Nach der jüngsten Gewinnwarnung steuert auch Ford auf den Junk-Bond-Status zu
Analysten sehen bei GM-Herabstufung keine Krise

Die beiden führenden Autokonzerne der USA, Ford und General Motors (GM), steuern auf den Verlust ihrer Kreditwürdigkeit hin. In den vergangenen Tagen rückte die Möglichkeit ins Blickfeld, dass die beiden Autokonzerne und ihre Finanztöchter, die zu den größten Schuldnern der USA zählen, ihren Status als sichere Finanzanlage, den so genannten Investment Grade, verlieren könnten.

je PORTLAND. Bei den Ratingagenturen Moody’s, Standard & Poor’s und Fitch rangieren GM und ihre Finanztochter GMAC nur noch eine Stufe über Junk-Niveau, bei dem die Papiere als Abfall gelten. Der Ford-Konzern, der noch vor zwei Wochen anlässlich der Gewinnwarnung von GM seine positive Prognose bestätigte, ruderte jetzt mit seinen Erwartungen für 2005 und 2006 ebenfalls stark zurück.

S&P, die auch Ford-Anleihen bislang nur eine Stufe über Junk bewerten, setzte daraufhin wie bei GM die Vorzeichen auf negativ und erklärte, die Abstufung sei jederzeit möglich. Fitch bewertet Ford noch zwei Stufen über der Risikokategorie, setzte aber die Vorzeichen ebenfalls auf negativ. Aber Analyst Dan Ilany von Bear Stearns sieht gute Chancen, dass Ford in diesem Jahr bessere Ergebnisse erwirtschaftet als GM und damit die Bewertung retten kann: „Ford hat etwa sechs Monate länger Zeit als GM, um einen Weg aus der Krise zu finden“; sagt er. Die Abstufung von GM- und GMAC-Papieren auf Risikoniveau noch in diesem Jahr hält Ilany dagegen für „nahezu unvermeidlich“.

Im Gegensatz zur Chrysler Group haben GM und Ford mit der Erneuerung ihrer profitabelsten Modelle zu lange gewartet und wichtige Trends verschlafen. Während sich ihre überalterten Autos selbst mit hohen Preisnachlässen nur zäh verkaufen, steigen die Kosten für Stahl sowie die Pensionslasten. Gleichzeitig zwingt der Wettbewerb zu Rabatten. GM hat deshalb keine Chance, sein Investitionsbudget in Höhe von acht Mrd. Dollar für 2005 zu kürzen. Die geplatzte Ehe mit Fiat verschlingt zusätzlich zwei Milliarden Dollar.

Die Abstufung von GM und möglicherweise Ford würde die Kreditbedingungen für die Autobranche, insbesondere für die großen Zulieferer Delphi und Visteon verschlechtern, sagt Ilany. Bei einer Verteuerung um einen Zehntel-Prozentpunkt kostet ein 100-Mill.-Dollar-Kredit jährlich 100 000 Dollar zusätzlich an Zinsen. Papiere von GM und GMAC werden gehandelt, als hätten sie bereits Junk-Status.

Mit einem Liquiditätsengpass beiGeneral Motors rechnet indessen niemand. GM hat rund 20 Mrd. Dollar und GMAC gut 22 Mrd. Dollar in der Kasse und zusätzlich Zugang zu umfangreichen Kreditlinien. Auf der anderen Seite summieren sich allein die Schulden von GMAC auf mehr als 267 Mrd. Dollar, davon sind fast 100 Mrd. Dollar kurzfristige Verbindlichkeiten.

Obwohl viele Anlagefonds, vor allem Pensionsfonds, nur als Investment-Grade bewertete Papiere halten dürfen, sieht Ilany bei einer Abstufung keine Flut von GM-Papieren. Die hohen Kursschwankungen der vergangenen Wochen deuteten darauf hin, dass sich zahlreiche Fonds schon von GM-Anleihen trennen. Bei einer Abstufung rechne er noch mit drei bis sechs Milliarden an Verkäufen, die der Markt aber mit steigenden Renditen verdauen könne. „Für Anleger wird der Einstieg damit im Laufe des Jahres noch günstiger und wir empfehlen, die Gelegenheit zu nutzen“, sagt Ilany.

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