, Linde wolle für den Produzenten von Sauerstoff-Geräten Lincare rund 3,4 Milliarden Dollar auf den Tisch legen. Linde-Titel büßten zeitweise mehr als zwei Prozent ein, während der Dax gut ein Prozent verlor.

Im Bieterrennen um das in Clearwater in Florida ansässige Unternehmen habe Linde die Nase vorn, hieß es im Alphaville-Blog auf der Webseite der Zeitung. Der französische Linde-Rivale Air Liquide und eine namentlich nicht weiter genannte Beteiligungsfirma hätten ebenfalls Interesse. Als Beraterbanken seien Rothschild und Lazard engagiert. Sowohl Linde als auch Air Liquide lehnten eine Stellungnahme zu dem Bericht ab.
Die Lincare-Aktie reagierte, die Titel kletterten nach Erscheinen des Blogs zeitweise um mehr als 30 Prozent. In dem Blog war von einem Kaufpreis von 40 Dollar je Aktie oder mehr die Rede - am Mittwochabend waren Lincare-Aktien bei 31,17 Dollar aus dem Handel gegangen.

Nach Einschätzung von Analysten der DZ Bank könnte Linde die Übernahme aus seinem Cash Flow und durch zusätzliche Schulden finanzieren. „Allerdings kann eine Kapitalerhöhung nicht ausgeschlossen werden“, hieß es in einem Kurzkommentar des Bankhauses. Linde hatte 2011 seine Nettofinanzschulden um fast eine halbe Milliarde Euro auf 5,09 Milliarden Euro gesenkt.

Lincare versorgt in den USA-Atemwegspatienten mit Sauerstoff-Geräten und Zerstäubern und konkurriert dort mit Firmen wie der in Kalifornien ansässigen Apria Healthcare. Für Linde-Chef Wolfgang Reitzle ist das Geschäft mit medizinischen Gasen und Dienstleistungen eines der Wachstumsfelder neben dem klassischen Geschäft mit Industriegasen.

Erst vor wenigen Monaten hatte Linde für rund 590 Millionen Euro vom US-Wettbewerber Air Products das Geschäft mit Beatmungs- und Schlaftherapien in verschiedenen europäischen Ländern übernommen. Reitzle hatte zudem auf der Hauptversammlung weitere Zukäufe im Healthcare-Geschäft in Aussicht gestellt. Solche Zukäufe würden aber stets eine beherrschbare Größe haben, sagte er.

Das Geschäft mit medizinischem Sauerstoff und der Versorgung von Atemwegspatienten gilt in der Branche als attraktiv. Es wirft häufig eine höhere Rendite ab als das Geschäft mit der Versorgung großer Industriekunden. Auch die französische Air Liquide ist auf der Suche nach Zukäufen in diesem Feld. Erst unlängst hatte der Rivale angekündigt, die Mehrheit an der börsennotierten Firma LVL Medical zu übernehmen, die Atemwegserkrankte zu Hause mit Sauerstoff-Therapien versorgt. Air Liquide ist derzeit im Geschäft mit Medizingasen und entsprechenden Gesundheitsdiensten weltweit die Nummer eins, Linde die Nummer zwei.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Medizintechnik: Mögliche Linde-Übernahme schockt Anleger"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%