Nach Lloyd Fonds und HCI startet auch Jerini unterhalb des Ausgabekurses
Schwache Börsendebüts sorgen für miese Stimmung

Das Klima für Börsengänge (IPO) hat sich eingetrübt. Nach dem enttäuschenden Start von Lloyd Fonds am Freitag rutschten gestern auch die Aktien des Biotechnologieunternehmens Jerini sofort unter ihren Ausgabepreis.

DÜSSELDORF. Der erste Kurs lag bei 3,10 Euro. Die Papiere waren zu 3,20 Euro und damit ohnehin schon am untersten Ende der Preisspanne ausgegeben worden. „Angesichts des schwierigen Börsenumfeldes sind wir mit dem Start sehr zufrieden“, sagte Martin Hörstel von der Deutschen Bank, die den Börsengang begleitete.

Am Abend etablierte sich die Jerini-Aktie bei geringem Handelsvolumen zwar über dem Ausgabekurs. Doch insgesamt bestätigen sich Befürchtungen, dass die Stimmung kippt, seitdem Eutelsat am vergangenen Donnerstag seinen geplanten Börsengang in Paris abgebrochen hatte. „Die erste IPO-Euphorie ist vorüber, bevor es überhaupt richtig begonnen hat“, sagt Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Der drittgrößte Satellitenbetreiber hatte seinen Schritt mit „besonders schwierigen Marktbedingungen“ begründet und auf die Börsensituation verwiesen. Zuvor hatte Eutelsat die Preisspanne um gut 25 Prozent gesenkt und damit auf die geringe Nachfrage reagiert.

Der Verweis auf die schlechte Börsenstimmung überrascht allerdings ein wenig. Zwar verlor der Deutsche Aktienindex (Dax) in den vergangenen Wochen fünf Prozent an Wert. Zuvor legte er allerdings in nur fünf Monaten mehr als 20 Prozent zu. Seit Frühjahr 2003 haben sich die Kurse im Dax – ebenso wie die in anderen großen Indizes Europas – sogar verdoppelt. Gemessen daran ist die jüngste Korrektur kaum der Rede wert. Analysten stufen sie unisono als „gesund“ ein, ohne bislang Anzeichen für eine Wende am Aktienmarkt zu erkennen.

Ein näherer Blick auf ein Dutzend deutsche Neuemissionen in den letzten zwei Monaten zeigt vielmehr, dass nicht allein das Börsenumfeld Ursache für das schlechte Abschneiden ist. Vielmehr verschulden die Börsendebutanten auch selbst einen Teil der negativen Stimmung. So nutzte der Internet-Lottoanbieter Tipp24 die gute Börsenstimmung aus und teilte seine Aktien am obersten Rand der Preisspanne zu. „Schädlich war, dass Tipp24 die Preisspanne bis zum letzten Cent ausgereizt hat“, sagt Schallenberger. Dadurch erweckte das Unternehmen den Eindruck, auf Kosten der Anleger gierig gewesen zu sein. Tipp24 rutschte sofort unter den Ausgabekurs, notierte gestern aber immerhin noch um den Ausgabekurs von 20,50 Euro.

Schlechter sieht es bei HCI aus. Das Hamburger Unternehmen, das Schiffsfonds verkauft, geriet schon vor dem Börsengang in die Kritik. Ein Großteil des Erlöses aus dem Aktienverkauf fließt nicht in Investitionen, sondern in die Taschen der Altaktionäre. Der Ausstieg der Alteigner machte viele Anleger hellhörig und stieß auf Kritik. HCI verlor seit dem Start vor vier Wochen mehr als 20 Prozent an Wert.

Im Minus notiert auch Lloyd Fonds, ein weiterer Anbieter geschlossener Schiffsfonds. Am Freitag zu 16 Euro zugeteilt, rutschte die Aktie sofort ab und hat seitdem nicht mehr den Ausgabekurs erreicht. Dabei hatte Lloyd Fonds bereits im Vorfeld Zugeständnisse gemacht und die Emissionsspanne um drei auf 16 bis 18 Euro gesenkt.

Mit Interesse verfolgen Investoren angesichts der enttäuschenden IPO-Bilanz die Börsenpläne von Praktiker. Der Handelskonzern Metro will Finanzkreisen zufolge rund 850 Mill. Euro für die Baumarktkette erlösen. Damit wäre Praktiker hinter dem Bezahlsender Premiere der zweitgrößte Börsengang in Deutschland in diesem Jahr.

Branchenexperten sind aber trotz eines entsprechenden Aufsichtsratsbeschlusses skeptisch, ob sich Metro tatsächlich und endgültig von seinen ursprünglichen Verkaufsplänen verabschiedet hat. Bei schlechter Börsen- und Neuemissionsstimmung dürfte sich das Börsendebüt noch um einige Zeit verschieben – oder erst einmal ganz auf Eis gelegt werden.

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