Mehr als nur ein Imageverlust
Postbank: Abstieg in die zweite Liga droht

Es ist der 18. September 2006, als eine schier traumhafte Unternehmensgeschichte ihre Krönung findet: Die Postbank steigt in den Dax auf, in dem Olymp der 30 wichtigsten deutschen Aktienwerte. Der damalige Postchef Klaus Zumwinkel begrüßt seine Konzerntochter "in der ersten Liga".

FRANKFURT. Acht Jahre ist es da erst her, dass die Post die auf Kleinkunden spezialisierte Bank vom Bund zurückgekauft und vieles modernisiert hat. Schon der Börsengang 2004 wurde gefeiert - und nun die erste Liga für eine Bank aus der Finanzprovinz Bonn. Ein Traum wird war.

Ausgeträumt. Keine zweieinhalb Jahre später steht der Abstieg aus dem Olymp an. Es müssten schon Kurswunder geschehen, wenn die Postbank bei der nächsten Überprüfung am 4. März nicht aus dem Dax fliegen würde - so weit abgeschlagen liegt sie mit ihrer Marktkapitalisierung hinter anderen Kandidaten.

Abschreibungen und Verluste, unsichere Aussichten und schließlich eine Kapitalerhöhung - das ist die Mischung, die die Aktie von noch über 60 Euro im Juni im Herbst erstmals unter ihren Ausgabekurs von 28,50 Euro und weiter, und weiter, und weiter absacken lässt. Gerade 9,60 Euro ist das Postbank-Papier derzeit noch wert.

Dass andere Bankaktien ähnliche Kursverluste hatten, kann die Bonner bei ihrem Rauswurf aus dem Börsenolymp kaum trösten. Auch nicht, dass die Commerzbank in der nächsten Runde folgen könnte, wenn der Wertverfall der Bankaktien weitergeht.

Der Abstieg in die zweite Liga bringt einen Imageverlust mit sich. Analysten einiger ausländischer Häuser etwa decken nur die Dax-Werte ab und werden ihr Interesse an der Bank verlieren. Zum anderen werden den Dax nachbildende Fonds die Postbankaktie verkaufen - tun es vielleicht schon jetzt, weil die Wahrscheinlichkeit des Abstiegs so groß geworden ist. Und auch bei manch aktiv gemanagten Fonds schauen die Manager zunächst einmal auf die Dax-Werte.

Die Welt bricht damit nicht zusammen für die ehemaligen Postscheckämter, das Geschäft läuft weiter. Aber es gibt angenehmere Nachrichten im Jahr des 100. Firmenjubiläums. Und irgendwie fühlt es sich auch so symbolisch an - wie ein Wendepunkt in der Geschichte der Bank. Wie der Anfang vom Ende der - in Finanzsachen von der Konzernmutter Post unabhängigen - deutschen Großbank Postbank.

Kurz vor dem wahrscheinlichen Dax-Rauswurf wird die Deutsche Bank ihre 22,9 Prozent an den Bonnern übernehmen, im März werden erste Kooperationen verkündet. Spätestens in drei Jahren fällt dann die Aktienmehrheit an die Deutsche Bank. Da passt der Dax-Abstieg fast schon in den Instituts-Zeitgeist.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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