Milliardenverluste
Bankaktien brechen ein

Mit einer überraschenden Verlustankündigung hat die Deutsche Bank die Anleger geschockt. Die Titel des größten deutschen Geldhauses sacken ab. Eine schnelle Übernahme der Postbank scheint nun fraglich. Die Aktie der Postbank verliert fast zwanzig Prozent. Auch andere europäische Bankwerte stürzen ab.

HB FRANKFURT. Die Deutsche Bank ist durch einen Verlust im vierten Quartal in Höhe von 4,8 Milliarden Euro auch im Gesamtjahr tief in die roten Zahlen gerutscht. Für 2008 gehe das Institut nach vorläufigen Berechnungen von einem Verlust nach Steuern von 3,9 Milliarden Euro aus.

In Reaktion auf den unerwartet hohen Verlust ist die Aktie eingebrochen. Die Titel fielen in der Spitze um rund zwölf Prozent auf 21,46 Euro. "Das ist schon knackig", kommentierte ein Händler. "Ein Verlust war ja erwartet worden, aber wohl eher in der Region um eine Milliarde und nicht um vier Mrd. Euro", sagte ein anderer Börsianer. "Es ist unglaublich, wie lange hier gute Miene zum bösen Spiel gemacht wurde. Das Vertrauen dürfte erstmal weg sein", ereiferte sich ein weiterer.

Auch die Papiere der Postbank gerieten unter Druck. Die Aktie fiel zeitweise um 18 Prozent. Bei 11,85 Euro markierten die Titel ein neues Rekordtief. Am Dienstag hatten die Postbank-Aktien noch 11,7 Prozent gewonnen, weil sich eine Einigung über die endgültigen Details des Verkaufs des Instituts durch die Post an die Deutsche Bank abzeichnete. Wie nun bekannt wurde, könnte die Übernahme allerdings länger dauern als gedacht.

In einem ersten Schritt wird die Deutsche Bank einen Anteil von 22,9 Prozent an der Postbank erwerben. Zeitgleich zeichnet die Deutsche Bank eine Pflichtumtauschanleihe über weitere 27,4 Prozent der Postbank-Aktien: Das heißt, sie zahlt die Anteile zum Zeitpunkt des Closings, erhält sie aber erst nach Ablauf von drei Jahren, wenn die Anleihe in Postbank-Aktien getauscht wird. "Damit ist die Fantasie auf eine schnelle Übernahme und ein Pflichtangebot an die freien Aktionäre raus", kommentierte ein Händler.

Auch an den anderen europäischen Marktplätzen gehörten Bankaktien zu den großen Verlierern. Im Leitindex der Euro-Zone, dem Euro-Stoxx-50 gaben die Titel von Société Générale, BNP Paribas, Banco Santander, Unicredit, BBVA und Credit Agricole zwischen drei und 6,5 Prozent nach. In London verloren die Aktien von HSBC, die von Gerüchten über eine Kapitalerhöhung zusätzlich belastet wurden, fast acht Prozent, Barclays-Papiere fielen um fast sieben Prozent, nachdem die Bank mitgeteilt hatte, mehr als 2000 Stellen zu streichen. Im Schweizer SMI-Index sackten die Aktien von Credit Suisse um mehr als sechs Prozent ab, während sich die UBS mit einem Minus von gut zwei Prozent noch vergleichsweise gut hielt.

Für zusätzlichen Verkaufsdruck auf Bankenaktien sorgte eine Studie von JP Morgan. Die Analysten der US-Bank senkten ihre Kursziele für eine Reihe europäischer Institute. Unter anderem nahmen sie ihre Zielmarke für die Deutsche Bank von 51 auf 35 Euro zurück. Weitere Restrukturierungen seien für europäische Investmentbanken unvermeidlich, schrieb Analyst Kian Abouhossein in einer aktuellen Branchenstudie vom Mittwoch. Gleichwohl bevorzugt Abouhossein unter anderem aufgrund höherer Flexibilität bei der Kostenanpassung die Investmentbanken gegenüber Privatkundenbanken. In seiner Rangordnung belege die Credit Suisse den ersten Platz, gefolgt von der UBS und der Deutschen Bank.

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