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Meist schlagen die Märkte die Analysten

Aus dem Vorwurf, übertrieben optimistisch gewesen zu sein, haben die Analysten ihre Konsequenzen gezogen. In diesem Jahr waren sie pessimistisch – zu pessimistisch, wie sich jetzt herausstellt. Die Börsenprofis malten die Lage der Unternehmen noch in düsteren Farben, als die Börse schon lange den Aufschwung signalisierte. Damit wird ein Trend offenbar, den die Investmentbank JP Morgan auch statistisch belegt: Analystenprognosen passen sich langsamer an veränderte Rahmenbedingungen an als die Märkte. Während der Rückstand in den USA eher gering ausfällt, sind die Börsen in Europa den Analysten oft mehr als ein halbes Jahr voraus.

DÜSSELDORF. „Gewinnprognosen geben häufig keinen Anhaltspunkt für die künftige Richtung der Märkte “, sagt Globalstratege Mislav Matejka von JP Morgan in London, „sie zeigen dem Investor allenfalls, was in die Kurse schon eingepreist ist.“ Der Investor müsse dann selbst entscheiden, ob er die Annahmen für realistisch und eine Aktie für billig oder teuer halte.

Die herkömmliche Sicht, dass Gewinnschätzungen die Entscheidungen der Investoren beeinflussen und damit die Kurse bewegen, ist damit auf den Kopf gestellt. Besonders während einer zyklischen Wende seien Vorhersagen schwierig und die Märkte oft schneller, fand das JP-Morgan-Team heraus. So ist etwa die Siemens-Aktie seit März im Aufwärtstrend. Die Analysten haben jedoch ihre Prognosen für die künftige Gewinnentwicklung des Konzerns bis zum August nach unten revidiert und erst dann angehoben.

Die JP-Morgan-Statistiken belegen, dass die Gewinnprognosen in Europa durchschnittlich mit einer Zeitverzögerung von neun Monaten hinter den Signalen der Märkte herhinken. Das liege vor allem daran, dass europäische Unternehmen sich bei der Veröffentlichung ihrer Zahlen häufig nicht so streng an den Quartalsrhythmus hielten wie die Amerikaner. „Ein Großteil der in die durchschnittlichen Gewinnprognosen eingehenden Schätzungen ist damit altbacken“, sagt Matejka und fügt hinzu: „Die besten Analysten haben einen besonders guten Zugang zu den Unternehmensinformationen und beziehen auch ihren Sinn für Marktentwicklungen stärker mit ein.“

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