Nach dem Kurssturz droht nun eine weitere Verwässerung der Aktie
Converium steht vor Kapitalerhöhung

Für die Manager des Schweizer Rückversicherers Converium, der morgen seine Halbjahresbilanz ziehen will, könnte die Veranstaltung unangenehm werden. Der Rückversicherer braucht dringend neues Geld.

ZÜRICH. Die Manager des Schweizer Rückversicherers Converium hatten sich den morgigen Tag, an dem sie ihre Halbjahresbilanz ziehen wollen, anders vorgestellt: Das Unternehmen schien bislang auf dem besten Weg, um im günstigen Umfeld in diesem Jahr seine Ertragskraft nochmals zu verbessern und die Kapitalrendite von 15 Prozent, die beim Börsengang vor drei Jahren versprochen worden war, jetzt auch zu erreichen. Doch aus den Erfolgsmeldungen ist eine Schreckensgeschichte geworden. Die Veranstaltung morgen in Zürich wird sich nur um ein Thema drehen: Wie kommt Converium an neues Geld?

In der vergangenen Woche hatten die Schweizer feststellen müssen, dass sie die Entwicklung ihres Geschäfts mit Haftpflichtversicherungen in den USA falsch eingeschätzt haben. In den Jahren 1997 bis 2001, als Converium noch Teil der Zurich Financial Services (ZFS) gewesen war, hatte das inzwischen komplett ausgetauschte US-Versicherungsteam offenbar keine glückliche Hand und ging etwa beim Abschluss von Manager-Haftpflichtversicherung Verpflichtungen ein, die höhere Risiken enthielten, als gedacht. Deswegen und weil sich in den vergangenen Monaten die Schadensmeldungen häuften, sieht sich Converium gezwungen seine Reserven um 400 Mill. Dollar aufzustocken.

Converium-Chef Dirk Lohmann hat daher bereits eine Kapitalerhöhung als Möglichkeit angedeutet, wieder liquide zu werden. Da der Kurs der Aktie nach der Meldung aus der vergangenen Woche jedoch um rund die Hälfte eingebrochen ist, würde eine Kapitalerhöhung, die den vollen Fehlbetrag deckt, das Aktienkapital ganz erheblich verwässern. Analysten wie Viktor Dammann von der Schweizer Bank Vontobel bezeichnen es deswegen als einen „gangbaren“ Weg, dass Converium eine Hälfte der benötigten Summe über eine Aktienerhöhung und die andere über eine Zwangsanleihe, deren Einnahmen als Eigenmittel des Unternehmens gelten, einnimmt. Converium Finanzchef Martin Kauer will sich dazu bislang nicht äußern und verweist auf die Dienstagsrunde.

Lohmann und Kauer wissen, dass sie, so schnell es geht, eine Lösung präsentieren müssen. Vertrauen aufzubauen ist ein mühsamer Weg, es zu verspielen, gelingt innerhalb von Stunden. Der über alle Maßen heftige Kurssturz vom vergangenen Dienst hat den Verantwortlichen gezeigt, auf welch tönernen Füßen das Unternehmen steht, dass sich erst im Dezember 2001 durch einen Börsengang von der ZFS abgenabelt hatte. Die Converium-Manager müssen sich fragen lassen, wieso sie – angesichts von Risiken die zum Teil noch aus dem Jahr 1997 stammen – nicht eher Korrekturen angebracht haben. Wieso sind die Risiken nicht schon beim Börsengang so eingehend geprüft worden, dass Überraschungen wie die der vergangenen Woche ausgeschlossen werden konnten?

Von den Antworten auf diese Fragen wird die weitere Kursentwicklung abhängen. Die Ratingagenturen sehen das genauso: Standard & Poors zum Beispiel stufte Converium zunächst vorsichtig von A auf A- zurück und verband diese Einschätzung ausdrücklich mit der Bedingung, dass jetzt ein schlüssiger Weg in die Zukunft gezeigt werden müsste. Ansonsten sei eine weitere Rückstufung möglich.

Abwarten heißt also die Devise für die Anleger – eine Strategie, die auch die Analysten empfehlen: JPMorgan beispielsweise stuft die Aktie der Schweizer auf „neutral“ herunter.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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