Nach Milliardenkauf
Anleger feiern Investoren-Legende Warren Buffett

Warren Buffett will die Bahngesellschaft Burlington kaufen und dafür mehr bezahlen als für jeden anderen Zukauf zuvor. Dass der Deal zu teuer sein könnte, fürchten die Anleger aber nicht. Die Aktien der Buffett-Holding Berkshire Hathaway ziehen - zusätzlich gestützt von guten Quartalszahlen - weiter an. Davon können bald noch viel mehr Anleger profitieren.
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DÜSSELDORF. Warren Buffett ist an den Börsen ein ganz besonderes Phänomen: Was immer der legendäre Investor sagt, wann immer er mit seiner Holding-Gesellschaft Berkshire Hathaway bei einem Unternehmen einsteigt oder Anleihen kauft - dicke Schlagzeilen in den Wirtschaftsmedien sind ihm sicher. Dabei ist Berkshire Hathaway selbst für die viele Anleger bisher unerreichbar: Mehr als 100 000 Dollar kostet eine Aktie der Buffett-Gesellschaft. Die billigere B-Aktie kommt immer noch auf einen stolzen Preis von rund 3 400 Dollar. Und das, obwohl jede A-Aktie 200 mal so viele Stimmrechte hat wie eine B-Aktie.

Im Dezember 2007 waren A-Aktien von Berkshire sogar mal 149 200 Dollar wert. Doch im Zuge der Finanzkrise, die auch die Beteiligungen des Börsengurus schmerzhaft trafen, war das Papier abgestürzt. Im März dieses Jahres kosteten Berkshire-Anteil nur noch gut 73 000 Dollar, ehe die Wende einsetzte. Die Nachrichten der vergangenen Wochen haben dem Kurs haben den Aufwärtstrend noch einmal beschleunigt. Auch heute geht es zum Börsenstart um zwei Prozent auf 104 500 Dollar aufwärts.

Buffett hatte ja auch eine Menge zu verkünden: Am Freitag legte Berkshire Hathaway richtig gute Quartalszahlen vor. Dank steigender Aktienkurse, deutlich steigender Gewinne im Versicherungsgeschäft sowie eines Milliardenertrags aus Kreditkontrakten verdreifachte die Holding ihr Quartalsergebnis auf 3,2 Mrd. Dollar. Für noch mehr Aufsehen hatte Buffett zwei Tage zuvor gesorgt, als er die Komplettübernahme des größten amerikanischen Eisenbahnunternehmens Burlington Northern Santa Fe ankündigte. Mit einem Gesamtwert von 44 Mrd. Dollar ist es der teuerste Zukauf, den der 79-Jährige je getätigt hat.

Bei vielen anderen Unternehmen würde solch ein Mega-Deal automatisch Skeptiker auf den Plan rufen. Nicht so bei Buffett. In Börsenbriefen und Finanzblogs feiert die Fangemeinde die Übernahme. "Buffett investiert in ein Geschäft, das er extrem gut kennt und das gewaltiges Langfrist-Potenzial hat", heißt es beim US-Finanzinformationsportal "Money Morning". Das Eisenbahngeschäft werde angesichts steigender Energiepreise "fast sicher an Wert gewinnen". Wer noch keine von Berkshire habe, sollte sich welche zulegen. Auch die Analysten von Keefe, Bruyette & Woods - einem der wenigen Brokerhäuser, das ein Anlageurteil für Berkshire-Aktien ausgibt - bestätigten nach der ereignisreichen Woche ihre Kaufempfehlung für den Buffett-Konzern.

Positiv hervorgehoben wird von Experten auch, dass Buffett sein bisher sehr finanzlastiges Portfolio mit dem Zukauf in der "old economy" besser diversifiziert und dass er den hohen Bestand an Cash reduziert und damit einer Entwertung der Barmittel durch eine steigende Inflation zuvorkommt.

Bei den Ratingagenturen stößt genau dies allerdings auf ein negativeres Echo. Standard & Poor's, das als einziges Ratinghaus noch die Top-Note "AAA" für Berkshire Hathaway vergibt, hat dieses Urteil nach Ankündigung der Burlington-Übernahme auf den Prüfstand gestellt. "Die Transaktion wird die Liquidität und die Kapitalausstattung im Versicherungsgeschäft verringern", begründete S&P den Schritt. Beim Konkurrenten Fitch, der Berkshire bisher mit der zweitbesten Noten "AA+" bewertet, dieses aber ebenfalls auf "Watch" gesetzt hat, bemängelt man, dass "ein wachsender Anteil der Vermögenswerte Anlagen mit geringerer Kreditqualität und weniger Liquidität seien". Zudem dränge Buffett mit Buffett zunehmend in Geschäfte, die stärker an der gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen hängen als die langjährigen Versicherungsaktivitäten.

Dass er mit der Burlington-Übernahme eine Wette auf die Konjunkturerholung eingeht, macht Buffett allerdings auch selbst unmissverständlich klar. "Ich setze alles auf die wirtschaftliche Zukunft der USA", sagte er mit Blick auf den Zukauf. Der Bahnverkehr auf der Schiene sei entscheidend für das künftige Wachstum Amerikas. "In 10, 20 oder 30 Jahren wird es mehr Leute geben, die mehr Güter transportieren."

In einem bleibt sich Buffett damit auf jeden Fall treu. Eine Investition muss sich für ihn nicht kurzfristig, sondern auf lange Sicht auszahlen. In einem anderen Punkt bricht der 79-Jährige jedoch mit früheren Prinzipien: Die B-Aktien von Berkshire werden in Kürze per Aktiensplit im Verhältnis 50:1 geteilt. Der Preis des günstigeren "Buffett-Papiers" sinkt damit auf 65 bis 70 Dollar, es wird nun für die Massen erschwinglich. Einen solchen Schritt hatte Buffett bisher stets abgelehnt, weil ein Split zu unterschiedlichen Zielen des Unternehmens und der Aktionäre führe und die Aktie anfällig für Spekulationen werde.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)

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