Mischkonzern
Mytilineos setzt auf Stromgeschäft

Viele Analysten halten den griechischen Mischkonzern Mytilineos für attraktiv bewertet. Der Konzern will sich als neuer Stromversorger positionieren. Ein Geschäft, dass sich in Griechenland lohnt.

ATHEN. Zahlreiche Stromausfälle während der jüngsten Hitzewelle in Griechenland haben es wieder einmal demonstriert: das Land hat hohen Investitionsbedarf im Energiesektor. Allein in diesem Jahr sollen fünf private Kraftwerke mit einem Volumen von rund einer Mrd. Euro errichtet werden. Als neuer Stromversorger will sich der bisher vorwiegend im Hüttenwesen, der Metallverarbeitung und im Rüstungssektor tätige Mischkonzern Mytilineos Holdings positionieren. Viele Analysten empfehlen vor diesem Hintergrund die auch in Deutschland gehandelte Aktie des Unternehmens zum Kauf.

Mytilineos will im 3.Quartal des laufenden Jahres mit einem 334-Megawatt-Kraftwerk ans griechische Netz gehen, ein Erdgaskraftwerk mit 430 Megawatt Leistung soll 2009 folgen. Außerdem hat Mytilinieos eine Lizenz für eine 600 Megawatt-Kohlekraftwerk beantragt.

Im April gab Mytilineos die Gründung eines Joint Ventures mit dem spanischen Versorger Endesa bekannt. Das neue Unternehmen wird Endesa Hellas heißen. Der griechische Konzern bringt seine Energieaktiva und bereits erworbene Konzessionen ein und wird im Gegenzug 49,99 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen halten, Endesa zahlt für 50,01 Prozent 600 Mill. in bar. Das Joint Venture soll 2008 stehen. Läuft alles wie geplant, könnte das Gemeinschaftsunternehmen voraussichtlich im Herbst 2010 an die Börse gehen, kündigte Mytilineos-CEO Evangelos Mytilineos kürzlich an.

Der Mischkonzern hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2015 16 Prozent des griechischen Strommarktes zu kontrollieren. Diesen Marktanteil will das Unternehmen mit Wärmekraftwerken von 1500 Megawatt Leistung und erneuerbaren Energiequellen von 500 MW erreichen. „Mytilineos hat es innerhalb kurzer Zeit geschafft, sich im deregulierten griechischen Energiemarkt sehr gut zu positionieren“, zollt Andreas Kontogouris, der beim Athener Brokerhaus P&K Securities institutionelle Anleger betreut, der Leistung des Unternehmens Respekt. Überdies habe sich der Mischkonzern mit der Anwerbung hochkarätiger Manager und strategischen Akquisitionen wie der Übernahme des Metallverarbeiters, Kraftwerksbauers und Rüstungsunternehmens Metka im Jahr 1999 sowie des Aluminiumherstellers Aluminium of Greece 2005 „einen wichtigen Vorsprung in der Region“ verschafft, sagt Kontogouris.

P&K-Analyst Kostas Ntounas hält die Mytilineos-Aktie noch für unterbewertet, obwohl das Papier mit einem Kursanstieg von rund 20 Prozent seit Jahresbeginn den Athener Leitindex ASE-General bereits um mehr als sieben Prozent hinter sich ließ. Mit dem 10,2-fachen des für 2008 geschätzten Gewinns sei die Aktie „attraktiv bewertet“, sagt Ntounas. Er rät Anlegern dazu, die Aktie des Unternehmens, das zu 37 Prozent im Familienbesitz ist, überzugewichten. Das Kursziel für das Papier setzt er bei 43 Euro an. Mytilineos meldete für 2006 einen Gewinn im laufenden Geschäft (Ebitda) von 188,3 Mill. Euro. Analysten rechnen für 2008 mit 242 und für 2009 mit 259 Mill. Gewinn. Die Energie-Aktiva der Holding bewertet P&K-Analyst mit 600 Mill. Euro. „Dabei haben wird die künftige Wertschöpfung aus dem Joint Venture mit Endesa und Synergien aus der Integration von Aluminium of Greece, die Ende des Jahres abgeschlossen sein soll, noch gar nicht berücksichtigt“, unterstreicht Ntounas.

Großes Potenzial sehen Analysten auf dem griechischen Markt vor allem im Bereich der erneuerbaren Energien. Bisher decken sie erst etwa zehn Prozent des Stromverbrauchs. Nach den EU-Vorgaben soll sich der Anteil bis 2010 auf 20,1 Prozent erhöhen.

Attraktiv ist dieser Sektor in Griechenland für Investoren wegen der hohen Zuschüsse und langfristig festgelegten Einspeisungsentgelte. Gemeinsam mit dem neuen Partner Endesa will Mytilineos aber auch in benachbarte Energiemärkte wie die Türkei, Bulgarien, Mazedonien, Zypern und Albanien expandieren, die ebenfalls vor hohem Investitionsbedarf im Kraftwerkssektor stehen und überdies teils deutlich höhere Profitmargen bieten als der griechische Markt.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa
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