Mitsubishi und der Betrug
Die nächste Aktie im freien Fall

Die Abgas-Manipulation sorgt für einen Crash der Mitsubishi-Aktien. Auch heute wollen Anleger ihre Papiere verkaufen. Doch niemand nimmt ihnen ihre Aktien ab. Der Überblick über die möglichen Konsequenzen für Anleger.

TokioEine solche Panik wie bei Mitsubishi-Aktien hat Tokios Börse schon lange nicht mehr erlebt. Nachdem das Unternehmen am Mittwoch gestanden hatte, im großen Maßstab bei Verbrauchstests geschummelt zu haben, wollten die Anleger ihre Aktien abstoßen - und konnten es nicht. Niemand griff zu. An der Börse wurde der Handel mit der Mitsubishi-Aktie ausgesetzt. Am Ende des Handelstages trug die Börse daher das maximale Tagesminus von 20 Prozent in ihre Listen ein.

Damit hat die Mitsubishi-Aktie innerhalb von zwei Handelstagen ein Drittel ihres Wertes verloren. Denn schon am Vortag rauschte der Wert um 15 Prozent nach unten, nachdem Mitsubishi eine Pressekonferenz zu Unregelmäßigkeiten bei der Verbrauchsmessung angekündigte hatte. Durch die Manipulation erhielten die betroffenen Modelle eine bessere Sprit-Kategorisierung als ihnen eigentlich zugekommen wäre. So wurden schmalere Reifen als in der Serienausstattung aufgezogen und auch nicht regelkonforme Verbesserungen an der Aerodynamik vorgenommen.

Und das ist womöglich noch nicht das Ende in der neuesten Krise des krisenerfahrenen Autobauers.

Arifumi Yoshida, Analyst der Citi Research, riet seinen Kunden zum Verkauf und halbierte sein Kursziel für Mitsubishi fast auf 430 Yen. Ein Online-Aktienportal warnte in seinen Marktnews, dass die finanziellen Folgen sich auf mehrere Milliarden Euro belaufen könnten.

Noch ist das Ausmaß des Schadens allerdings Spekulation. Doch selbst, wenn das Schummeln nur auf Japan begrenzt war, ist eines klar: Dem sechstgrößten und kapitalärmsten japanischen Autobauer droht just in dem Moment ein harter Schlag, als das Unternehmen nach Jahren der Krise endlich wieder Gas geben wollte.

Derzeit geht es Mitsubishi so gut wie schon lange nicht mehr: Für das Ende März abgelaufene Bilanzjahr hoffte das Unternehmen bisher auf eine operative Gewinnmarge von 5,5 Prozent. Der Reingewinn sollte mit 800 Millionen Euro zum dritten Mal in Folge dreistellig ausfallen. Das Unternehmen sitzt auf hohen Cashreserven: Ende Dezember standen 3,9 Milliarden Euro an Bargeld und anderen flüssigen Werten in der Bilanz. Zudem verkauft das Unternehmen nur 20 Prozent seiner Autos daheim in Japan und ist damit nicht von seinem Heimatmarkt abhängig.

Dennoch warnte Kreditanalyst Hideki Matsumoto in einem Kommentar, dass die Ertragskraft des Unternehmens rapide schwinden könnte und dem Unternehmen Abwertungen seiner Kreditwürdigkeit drohen. Denn schon die absehbaren Konsequenzen der ersten Reaktionen sind alarmierend für ein Unternehmen, das nur 1,2 Millionen Autos pro Jahr absetzt. Zum Vergleich: Toyota, der weltgrößte Autobauer, verkauft pro Jahr mehr als zehn Millionen Autos.

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Milliardenschaden für den Autobauer

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