Moderate Branchenkonjunktur dämpft Wachstumstempo
Für Experten ist die Kursphantasie bei der SAP-Aktie begrenzt

Kurz vor den erwarteten Details zum zweiten Quartal des Softwarekonzerns SAP sind Analysten zuversichtlich: Der jüngste Kurssturz der Software-Aktie, der durch Gewinnwarnungen von Wettbewerbern wie Siebel und Peoplesoft ausgelöst worden war, wird ihrer Ansicht nach nur von kurzer Dauer sein. SAP habe den Abstand zur Konkurrenz weiter ausgebaut, glaubt die Mehrzahl der Experten. Allerdings sehen sie das Kurspotenzial angesichts der bereits ansehnlichen Bewertung als begrenzt.

HB DÜSSELDORF. Um dem Kurssturz entgegenzuwirken, hatte SAP vorzeitig einen Ausblick auf seine Zahlen für das zweite Quartal geben. Mit Lizenzen für seine betriebswirtschaftliche Unternehmenssoftware setzte SAP nach eigenen Angaben 495 Mill. Euro um, rund 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Lizenzgeschäft gilt in der Softwarebranche als zentraler Indikator, da die verkauften Softwarepakete die übrigen Erlöse etwa im Kundenservice beeinflussen. Den Gesamt-Quartalsumsatz beziffert das Walldorfer Unternehmen auf rund 1,78 Mrd. Euro. Das operative Ergebnis werde bei 380 bis 390 Mill. Euro liegen.

Die Aktie reagierte allerdings auf die positiven Nachrichten kaum. Knut Woller, Analyst bei der Hypo-Vereinsbank stuft die Aktie dennoch als Outperformer ein. Das Kursziel sieht er bei 150 Euro. Er ist optimistisch, dass SAP 2004 beim Lizenzgeschäft wie geplant um mindestens zehn Prozent wachsen wird – stärker als der Gesamtmarkt für Unternehmenssoftware.

Dass der Softwarekonzern seine Prognosen trotz schlechter Konjunktur und unerwartet geringer Investitionsneigung halten konnte, ist mehreren Faktoren zu verdanken. „In den USA hat SAP gegenüber Peoplesoft Marktanteile gewonnen, da der Übernahmekampf zwischen Peoplesoft und Oracle viele Kunden verunsichert“, sagt Woller. Sein Kollege Torsten Schellscheidt von der WestLB prognostiziert auch in Europa, wo SAP gut die Hälfte seines Umsatzes erzielt, ein Wachstum von rund fünf Prozent gegenüber 2003. „Seit 2000 ist dieser Markt geschrumpft. Aber jetzt hat SAP seine MySAP-Plattform eingeführt, was viele Unternehmen zum Anlass nehmen, ihre Software zu aktualisieren“.

Analyst: Spitzenposition nicht gefährdet

Dabei kommt SAP der derzeitige Trend zur Vereinheitlichung von Unternehmens-IT zu Gute. „Viele Konkurrenten bieten zwar ähnliche Plattformen an, aber SAP profitiert von seiner breiten Kundenbasis“, so Schellscheidt. Er stuft die Aktie ebenso wie Woller mit „outperform“ und Kursziel 150 ein.

SAPs Spitzenposition im Markt für Unternehmenssoftware sei kaum in Gefahr, meint auch HVB-Analyst Woller – auch nicht durch den Software-Riesen Microsoft. „Microsoft konzentriert sich auf mittelständische Kunden. Um SAP bei den Konzernkunden Konkurrenz zu machen, fehlt Microsoft das nötige Vertriebs- und Servicenetz“, meint Woller. Vom Tisch sind auch Spekulationen über eine Übernahme von SAP durch Microsoft, nachdem entsprechende Verhandlungen im Mai scheiterten.

Denkbar gilt dagegen eine Fusion mit IBM. „Mit der Beratungssparte von IBM könnten sich für SAP interessante Cross-Selling-Effekte ergeben, meint Thomas Hofmann, Analyst bei der Landesbank Rheinland- Pfalz. Dennoch hält er eine Fusion für unwahrscheinlich. „SAP ist dafür viel zu teuer“. Trotz des Kursziels, das auch Hofmann bei 150 Euro sieht, stuft er die Aktie nur mit „marketperform“ ein. Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis sei mit etwa 30 bereits sehr hoch. Die Zukunftsaussichten rechtfertigten keine weitere Kurssprünge. „SAPs Heimatmarkt Deutschland ist schon weitgehend gesättigt. In Asien bieten sich zwar noch gute Chancen, doch mit Traum-Wachstumsraten von 20 Prozent wie in den 90er Jahren ist es vorbei“.

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