Nach den gewaltigen Kursgewinnen im Vorjahr ist die Phantasie vorerst raus
Analysten zögern bei Drägerwerk-Aktie

Die Aktie der Drägerwerk AG, Anbieter von Medizin- und Sicherheitstechnik, hat Anlegern in den vergangenen zwei Jahren viel Freude gemacht. Von einem Kurs bei 15 Euro im Herbst 2002 startete das Papier eine Rally, die erst im Januar dieses Jahres bei mehr als 60 Euro ihr vorläufiges Hoch erreichte. Seither ist es ruhiger um das Papier geworden.

DÜSSELDORF. Die große Kursphantasie ist vorerst verklungen und Analysten raten Anlegern mehrheitlich zu einer „neutralen“ Haltung. Andererseits bleibt die Aktie aus Sicht der Experten ein solides Investment mit langfristig positiven Aussichten.

Den gewaltigen Kurssprung des vergangenen Jahres verdankte die Drägerwerk-Aktie einem konsequenten Konzernumbau. Inzwischen sind die Umbauarbeiten so gut wie abgeschlossen. Nach der Trennung von der Luftfahrtsparte und kleineren Randbereichen ruht das Unternehmen nun vollends auf den beiden Säulen Medizin- und Sicherheitstechnik, in denen es jeweils einen bedeutenden Weltmarktanteil hat.

Im Bereich Sicherheitstechnik stellt Drägerwerk Ausrüstungen für Feuerwehren, Polizei, Militär und Industrie her. Neben Schutzanzügen und Atemschutzmasken beinhaltet das Sortiment Gasmess- und Tauchgeräte. Diese Säule gilt bei den Analysten als solide, aber wenig aufregend. Bessere Wachstumsaussichten versprechen sich die Fachleute von der Medizintechnik, die im vergangenen Jahr in einem Gemeinschaftsunternehmen mit Siemens aufging, an der Drägerwerk mit einem Anteil von 65 Prozent die Mehrheit hält. Zwei Drittel des Umsatzes entfallen auf diese Sparte, in der Apparate zur Patientenüberwachung, Beatmung und Anästhesie produziert werden. Gute Wachstumsperspektiven sehen Analysten und das Unternehmen selbst vor allem in den USA, wo mehr als 40 Prozent der weltweiten Umsätze gemacht werden, sowie in Asien.

Christian Cohrs von der Hypo-Vereinsbank stuft Drägerwerk mit „neutral“ ein, sein Kursziel liegt bei 51 Euro. Das Papier ist schon sehr hoch bewertet und Drägerwerk muss die im Kurs eingepreisten Erwartungen der Anleger erst einmal erfüllen“, sagt der Analyst. Er rät Anlegern, mit Käufen abzuwarten, die Aktie aber nicht aus den Augen zu verlieren, da der Konzern an sich blendend da stehe. Besonders hebt Cohrs die Innovationskraft der Lübecker hervor, die im vergangenen Jahr annähernd 100 Mill. Euro in Forschung und Entwicklung investiert haben – fast sieben Prozent ihres Umsatzes. Diese Investitionen zahlen sich aus: 2003 lag die Zahl der Patente und Gebrauchsmuster fast doppelt so hoch wie im Jahr zuvor.

Wertmutstropen Aktionärsstruktur

Auch Markus Krämer von Sal. Oppenheim ist bei der Drägerwerk-Aktie zurückhaltend und stuft sie ebenfalls mit „neutral“ ein; Kursziel für die kommenden sechs bis zwölf Monate ist 53 Euro. Zwar sei die Umstrukturierung erfolgreich verlaufen, doch fehlten im Moment die Impulse für einen neuerlichen Kursanstieg, bemängelt Krämer. Langfristig sieht er das Papier hingegen wieder im Aufwind. Drägerwerk sei in der Medizintechnik einer der wenigen Systemanbieter mit großer Produktpalette. Und diesen gehöre die Zukunft, sagt Krämer. „Im Krankenhaus muss viel dokumentiert werden. Ein Anbieter wie Drägerwerk hat den Vorteil, dass er alle Geräte aus einer Hand liefern und sie untereinander vernetzen kann. Das spart natürlich Kosten.“

Eine Kaufempfehlung spricht Burkhard Weiss von der Commerzbank aus, allerdings nur für mittel- bis langfristig orientierte Anleger. Diesen rät er, die Aktie „überzugewichten“. In den nächsten drei Monaten seien zwar keine großen Sprünge zu erwarten, für Käufer mit Geduld könnte sich ein Einstieg jedoch auszahlen. Auf Sicht von zwölf Monaten sieht Weiss den Kurs bei 60 Euro. Mittelfristig spreche die gute Positionierung in der Medizintechnik für eine merkliche Kurssteigerung. Zudem sei die Aktie in diesem Punkt im Vergleich zu amerikanischen und schweizerischen Konkurrenten günstig bewertet.

Ein Wermutstropfen bei Drägerwerk bleibt die Aktionärsstruktur. Die Stammaktien sind vollständig im Besitz der Familie Dräger. Investoren können damit nur die stimmrechtslosen Vorzüge kaufen.

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