Merck-Vorstände nutzen Kurssturz zum Kauf
Insider sind vorsichtig

Deutschlands Top-Manager kaufen noch Aktien, aber die Anzahl der Transaktionen hält sich in Grenzen.

FRANKFURT. Nur 25 Käufe von Insidern gab es in den vergangenen beiden Wochen nach Daten der Bundesanstalt für Dienstleistungsaufsicht (BaFin), an die Unternehmen Käufe von Vorständen, Aufsichtsräten und deren Angehörigen melden müssen. Das sind nur wenige mehr als in den beiden Vorwochen, in denen es nur 21 Käufe und damit so wenige wie seit fast zweieinhalb Jahren nicht mehr gab. Den Käufen standen aber auch nur sechs Verkäufe gegenüber.

"Wir sehen eine deutliche Zurückhaltung der Insider, das muss aber nicht unbedingt das Misstrauen der Top-Manager ausdrücken", sagt Olaf Stotz, Professor an der Frankfurt School of Finance. In der Ferienzeit würden die Top-Manager ihre Aktiendepots weniger als sonst umschichten.

Insgesamt hat sich das aus den Käufen und Verkäufen abgeleitete Insider-Barometer zuletzt kaum verändert. Mit einem Stand von knapp 106 Punkten notiert es weiter im neutralen Bereich, der auf Sicht von drei Monaten eine Seitwärtsbewegung der Aktien signalisiert. Das Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) berechnet das Insider-Barometer mit den Strategen von Commerzbank Wealth Management regelmäßig für das Handelsblatt.

In der jüngsten Zeit sind nach Ansicht von Finanzmarktforscher Professor Stotz vor allem die Einzel-Transaktionen für die Anleger interessant, die aus den Insider-Deals eigene Kaufentscheidungen ableiten wollen. Dazu gehören die Käufe beim Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck. Die Aktie des Dax-Konzerns war am 24. Juli um rund 15 Prozent auf 62,62 Euro abgestürzt. Auslöser dafür war neben schwächer als erwarteten Quartalsergebnissen vor allem die überraschende Entscheidung der europäischen Arzneimittelbehörde Emea, sich gegen die Zulassung des Merck-Lungenkrebsmittels "Erbitux" auszusprechen. Als die Aktie darauf hin in den Keller rauschte, griffen Merck-Vorstandschef Karl-Ludwig Kley und Chemiechef Bernd Reckmann zu. Kley kaufte 770 Aktien zu 64,96 Euro und Reckmann 800 Aktien zu 64,50 Euro. Kley und Reckmann seien offenbar von den langfristigen Aussichten von Merck überzeugt, meint Professor Stotz.

Analysten sehen die Aktie dagegen kritisch. Sie stuften das Kursziel gleich reihenweise herab, das niedrigste mit 59 Euro gab es dabei von JP Morgan. Auch die Analysten von Commerzbank Wealth Management sind skeptisch: "Erbitrux" stehe für ein erwartetes Umsatzpotenzial von rund 300 Mio. Euro und etwa zehn Prozent des Gewinns je Aktie. Merck gibt sich indes noch nicht geschlagen und beantragte am Freitag eine Überprüfung des Emea-Urteils.

Die größten Käufe gab es in den vergangenen beiden Wochen beim Maschinenhersteller Homag. Der Vorsitzende des Ehrenaufsichtsrates Gerhard Schuler und Mareike Hengel - die Frau des Aufsichtsrates Ralf Hengel - kauften Homag-Aktien über insgesamt knapp 365 000 Euro. Zuvor hatte Homag den bisher im Vorstand für das Beteiligungsmanagement zuständigen Rolf Knoll zum Vorstandssprecher ernannt.

Die größten Verkäufe gab es mit 11,2 Mio. Euro bei Heidelberg Cement durch Spohn Cement und Schwenk Beteiligungen. Anfang des Monats hatten Insider schon Aktien für 93,6 Mio. Euro verkauft. Dies ist laut Professor Stotz aber kein Misstrauensvotum für das Unternehmen, das im zweiten Quartal den Ertragsverfall bremste. 50 Banken hatten dem Baustoffkonzern im Juni einen zweijährigen Konsortialkredit gewährt. Eine Bedingung dafür ist, das Heidelberg Cement die Verschuldung senkt. Die Hauptaktionäre brauchen deshalb Geld. Die Merckle Gruppe hält über Töchter wie die Spohn Cement 72 Prozent der Aktien. Die Schwenk Beteiligungs GmbH ist mit 6,9 Prozent beteiligt. Eduard Schleicher, persönlich haftender Gesellschafter bei Schwenk, ist Mitglied im Heidelberg-Cement- Aufsichtsrat.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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