Mischkonzern spürt in einigen Bereichen kräftigen Gegenwin
General Electric spaltet das Lager der Analysten

Für seine unglückliche Informationspolitik musste der Mischkonzern General Electric (GE) in der vergangenen Woche teuer bezahlen: Lediglich auf der Internetseite und nicht etwa per Presseerklärung hatte das Unternehmen die Anleger und Analysten darüber informiert, dass die Bestellungen in der Kunststoffsparte im Mai um fast 20 % zurückgegangen waren.

NEW YORK. Bereits am nächsten Tag bestätigte Finanzchef Keith Sherin zwar die Unternehmensprognose für das zweite Quartal und das laufende Gesamtjahr – doch das Kind war schon in den Brunnen gefallen.

Zahlreiche Analystenteams führender US-Banken hatten ihre Gewinnschätzungen bereits gekürzt, darunter Credit Suisse First Boston (CSFB), Banc of America, Deutsche Bank, J.P. Morgan und Merrill Lynch. „Die neuen Zahlen legen die Vermutung nahe, dass unsere Wachstumsthesen nur schwer zu erreichen sein dürften“, sagt John Inch von Merrill Lynch. In der Folge rutschte die Aktie auf etwa 29 Dollar, nachdem sie noch in den ersten Juniwochen Kurs auf die Jahreshöchstwerte vom vergangenen August genommen hatte. Zurzeit notiert sie rund sieben Prozent tiefer als vor zwei Wochen.

Schuld an den Problemen im Kunststoffbereich sind einerseits externe Schwierigkeiten wie die international schwache Nachfrage und die gestiegenen Ölpreise. „In den USA lässt sich wahrscheinlich ein großer Teil des Rückgangs auf die reduzierte Autoproduktion zurückführen, während in Europa und Asien die schwache Nachfrage durch Geschäftskunden und Endverbraucher schwerer wiegt“, sagt John Inch. Doch auch die Unternehmensleitung muss sich Kritik von Expertenseite gefallen lassen: „Offenbar ist GE erst vor kurzem klar geworden, dass sich die Vertriebskanäle nicht allein mit Nullzins-Angeboten und günstigen Finanzierungsmodellen leeren lassen“, sagt Nicholas Heymann von Prudential Securities. Auch CSFB-Analyst Michael Regan bemängelt in einer Unternehmensstudie „den Mangel an Eigendynamik im zweiten Quartal und eine verschlechterte Prognosefähigkeit seitens GE für die zweite Jahreshälfte.“

Gute Nachrichten meldet dagegen der Fernsehbereich des Mischkonzerns aus dem Bundesstaat Connecticut. Denn das Sendernetz profitiert gegenwärtig gegen den Branchentrend von soliden Anzeigenverkäufen: Vorzeigekanal NBC erreichte in der vergangenen Saison eine Schlüsselstellung in der heiß umkämpften Altersgruppe der 18- bis 49-Jährigen und konnte bislang für die neue Saison ab Herbst bereits Werbeverträge für mehr als 4,6 Mrd. Dollar abschließen. Dazu sicherte sich der Sender die Übertragungsrechte für die olympischen Sommerspiele im kommenden Jahr. „Dass GE seine Prognose von 38 Cent für das zweite Quartal erreichen wird, verdankt der Konzern unter anderem seiner Fernsehtochter NBC und ihrem Wachstum, das besser ausfallen wird als erwartet“, sagt John Inch. „Zusammen mit dem Energiegeschäft sollte dieser Bereich sämtliche Defizite ausgleichen können.“ Nicholas Heymann zeigt sich noch optimistischer: „Die meisten Anleger rechnen zurzeit damit, dass GE auf einer Linie oder nur leicht oberhalb vom breiten S&P-500-Index liegen wird. Aber wir sind der Ansicht, dass GE in den kommenden beiden Quartalen in zunehmendem Maß den Markt deutlich übertrifft.“

Doch viele Analysten äußern sich zurückhaltender. „GE bleibt eine der besten Firmen am Markt, aber wir erwarten, dass der Gewinnzuwachs hier langsamer wieder in Schwung kommt als bei anderen Namen in unserem Berichterstattungsgebiet“, kommentiert Regan, der die Aktie neutral bewertet und das Zwölfmonats-Kursziel auf 30 Dollar ansetzt – was im Vergleich zum aktuellen Niveau ein Plus von gerade mal drei Prozent bedeuten würde. „Das Unternehmen wird bis 2004 noch Gegenwind in der Energie- sparte zu spüren bekommen und in der kommerziellen Luftfahrt sogar bis 2006. Zwar verschlimmert sich die Lage der Weltwirtschaft momentan nicht mehr, aber wir sehen auch bisher noch keine Zeichen einer Erholung.“

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