Mexikanischer Medienriese profitiert vom Boom bei Daily-Soaps
Televisa beeindruckt die Analysten

Wer in Mexiko den Fernseher einschaltet, kommt an Televisa kaum vorbei. Auf vier landesweiten und Dutzenden regionalen Kanälen versorgt der größte Sender des Landes die Bevölkerung mit Daily-Soaps, Reality-Shows, Fußball und in homöopathischen Dosen Infotainment.

MEXIKO-STADT. Vor allem die täglich bis zu fünf Stunden Telenovelas, wie die Daily-Soaps im spanischen Sprachraum genannt werden, bescheren Televisa hohe Einschaltquote und damit sprudelnde Werbeeinnahmen. Und da die Produktionskosten für die ohne viel Aufwand gedrehten Schmonzetten gering sind, ist der Verdienst hervorragend.

So stieg der Umsatz der Grupo Televisa im vierten Quartal 2003 im Vergleich zum vergleichbaren Vorjahresquartal um 6,2 % auf 7,02 Mrd. Peso (rund 640 Mill. Dollar). Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (Ebitda) lag dabei mit 2,3 Mrd. Peso (rund 210 Mill. Dollar) um fast 14 % höher als im vierten Quartal 2003. Getragen wurde das Umsatzplus vor allem von erhöhten Einnahmen im werbefinanzierten Fernsehen. „Das ist ein Indiz für das Anziehen der Werbeausgaben der Unternehmen“, sagt Medienanalyst Manuel Jiménez vom mexikanischen Investmenthaus Vector.

Für das Jahr 2003 hat das Unternehmen nach Ansicht der Investmentbanken trotz mageren Wirtschaftswachstums in Mexiko gut verdient. Zwar stieg der Umsatz nur gering auf knapp 2,1 Mrd. Dollar. Aber vor allem durch Kostensenkungen konnte das Ebitda um 15 % auf rund 524 Mrd. Dollar gesteigert werden, wie Jorge Lagunas, Branchenexperte beim Bankhaus Interacciones, sagt. Die Anleger honorierten das. Im vergangenen Jahr legte die Aktie in New York um rund 40 % zu.

Televisa erwirtschaftet mehr als 80 % seiner Erlöse auf dem Heimatmarkt. In Mexiko hält der Sender gut 60 % des Marktes, 35 % entfallen auf den Konkurrenten TV Azteca. Mit seinem seichten Programm hat sich Televisa nicht nur zum größten spanischsprachigen Medienunternehmen gemausert, sondern auch zum weltweit größten Exporteur von Telenovelas. Heute verkauft die TV-Fabrik ihre Sendungen in über 50 Staaten auf der ganzen Welt – in Deutschland beispielsweise an RTL 2. „Sichere Einnahmen ohne Zusatzkosten“, sagt Lagunas. Schätzungen zufolge erlöst Televisa jährlich rund 100 Mill. Dollar mit dem Verkauf der Seifenopern.

Insgesamt stammen zwei Drittel der Einnahmen in der Gruppe aus dem werbefinanzierten Fernsehen. Der Rest wird mit Verlagen, Beteiligungen am Kabelfernsehen, Pressevertrieb und Produktionen für Pay-TV erwirtschaftet. Aber das Familienunternehmen mit über 12 000 Mitarbeitern, das der 36 Jahre alte Emilio Azcárraga in dritter Generation führt, hat auch in branchenfremde Sektoren investiert. Televisa gehören zwei Erstliga-Fußballclubs, außerdem ist die Gruppe Eigentümerin des Aztekenstadion, der größten Fußballarena der Welt.

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