Microsoft-Aktie bricht ein
„Der größte Fehlschuss jemals“

Microsoft schockiert die Börse: Die Zahlen enttäuschen alle Erwartungen. Ein neues Produkt entpuppt sich als Flop. Analysten sind entsetzt. Anleger stoßen die Aktie ab. Der Kurs knickt ein.
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Seattle, DüsseldorfEs ist der größte Einbruch seit Jahren: Die Aktie von Microsoft fällt am Freitag um zehn Prozent auf 31,91 Dollar. Damit reagieren die Anleger auf die enttäuschenden Zahlen, die das Unternehmen gestern nach Börsenschluss veröffentlicht hatte. Der Computerkonzern kämpft gleich mit mehreren Problemen: Zum einen bricht das Geschäft mit klassischen PCs ein, verkaufen zum anderen sich neue Geräte schlecht.

Ein Produkt, das eigentlich zum Hoffnungsträger entwickeln sollte, stellt sich als Flop heraus: das Surface-Tablet. Im vierten Geschäftsquartal (per Ende Juni) musste Microsoft 900 Millionen Dollar auf die unverkauften Bestände seines Tablets abschreiben. Das Gerät ist zeitgleich mit dem Betriebssystem Windows 8 im Oktober eingeführt worden. Es erweist sich trotz drastischer Preissenkungen als Ladenhüter, während Produkte der Konkurrenz massenhaft gekauft werden. Zum Vergleich: Apple hat bereits im Mai 2010 mit dem iPad dem Tablet zum Durchbruch verholfen.

„Soweit ich mich erinnern kann, ist das der größte Fehlschuss, den wir jemals bei Microsoft erlebt haben. Es sieht aus, als sei alles schwach gewesen“, sagte Analyst Brendan Barnicle von der Investmentbank Pacific Crest Securities.

Im abgelaufenen Quartal sank der operative Gewinn um 24 Prozent. Der US-Konzern verdiente unter dem Strich 59 Cent je Aktie. Analysten hatten Microsoft hier 75 Cent pro Anteilsschein zugetraut. Die Zwischenbilanz sei schwach ausgefallen und habe die Erwartungen des Marktes verfehlt, schrieb Ross MacMillan vom Analysehaus Jefferies in einer Studie. Der Experte senkte seine Gewinnschätzungen für das Geschäftsjahr 2014.

Im weiteren Jahresverlauf muss Microsoft unter Beweis stellen, dass es den Abwärtstrend stoppen kann. Vor allem muss das Unternehmen den Rückstand gegenüber Apple und Google bei mobilen Geräten aufholen. „Wir wissen, dass wir besser werden müssen“, sagte Finanzchefin Amy Hood, die erst seit Mai im Amt ist.

Es stehen viele Veränderungen an: Der Konzern will sich komplett umstrukturieren und eine aktualisierte Version von Windows 8 auf den Markt bringen, die die vor allem für berührungsempfindliche Computer programmierte Software wieder stärker für alle Geräte öffnet. Zwar verkaufte Microsoft bereits mehr als 100 Millionen Windows-8-Lizenzen, doch konnte das Betriebssystem damit nicht die hohen Erwartungen erfüllen. Vor allem dank eines guten Absatzes der Büro-Software Office stiegen die Konzernerlöse um zehn Prozent auf 19,9 Milliarden Dollar. Der Markt hatte sich allerdings auf 20,7 Milliarden Dollar eingestellt.

Microsoft-Chef Steve Ballmer hatte erst in der vergangenen Woche den größten Konzernumbau seit fünf Jahren angekündigt. Produkte und Dienstleistungen sollen künftig im Mittelpunkt stehen, Programme schneller an die Kunden gebracht werden. Die Ankündigung lässt vermuten, dass sich Microsoft stärker auf das - mit Ausnahme der Spielekonsole Xbox - bisher nicht sehr erfolgreiche Hardware-Geschäft konzentrieren will.

Das Unternehmen macht nach wie vor den Großteil seines Umsatzes mit Software. Neun von zehn herkömmliche Computer laufen mit Windows. Da jedoch immer weniger davon verkauft werden, setzt Microsoft zwangsläufig weniger Betriebssysteme ab und hat bisher noch keine entsprechend große neue Einnahmequelle gefunden. Der PC-Absatz war in den vergangenen Quartalen um jeweils mehr als zehn Prozent abgestürzt.

Für die Aktionäre gibt es noch keinen Grund, die Nerven zu verlieren. Trotz des heftigen Verlust am heutigen Tag gehört das Papier mit einem Plus von 32 Prozent zu den Gewinnern in diesem Jahr. Der S&P-Index hat rund 19 Prozent zugelegt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter

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  • Linux? Was soll ich damit? Das Arbeiten einstellen? Meine wichtigsten Programme gibt's nur für Windows. Linux ist und bleibt, außer im Serverbereich, bedeutungslos. Marktanteil um die 1%, zerfleddert auf ein dutzend verschiedene Ausgaben.

    Aber zu Windows 8. Was dieses OS sollte, habe ich nie verstanden. Entweder man optimiert auf PC (bitte ohne den Klickibunti-Kachel-Schwachsinn, der aussieht, wie im Kindergarten für Kinder entworfen, und mit vollwertigem Startmenü) *oder* auf Tablet, wobei Tablets für mich als Vielschreiber und professioneller Anwender im Bereich Imaging ein absolutes No Go sind.
    Ein PC ist zum Arbeiten da. Irgendwelche "Spaß"- und "Design"-Elemente brauche ich nicht. Wichtiger als irgend welche, nutzlose Apps ist z.B., daß ich den Comp auf "mittleres Neutralgrau" einstellen kann (Rahmen, Bildlaufleisten etc. pp.), weil alles andere es schwierig macht, Bilder korrekt zu beurteilen!
    "Neu" ist nicht immer gleichbedeutend mit "besser", sondern manchmal eben auch mit "schlechter"!

  • Was jammert Ihr hier!

    Ihr könnt FREIWILLIG auf das kostenlose LINUX umsteigen, seid Ihr zu faul oder zu doof?!

    LINUX ist machbar, Herr Nachbar!

    Nur Mut!!!

  • Was heute passiert, wurde bereits vor 12 bis 15 Monaten in vielen Fachforen im Internet prophezeit. Windows 8 mit seiner unzumutbar schlechten und unkomfortablen Benutzeroberfläche, die ohne Rücksicht auf die Kunden ohne Alternativen in den Markt gedrückt wurde, hat jetzt seinen ersten großen Flop erreicht. Das Surface RT setzt auf eine abgespeckte Form von Windows 8, das alles Schlechte von Windows 8 vereint und dabei auf alles Gute von Windows verzichtet: Man kann in Windows RT keine normalen Windows Programme nutzen und keine Desktop Software installieren. Seit einem Jahr wurstelt Microsoft mit Gewalt am Markt vorbei, irgendwann muss ja die Quittung kommen. Aber mit dem NSA Problem und der XBOX ONE sind jetzt auch alle anderen Geschäftsfelder in Gefahr! Meine Prognose für Microsoft: Wenn sich nichts ändert, geht es weiter bergab!

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