Nach Patt im Bundestag erwarten Finanzhäuser Rückzug ausländischer Investoren und stagnierende Kurse
Sonderkonjunktur des Dax läuft aus

Kurzfristig hat der Deutsche Aktienindex (Dax) den unerwarteten Wahlausgang und die unklaren Mehrheitsverhältnisse gut verdaut. Seit gestern notierte das Börsenbarometer wieder über 5 000 Punkten und damit so hoch wie seit Mai 2002 nicht mehr. Doch Analysten sind sich sicher, dass die Zeiten, in denen der Dax besser als die anderen großen Indizes in Europa abschneidet, vorbei sind. Aus dem Ausland dürfte weniger Geld in den deutschen Markt fließen.

DÜSSELDORF. Weltweit beschäftigen sich die Banken mit dem Wahlausgang in Deutschland. Tenor bei gut 20 untersuchten Studien und Prognosen: Deutschlands börsennotierte Firmen sind stark genug, um der politischen Unsicherheit zu trotzen. „Solange die Unternehmen sich restrukturieren und die Gewinne weiter zulegen, können deutsche Aktien trotz politischen Stillstandes weiter steigen“, heißt es bei Henderson Global Investors in London. Nach Ansicht von Goldman Sachs erhalten deutsche Aktien auch künftig Unterstützung von ihrer günstigen Bewertung und vom robusten Wachstum der Weltwirtschaft. Gemessen an den Firmengewinnen, sind Aktien hier zu Lande 15 Prozent preiswerter als Standardwerte im übrigen Europa.

Allerdings verweisen die Experten darauf, dass Reformen im Gesundheitswesen, Arbeitsmarkt und Steuersystem, wie sie vor der Wahl von der Börse erwartet worden sind, nun in weite Ferne rücken. Deshalb werde der Dax seine „Outperformance“, also die bessere Entwicklung gegenüber anderen Börsen, einbüßen, ist sich die Schweizer Großbank UBS gemeinsam mit vielen anderen Häusern sicher.

Tatsächlich gibt es seit dem Wahlsonntag zwischen dem Dax und anderen großen Indizes nur noch einen Gleichlauf. Das war vorher anders: Seit der Neuwahlankündigung von Kanzler Gerhard Schröder am 22. Mai hatte der Dax in Erwartung eines CDU/FDP-Bündnisses und einschneidender Reformen gut vier Prozent besser als die übrigen europäischen Indizes abgeschnitten. Gegenüber den USA war der Vorsprung noch größer (siehe „Deutsche Aktien liegen vorn“ auf der nächsten Seite).

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