Mögliche Kapitalerhöhung
K+S steht unter Zugzwang

Die Aktionäre des Düngemittelherstellers K+S wurden zuletzt nicht gerade verwöhnt. Der Aktienkurs liegt knapp 30 Prozent unter Jahreshoch. Zudem belasten eine teure Übernahme und ein Gewinneinbruch die Bilanz. Schon bald könnte das Unternehmen eine Kapitalerhöhung durchführen - was den Aktienkurs weiter drücken dürfte.
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HB FRANKFURT. Die meisten der jüngsten Börsengerüchte über ihr Unternehmen entlocken den K+S-Managern nur ein müdes Lächeln. Egal ob es um einen angeblichen Einstieg von Starinvestor Warren Buffett ging oder eine Übernahme durch Weltmarktführer Potash - die Spekulationen lösten sich innerhalb kürzester Zeit in Luft auf. Anders fällt die Redaktion in der Kasseler Firmenzentrale dagegen aus bei Fragen nach der von Börsianern erwarteten Kapitalerhöhung. Konzernchef Norbert Steiner bezeichnet die Ausgabe neuer Aktien als denkbare Option, und viele Experten gehen davon aus, dass sich der Salz- und Düngemittelkonzern bereits in den kommenden Wochen auf diese Weise frisches Geld beschaffen wird.

"Gerüchte über eine Kapitalerhöhung gibt es schon eine ganze Weile, und sie sind sicher nicht grundlos vor dem Hintergrund der Finanzlage von K+S", sagt Equinet-Analyst Michael Schäfer. Im Blick haben die Experten besonders das Verhältnis von Schulden und Gewinn, das sich wegen der milliardenschweren Übernahme des US-Konzerns Morton Salt und des Ergebniseinbruchs verschlechtert hat. "Deshalb wird es für K+S schwierig, in diesem Bereich die Jahresziele zu erreichen", sagt Analyst Heinz Müller von der DZ Bank.

Wie viele Kollegen geht Müller deshalb davon aus, dass K+S seine Bilanz aufbessern und noch in diesem Jahr Geld von den Aktionären einsammeln wird. "Wenn etwas passiert, dann in den nächsten zwei Wochen", sagt der Experte voraus. Denn anschließend dürften sich viele Investoren in die Weihnachtsferien verabschieden. Müller rechnet damit, dass K+S die Anzahl seiner Aktien um rund zehn Prozent erhöhen wird. "Bis zu dieser Schwelle sind die formellen Hürden am geringsten", erläutert er. In diesem Fall würde das Unternehmen vermutlich etwas mehr als 600 Mio. Euro einnehmen.

"Wenn sich K+S für eine solche Maßnahme entscheidet, dann vor allem mit Rücksicht auf seine Ratings", ergänzt NordLB-Analyst Thorsten Strauß. Derzeit bewerten die Bonitätswächter von Moody's die Kreditwürdigkeit des Konzerns mit einem "Baa2"-Rating, die Standard & Poor's-Note lautet "BBB". Der Ausblick beider Agenturen ist jedoch negativ. Im Falle einer Herabstufung müsste der Düngemittelhersteller höhere Zinsen für seine Kredite bezahlen, was das laufende Geschäft und künftige Zukäufe deutlich schwieriger machen würde.

Unter Zugzwang sieht Strauß den Konzern jedoch nicht und verweist auf den positiven Bargeldfluss. Außerdem gibt er zu bedenken, dass K+S bei einer Kapitalerhöhung auf seine beiden Großaktionäre Rücksicht nehmen müsste: den Chemieriesen BASF und den russischen Investor Andrej Melnitschenko. "BASF würde bei einer Kapitalerhöhung sicher mitziehen, aber beim russischen Großaktionär bin ich mir da nicht so sicher", sagt Strauß. Auch die anderen Aktionäre dürften von der Ausgabe neuer Aktien nicht besonders erfreut sein. "Eine Kapitalerhöhung würde natürlich auf den Kurs drücken", sagt Strauß. "Und der kommt ja schon länger nicht aus dem Keller heraus." Im Vergleich zu ihrem Jahreshoch Anfang Juni hat die K+S-Aktie knapp 30 Prozent an Wert eingebüßt. Der Dax stieg dagegen im gleichen Zeitraum um zwölf Prozent.

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