Nach Platzierung eines weiteren Aktienpakets der KfW-Bank sind die Fesseln staatlicher Einflussnahme gelockert
Experten sehen Post-Aktie vor neuer Ära

Die Deutsche Post darf sich knapp fünf Jahre nach dem Börsengang ab sofort Privat-Unternehmen nennen. Post-Chef Klaus Zumwinkel spricht sogar vom Beginn einer neuen Ära. Analysten sehen jetzt den optimalen Einstiegspunkt für Anleger.

DÜSSELDORF. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat Aktien der Post zu einem Preis von 18,90 Euro je Stück im Wert von 2,08 Mrd. Euro bei internationalen institutionellen Investoren platziert. Damit ist der Anteil der in Privatbesitz befindlichen Aktien des Logistikkonzerns erstmals auf über 50 Prozent gestiegen.

Die Nachfrage sei sehr hoch gewesen, sagte eine KfW-Sprecherin. Bereits nach einem halben Tag seien die Bücher geschlossen worden. Zuletzt betrug der Free-Float 44 Prozent. Nach dem vollständigen Abschluss der Transaktion wird die KfW noch rund 38 Prozent der Post-Aktien halten, der Bund kommt auf rund sieben Prozent. Der Streubesitz liegt dann bei 55 Prozent. Den federführenden Banken, Deutsche Bank, Goldman Sachs und UBS, hat die KfW noch eine Mehrzuteilungsoption eingeräumt, die bis zum 14. Juli ausgeübt werden kann. Die Chancen für die Nutzung dieses Greenshoe stehen nicht schlecht.

Durch den Verkauf kann der Finanzminister Hans Eichel mit zusätzlichen Einnahmen von bis zu einer Milliarde Euro rechnen. Sie sollen noch im laufenden Haushalt 2005 verbucht werden. Bis Mitte Mai 2006 muss sich der Finanzminister nun gedulden, bis er auf einen neuen Geldsegen aus der Post-Schatulle hoffen kann. So lange dauert es, bis die KfW erneut Post-Aktien verkaufen darf.

Zumwinkel hofft, dass die Privatisierung der Post bis zur vollständigen Liberalisierung des Briefmarktes im Jahr 2008 abgeschlossen sein wird. Er sieht im Anstieg des Streubesitzes Vorteile für die Post: So steige das Gewicht in Indizes. Erweitern werde sich auch die Investorenbasis vor allem im internationalen Bereich. Die Post werde künftig vor allem im Ausland positiver wahrgenommen, ist er überzeugt. Den Konkurrenten, insbesondere UPS und Fedex, wird es künftig schwerer fallen, die Post als Staatsunternehmen zu diskreditieren.

Der Verkauf der Post-Aktien durch die KfW drücke zwar den Kurs der Aktie nach unten, meinte Per-Ola Hellgren, Analyst von der Landesbank Rheinland-Pfalz, doch würden diejenigen, die jetzt verkauften, morgen die Verlierer sein. Hellgren sieht jetzt den optimalen Einstiegspunkt gekommen. Der Kurs dürfte sich schnell erholen. Das Unternehmen können jetzt außerdem stärker und flexibler agieren angesichts der verringerten Kontrolle durch den Staat.

In den vergangenen zwölf Monaten hätten mehrere Platzierungen staatlicher Anteile an ehemaligen Monopolunternehmen in Deutschland und Frankreich stattgefunden, so Hellgren. In keinem einzigen Fall habe die Platzierung zu nachweisbaren, nachhaltigen Kursverlusten geführt, auch nicht die misslungene Platzierung von France-Telecom-Aktien der vergangenen Wochen. Bei der aktuellen Platzierung handele es sich nicht um neu emittierte Aktien, also werde der Gewinn pro Anteil nicht verwässert. Hellgren hält die Post-Aktie beim aktuellen Kurs für fundamental unterbewertet. Sein Kursziel per Ende 2005 lautet 21 Euro – das liegt allerdings gerade einmal auf dem Niveau des Emissionskurses der Post-Aktie.

Skeptischer sind die Analysten von UBS. Sie behalten ihr Kursziel bei 18 Euro. Das größte Risiko sehen sie in dem stark zyklischen Geschäft des Logistikkonzerns weltweit. Doch belasteten die Post auch die Stagnation im Briefgeschäft sowie die Restrukturierung des defizitären Paketgeschäfts in den USA.

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