Nach dem Einstieg des Milliardärs Haim Saban hoffen Analysten auf ein strafferes Management
Kursrally von Pro Sieben sorgt für Skepsis

An der Aktie von Deutschlands größtem TV-Konzern, der Pro Sieben Sat 1 Media, scheiden sich die Analysten-Meinungen: Die einen stimmt der rasante Kursanstieg im August skeptisch, die anderen optimistisch. Acht Analysten raten laut Bloomberg, den Wert zu kaufen, zehn zu halten, und neun empfehlen, zu verkaufen.

FRANKFURT. Die Hoffnung auf eine Wende im Markt für Fernseh-Werbung und die Sanierung durch den neuen Anteilseigner, den amerikanisch-israelischen Milliardär Haim Saban, ließ die Aktie der Senderkette in den ersten August-Wochen sprunghaft steigen. Bei knapp über 9 Euro erreichte sie Mitte des Monats ihren Höchstwert.

Mit der Übernahme des Fernsehkonzerns durch Saban, der 72 % der Stammaktien hält, ist ein großer Teil des hiesigen Privatfernsehens – Pro Sieben, Sat 1, Kabel 1 und N24 – in amerikanischen Besitz übergegangen. Danach hatte die Holding Sabans angekündigt, den Vorzugsaktionären nur den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestpreis zu zahlen. Der ergibt sich aus dem nach Volumen gewichteten Kurs der letzten drei Monate – und liegt bei 6 Euro. Ein solches Übernahmeangebot zu präsentieren, ist nach deutschem Aktiengesetz Pflicht.

Der große Deal hat laut Lorne Campbell, Analyst der Credit Agricole Indosuez Cheuvreux, Bewegung in den Konzern gebracht: Im Sinne des „finanziellen Erfolgs wird mit Haim Saban ein schnelleres Tempo herrschen“. Er sei als Investor „ungeduldiger als bisherige Eigentümer“. Dennoch lautete Campbells Empfehlung auch schon vor Sabans Einstieg „kaufen“. Hauptgrund dafür sei die mögliche Steuerreform gewesen, die „rund 18 Mrd. Euro zusätzliche Kaufkraft freisetzen und die Endnachfrage der Konsumenten steigern soll“. Denn es bestehe „eine relative starke Korrelation zwischen Werbeausgaben und Konsumausgaben“.

Eine „leichte Erholung des Werbemarktes“ zeichnet sich auch nach Ansicht des Analysten der Equinet Institutional Services AG, Ralf Marinoni, ab. Bei der betrachteten Entwicklung handele es sich aber um eine „Brutto-Betrachtung“. „Eine lineare Ableitung auf Netto-Zahlen, was den tatsächlichen Umsätzen der TV-Sender entspricht, ist fahrlässig“, urteilt der Branchenkenner. Während der TV-Bruttowerbemarkt im ersten Halbjahr 2003 um 0,3 % zurückgegangen sei, hätten sich die Umsätze der Pro Sieben Sat 1-Sender aber um fast 10 % reduziert. Obwohl der Equinet-Analyst „verkaufen“ empfiehlt, blickt er „optimistisch“ in die Zukunft des Konzerns. Dass die Aktie in den letzten zwei Wochen um 50 Prozent zugelegt habe, sei aber „zu viel des Guten“, sagt er. „Da ist eine starke Übertreibung drin

.“

Optimistisch gestimmte Analysten wie Campbell sehen das anders. „Die Kosten sind im zweiten Quartal wieder gut unter Kontrolle gebracht worden.“ Zudem sei die Senderkette dem Schwund des Zu- schauer-Marktanteils „aktiv“ begegnet: Etwa mit der Fußball-Champions League, die Sat 1 in der laufenden Saison live überträgt

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